Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Auf Amazon ist Sichtbarkeit die halbe Miete – im echten Leben bin ich lieber unsichtbar …

Gestern war ein komischer Tag. Und erneut liegt eine fast schlaflose Nacht hinter mir. 30 Minuten habe ich am frühen Morgen zusammengekratzt. Und das nur, weil M. die Kinder für Kindergarten und Schule fertiggemacht und sie auch hingebracht hat.

Er tut wirklich wahnsinnig viel für die Familie, teilt sich Haushalt und Kocherei mit mir und ist nebenher noch Fulltime im Homeoffice.

Er heitert und fängt mich auf, liebt und begehrt mich – auch dann, wenn ich mich fühle wie 102 und als das garstigste Geschöpf auf Gottes schöner Erde, das sich darauf spezialisiert hat, Inkompetenz mit Scharfzüngigkeit zu kaschieren bzw. zu kompensieren.

Ich visualisiere mich übrigens gerne als weibliche Ausgabe des miesepetrigen Opas, der aus seinem “Monster House” stürmt und auf alles und jeden losgeht, das ihm und seiner geliebten Bruchbude auch nur ansatzweise zu nahe kommt. Wobei ich Kinder grundsätzlich verschone und lieber Erwachsene verschrecke.

Kennt wer diesen Animationsfilm? Mein Eiliensche liebt den heiß und innig. Seit sie sich nicht mehr davor fürchtet. Wahrscheinlich ist ihr die frappante Ähnlichkeit zwischen mir und dem Griesgram-Opa auch nicht entgangen.

Und, was mache ich noch so – außer schlaflos und verplant durch die Gegend zu wanken und jede Mücke, die zufällig meinen Weg kreuzt, in ein Mammut zu verwandeln? Was das angeht, besitze ich wahrlich magische Kräfte. Auf dem Fachgebiet der Selbstzerstörung bin ich ein echter Merlin.

M. sagt, ich gebe ihm so viel und ich frage mich, was eigentlich. Ich habe eher das Gefühl, selbst dauernd zu nehmen und kaum zu geben.

Gut, wovon ich mehr als genug habe, ist Liebe. Das ist wahr.

Aber wenn ich nicht schlafe, was zur Zeit der Normalzustand ist, bin ich ziemlich depressiv. Außerdem kehrt gerade meine Anosmie zurück. Das erschreckt mich sehr, denn für mich, die so enorm viel zieht aus Düften und Aromen, bedeutet das eine enorme Einbuße an Lebensqualität. Meine Pollenallergie und ein paar Erkältungen haben dazu geführt, dass mir tagsüber immer wieder der Geruchssinn komplett wegbleibt.

Vorhin hat mir mein Mann ein Glas von dem Wasser angeboten, das er gestern mit frischer Minze aufgepeppt und über Nacht hat ziehen lassen. Und ich schmecke … nada.

Von dem zuckerfreien, aber mit Tonkabohne verfeinerten Griesbrei, den ich eben gekocht habe, kam auch nur eine leichte Süße und das warme Gefühl im Bauch an.

Zurück zu gestern.

Nach einigem Hin und Her habe ich mich dazu entschlossen, für den dritten Buchband keine Leserunde auf LovelyBooks zu veranstalten. Da ich mich an die Amazon-Regeln halte, die mir untersagen, bei Teilnahme am Select-Programm die eBooks anderswo als auf Amazon anzubieten, gleich in welchem Format, habe ich auf LB nur Printbücher verlost. In Runde 1 waren das noch 5 Stück. In Runde 2 zweimal fünf, da ich den Top-Rezensenten vom ersten Mal auch den zweiten Band zur Verfügung stellen und außerdem neuen Bewerbern eine Chance geben wollte.

Trotzdem handelte es sich dabei im Vergleich zu den Verlagen noch um eine lächerlich geringe Anzahl. Die hauen ja zum Teil 50 Taschenbücher pro Runde raus. Trotzdem war gerade Runde 1 ein voller Erfolg für mich. Da hatte ich nur einen einzigen Ausfall. Bei Runde 2 habe ich allerdings bei zwei neuen Bewerbern ins Klo gegriffen.

Die eine hat sich gar nicht gemeldet, ein weiterer hat sich höflich für die persönliche Widmung bedankt, aber im selben Atemzug erklärt, dass er keine Zeit dazu hätte, an der Leserunde teilzunehmen und zu rezensieren, weil er einen systemrelevanten Beruf ausübe. Hä? Das wusste er doch schon vor der Bewerbung? Ich habe ihm dann auch ziemlich brüsk geantwortet und zurück kam daraufhin natürlich gar nichts mehr.

Ich finde das echt daneben, denn ich habe bereits bei der Ankündigung zur Leserunde darauf hingewiesen, dass ich es mir leider nicht leisten kann, noch mehr Taschenbücher zu verlosen, zumal ich selbst den vollen Preis für jedes einzelne berappe. (Abzüglich des einen Euro Gewinns, aber dafür zahle ich innerhalb von Deutschland 2,70 EUR Versandkosten pro Buch und nach Österreich – da kam auch der ein oder andere Gewinner her – sogar 7 EUR.) Ihr könnt euch vorstellen, wie viele hundert EUR mich daher allein LovelyBooks gekostet hat. Hinzu kommen noch die ganzen Bücher, die ich an jene Leute, die mich während des Schreib- und Veröffentlichungsprozesses unterstützt haben, verschenkt habe.

Daher bin ich noch immer nicht am Break Even angelangt, aber immerhin fast.

Obwohl ich also von einer dritten Leserunde abgesehen habe, wollte ich dennoch nicht mit meiner “Tradition” brechen, das eBook für eine gewisse Zeit kostenlos auf Amazon anzubieten. Und weil ich zudem mal austesten wollte, ob es einen Unterschied macht, wenn ich nur einen einzelnen Band oder alle drei anbiete, habe ich diesmal tatsächlich die komplette Trilogie in die Aktion mit einbezogen. Dafür habe ich letztere allerdings auf zwei Tage begrenzt. Heute ist der zweite Tag.

Die Reaktion ist/war überwältigend. Aktuell habe ich sagenhafte 4.500 Downloads zu verzeichnen und alle drei Bände befinden sich seit gestern Nachmittag in den TOP 5 der Kindle Gratis TOP 100 (Stand 22.07., 15.00Uhr). Band 3 hatte es für kurze Zeit sogar auf Platz 1 geschafft.

Aber machen wir uns nichts vor. Diese 4.500 Downloads entsprechen bei Weitem nicht der identischen Anzahl von Lesern. Viele davon sind passionierte Schnäppchenjäger und laden sich das Buch einfach mal pro forma runter. Und die wenigsten hätten es wohl tatsächlich gekauft.

Außerdem werde ich, sowohl was die Ränge als auch was die Sichtbarkeit angeht, in kürzester Zeit wieder in bodenlose Tiefen abstürzen. Das lehrt mich meine Erfahrung und die anderer Autoren.

Trotzdem demonstriert diese Aktion mal wieder eindrucksvoll, wie viel die Sichtbarkeit ausmacht. Und wie gewinnt man normalerweise Sichtbarkeit? Im Grunde nur durch Werbung. Und Werbung ist teuer. Aktuell nutze ich ja einen kostenlosen Facebook-Werbegutschein und ich glaube, der hat die Downloadrate tatsächlich auch nochmal ziemlich angekurbelt.

Ich stehe Facebook nach wie vor sehr zwiegespalten gegenüber. Nirgendwo sonst tummeln sich so viele Trolle und Missgünstlinge und auch ich habe inzwischen einige gehässige Kommentare von irgendwelchen wildfremden Menschen abbekommen, obwohl ich auf FB eher sporadisch zugegen bin.

Ich brauche echt dringend ein dickeres Fell …

Andererseits beherrscht Facebook das Targeting so exzellent wie kaum eine andere Plattform: Mittels des riesigen Pools an spezifischen und persönlichen Userdaten, für welche dieses Netzwerk ja auch immer wieder in Verruf steht, schafft FB es, echte (potentielle) Leser anzusprechen und nicht nur Menschen, die einfach genervt weiterscrollen.

Und auch an den persönlichen Interaktionen merkt man deutlich, dass sich da neben den vielen Hatern gerade in den Buchgruppen auch eine große Anzahl an aufrichtig interessierten Lesern herumtreibt. Folglich kommt man als Autor an FB einfach nicht vorbei. Trotzdem sind es gerade die FB-affinen Menschen, mit denen ich unverhältnismäßig oft aneinander rutsche. Sogar in meinem analogen Freundeskreis.

Bevor ich noch mehr Müll absondere, beende ich meinen Eintrag jetzt und koche mir lieber eine Kanne extra starken Kaffee. Und die Kinder schreien nach Melone. Sollen sie kriegen.

30 Kommentare

  1. Avatar
    Glaeserne Cassandra

    22. Juli 2020 at 16:04

    Das Internet lässt den Idioten leider freien Lauf.
    Facebook ist da eine perfekte Plattform für. Bedauerlicherweise.

    • Da kann ich dir nicht widersprechen. Was dort teils abgeht, ist reine Hetze und entbehrt jeglichem gesunden Menschenverstand. Trotzdem hat es dort auch gute Leute. Aber die sind eher von der stillen Fraktion.

  2. Eigentlich wäre das Internet auch für mich als selbständigen Kreativen die allerbeste Werbung – ich müsste mit meinem Namen und meiner Arbeit eigentlich auf allen Kanälen sein, Instagram, Xing, YouTube, Facebook, TikTok, usw.. Bin ich aber nicht und deshalb auch kein Millionär, sondern ein armer Schlucker… 😁 Aber als einmal gebranntes Kind ziehe ich die Anonymität vor. Habe keinen Bock mehr auf Brandanschläge, infamste Verleumdungen und Tausende Euros an Anwaltskosten, wie vor zehn/zwölf Jahren… Kann Deine Vorsicht daher bestens verstehen! LG.

    • Ja, wobei mein Pseudonym ja ein sehr weiches ist und ein Haufen Leute auch meine wahre Identität kennt. Anonymität ist in meinem Fall daher nicht mehr wirklich gegeben. Aber meine Wohnanschrift versuche ich im Netz tunlichst unter Verschluss zu halten. Ohne die sozialen Medien hätte ich als Selfpublisher aber leider gar keine Chance. Und auf lokale Prominenz habe ich halt auch keinen Bock. Ich will meine Ruhe haben, trotzdem Leser mit meinen Geschichten erreichen und zumindest ein kleines Sümmchen zum Familieneinkommen beitragen. Dass ich aufgrund meines Burnouts und der Dauerschlaflosigkeit nicht mehr in das Hamsterrad zurückkehren werde, ist nun beschlossene Sache. Du hast meinen vollen Respekt dafür, dass du ohne Internet trotzdem noch an Aufträge kommst! Liebe Grüße zurück!

    • Also, das was dir passiert ist, war ein krasser Einzelfall. Sei mal nicht so ängstlich. Du solltest dein Pirmasens-Abenteuer auf Amazon vermarkten.

      • Das mit dem Sternenkreuzer ist zu sehr ein Blogroman in kleinen Häppchen… Zusammengefasst will das doch keiner lesen… 😄 Zu schundig – wenn man das auf Amazon nicht gratis anbietet, gibt’s allenfalls 2 Sterne von 5 dafür. Bevor ich ein echter Schriftsteller werde, startest Du als international gefragter Techno-Produzent durch… 😉

        • Ich glaube schon, dass das eine tolle Nische ist und du begeisterte Anhänger finden würdest. 2 Sterne gäbe es höchstens, wenn bei dir auch irgendein Hater um die Ecke spaziert und sich denkt: „Ah, fein, der kommt mir und meinem Frust gerade recht, der Typ mit seinem Raumschiff da. Gleich mal abschießen.“ 😉

          Falls du die Geschichte trotzdem bei kdp einstellst – und ich kann dir das echt nur empfehlen, würde ich aber dem Ganzen einen fetzigen Prolog voranstellen, denn soweit ich mich erinnern kann, waren die ersten Kapitel schon ziemlich informationslastig. Es wäre schade, wenn ein paar von der Detailfülle derart erschlagen sind, dass sie abspringen. Aber vielleicht sind den eingefleischten Sci-Fans diese genauen Beschreibungen auch gerade recht.

          Probieren geht über studieren! 😀

      • Find ich auch. 👍

  3. Moment mal, du hast schon E-Books veröffentlicht? Wie lann ich dich finden? Wie geht es dir mit der Insomnie? Ich leide wie ein Hund. Grüße!

    • In Sachen Insomnia geht’s mir echt bescheiden.

      Mist, dass da bei dir auch keine Besserung in Sicht ist. 😦

      Ich esse fast keinen Zucker mehr, mach Sport wie ne Bekloppte … hilft alles nix. Langsam aber sicher werde ich verrückt.

      Iwo, du nervst überhaupt nicht. Ich finds total schön, dass du hier wieder vorbeischaust. 🙂

  4. Ach, da is tes ja zu sehen, ich Depp! Ich zieh mir das mal r ein.

  5. P.S.: Facebook sollte man meiden, da tummeln sich die Minus-Menschen

  6. Kann dich unter dem Namen Marie W. Luca nicht finden, habe aber auch kein Kindle Unlimited. Schade. 🙁

  7. Sorry, ich will nicht nerven. Jetzt habe ich es gefunden, indem ich den Titel eingegeben habe. Hab den ersten Band mal gekauft fü 0 Euro. Warum umsonst?

    • Huhu Orbi! Sorry, dass ich jetzt erst antworte, aber ich hab mir heute Nacht um 02.00Uhr eine Schlaftablette reingepfiffen. Davor war ich viel zu panisch, um nochmal aufs Handy zu gucken. Das pusht mich oft noch mehr.

      Die Gratisaktion war nur 2 Tage lang. Sie dürfte noch ungefähr eine halbe Stunde lang gehen. Amazon switcht immer um 09.00 um. Also, falls du dir die anderen beiden Bände auch noch umsonst sichern willst

      • Danke für die Info. Das habe ich verpasst. Wenn mir dein erster Band gefällt und ich weiterlesen will, dann kaufe ich mir halt die anderen Bände .

    • Ich finde es ja total stark, dass du dir das antun willst, obwohl Liebesschnulzen sicher nicht zu deiner täglichen Lektüre gehören. 😄 Dass Hyper und du jemals diesen Roman lesen würden, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. 😁 Aber nachdem Band 1 Hyper schon mal gefallen hat, bin ich jetzt ein wenig mutiger und hoffe einfach, dass die Geschichte dir auch zusagt! Obwohl der erste Band schon was von einer Soap hat. Band 2 und 3 spielen 12 Jahre später. Die sind m.E. auch etwas anspruchsvoller. Aber ich bin dir echt nicht bös, wenn das nix für dich ist. 😘

    • So eine Umsonst-Aktion habe ich bei jedem Band gemacht. Die Leute freuen sich und mir verschafft es zumindest für kurze Zeit mehr Sichtbarkeit. Gute Unterhaltung schon mal!

  8. Avatar
    Manfried Mertens

    23. Juli 2020 at 11:01

    Glückwunsch zu Platz 1, nach dem Break Even beginnt das Geldverdienen, bleib optimistisch!

    • Dankeschön! Ein kurzer Augenblick für meine persönliche Ewigkeit. 😊 / Ja, so sollte es zumindest sein. Auch wenn mich der ein oder andere ernsthafte Schriftsteller dafür verachtet, dass ich es wage, Schreiben und Geldverdienen in einen Zusammenhang zu bringen und mir anmaße, tatsächlich ein kleines Zubrot damit verdienen zu wollen. Aber ich arbeite echt hart dafür, um diesen Traum Realität werden zu lassen. Das mit dem Optimismus muss ich erst noch lernen. Doch ich bin stets darum bemüht. 😉

  9. Ich wundere mich fast, dass FB mir keine Werbung von dir anzeigt 🙂 Die überwachen doch sonst alles, was ich so tue 😉

  10. Ja, sehen und gesehen werden ist und bleibt das Erfolgsrezept

    • Ja, aber dann muss man auch die Trolle handeln können und das hab ich leider noch gar nicht drauf. Befinde mich gerade auch schon wieder am Rande eines Herzinfarkts nach ein paar Wortgefechten. Leider stehe ich so rein gar nicht über den Dingen. Ich müsste meine Taktik, immer gleich zum Gegenangriff überzugehen, dringend überdenken. Bzw. hab ich das schon 100.000 Mal und ich kann trotzdem nicht raus aus meiner Haut. ;-/

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