Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Schlagwort: #gitarrelernen

Tango und ein kleiner Rückblick auf meine bisherige Gitarrenreise

Vorhin habe ich mal nachgeschaut, wie lange mich die Gitarre nun schon begleitet. Und ich war mal wieder sehr überrascht, mit welch kometenhafter Geschwindigkeit die Zeit dahinsaust.

Meine erste Gitarrenstunde hatte ich im Juli 2018. Bald sechs Jahre ist das her. Angefangen habe ich mit Liedbegleitung. Meine Intention war es, mit meinen Mädels zusammen einfache Songs singen und uns dabei auf der Gitarre begleiten zu können.

Monatelang war das ein ziemlich holpriges Gestolper. Und wenn ich mal ein paar Schritte vorangekommen war, konnte ich mir sicher sein, dass das nächste Plateau, auf dem ich wieder gefühlte Ewigkeiten herumeiern würde, nicht weit wäre.

Übers Aufgeben habe ich aber tatsächlich nie nachgedacht. Auch wenn meine gute alte La Mancha hin und wieder Frustrationsstaub ansetzen und sich manchmal wochenlang gedulden musste, bis ich sie wieder zur Hand nahm.

Die Anziehungskraft dieses schönen Instruments war einfach zu groß. Irgendwann spielte ich dann doch wieder.

Wann genau ich ernsthaft mit der klassischen Gitarre begonnen habe, kann ich gar nicht so genau sagen. So ca. 2-3 Jahre dürfte das her sein.

Erste zaghafte Berührungspunkte mit dem Zupfen hatte ich aber bereits, als ich mir einbildete, unbedingt das wundervolle Theme von „Game of Thrones“ erlernen zu wollen, obwohl das damals definitiv ein paar Nummern zu groß für mich war.
Doch dieses Stück hat mich unglaublich motiviert und mich mindestens 10km auf diesem nicht einfachen, aber lohnenswerten Weg nach vorn geschmissen. Dennoch sollte dann noch einige Zeit verstreichen, bis ich mich in der Lage fühlte, mein altersschwaches Hirn nicht nur mit Akkorden, sondern auch noch mit Noten und Griffen, die wie Akrobatikübungen anmuteten, zu traktieren.

Und keine Sekunde lang habe ich es bereut, mir mit Anfang 40 diesen langgehegten Traum zu erfüllen.

Inzwischen ist das Gitarrespielen, gleich ob klassische Gitarre oder Westerngitarre nebst Gesang, für mich nur noch Freude, Belohnung und pures Glück.

Anders als beim Schreiben gibt es hier keinen inneren Schweinehund, den ich erstmal besiegen muss, bevor ich in die Tasten bzw. Saiten haue.

Doch vielleicht kommt das noch in ein paar Jahrzehnten.

Keine Ahnung.

Was ich aber weiß – die Gitarre wird mich, ebenso wie das Schreiben, bis an mein Lebensende begleiten. Diesen beiden Lieben werde ich treu bleiben, solange mein Hirn und meine Finger mitmachen.

Dieser Tango stammt aus dem Buch „Gitarre Extraklasse“ von Tatiana Stachak.

Den abwechslungsreichen Charakter dieses feurigen kleinen Stücks mag ich sehr. Bis das Tamburo am Ende mal auch danach klang, hat es gedauert. Diese Technik war neu für mich. Da ich jedoch an Trommeln jeglicher Art einen Narren gefressen habe und ich es liebe, wie einem dieser Sound durch und durch geht und jede Zelle vibrieren lässt, bin ich dran geblieben.

(Ich spiele hier auf meiner Hanika HE Lattice und wie immer mit den Kuppen, nicht mit den Nägeln. Und es ist mir egal, wie viele Gitarristen mich dafür am liebsten nageln, äh, steinigen würden. ;))

In the long run we are all dead …

… zitierte mein Vater kürzlich, aber nicht zum ersten Mal, John Maynard Keynes.

Und diese Tatsache, gepaart mit meinem starken Bauch(-über-Kopf-)Gefühl und der globalen Gesamtsituation, ist die beste Begründung dafür, dass ich inzwischen sehr viel mehr im Moment lebe als früher.

Wenn es nicht gerade um Umwelt- und Klimaschutz geht, interessiert mich alles, was sich auf lange Sicht auszahlt, ehrlich gesagt immer weniger. Mal ganz davon abgesehen, dass mein ureigenes Wesen noch nie ein besonders vernünftiges, aber dafür schon immer ein sehr emotionales war.

Wie schnell das, was in Stein gemeißelt schien, den Bach hinuntergehen kann, habe ich schon oft genug mitbekommen. Insbesondere dann, wenn es sich um Menschen handelt. Um ihre Gesundheit, die körperliche wie auch die mentale und um ihre hochtrabenden Versprechen und Bündnisse. Und das sage ich als jemand, dem es noch sehr viel bedeutet, jemandem sein Wort zu geben.

Allein meiner Kinder wegen richte ich den Blick überhaupt noch auf die Zukunft. Andernfalls würde ich inzwischen wohl kaum über die nächsten paar Monate hinausdenken.

Meinen letzten Beitrag vom Februar hatte ich kurz nach der Veröffentlichung wieder auf „privat“ gestellt, weil er mir im Hinblick auf meine Schreiberei zu radikal erschien.

Das Schreiben gehört mehr zu mir als mein Name an der Tür.

Ich habe tief in mich hineingespürt und dort brennt dieses Feuer noch hell und kräftig.

Der eigentlich Knackpunkt ist ein anderer.

Mir fehlt zunehmend der Zugang zu fiktiven Welten. Sowohl lesender- als auch schreibenderweise. Mein reales Leben ist bunt, turbulent und herausfordernd genug. Es bietet wenig Zeit, aber dafür viel Thrill und zum Glück auch Liebe.

Damit fallen diese beiden Genres schon mal flach, haha, bzw. reizen sie mich derzeit kaum. Dabei habe ich früher einen Thriller nach dem anderen inhaliert.

Aber aufgrund der ganzen echten Spannung – auf Mikro- wie auf Makroebene – habe ich irgendwie gerade keinen Nerv dafür, mir künstliche Dramen aus den Fingern zu saugen oder in die anderer Autoren abzutauchen. Hin und wieder mag mir das kurzfristig gelingen, aber halt „not in the long run“.

Schon lange habe ich kein Buch mehr in einem Rutsch durchgelesen, mich schon ewig nicht mehr völlig in einem verloren.

Leider?

Ich weiß es nicht. Dieser fortschreitende Prozess ist für mich nicht an ein „Verlustgefühl“ gekoppelt. Im Gegenteil: Ich fühle wesentlich mehr Fülle in meinem Leben als früher.

Vielleicht hängt es auch mit dem Alter zusammen. Je länger ich auf dieser Erde weile, desto weniger kann ich mit den gängigen Vorstellungen, Normen und Zielen anfangen. Zumal ich ohnehin von jeher eher gegen als mit dem Strom geschwommen bin. Und sobald ich merke, dass in Büchern die üblichen Klischees bedient werden, bin ich raus.

Ab und an fesselt mich ein Roman dennoch für gewisse Zeit – aufgrund des historischen oder aktuellen realen Bezugs etwa. Oder einfach wegen des höllisch guten Schreibstils wie z.B. bei „Dunkelgrün fast schwarz“ von Mareike Fallwickl.

Trotzdem ist es einfach nicht mehr das Gleiche wie früher.
Und wenn ich selbst mit dem Schreiben zuverlässig und dauerhaft „mein Geld verdienen“ möchte, muss ich ständig schreiben, ohne Unterbrechungen am Ball bleiben und im Jahr mehrere Bücher raushauen. Ansonsten kann ich mir mit den paar „Notscherln“ nicht mal ein gescheites Taschengeld zusammenkratzen.

Doch Schreiben wie am Fließband killt bei mir die Kreativität.
Das bin ich einfach nicht, auch wenn ich unter Druck zu Höchstform auflaufen mag. Wobei Letzteres vor allem dann funktioniert, wenn es um außerordentliche Anlässe geht, aber – ihr ahnt es schon – „not in the long run“.
In the long run lege ich zuerst einen Zwischenstopp bei meinem alten Kumpel „Burn Out“ ein, bevor ich schlussendlich eh abnippele. Also, auf diesen Zwischenstopp kann ich getrost verzichten.

Im Klartext heißt das, dass gerade 250 fertige FSK-40-Seiten auf Halde liegen. Ich hoffe, dass sich das bald wieder ändert, denn ich denke schon, dass die Geschichte gut ist. Aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich leider für nichts garantieren.

Was jedoch so sicher ist wie das Amen in der Kirche: Schreiben werde ich immer. Sieht man ja auch an diesem Blog. Im Gegensatz zu meinem Roman war der wirklich schon todgeweiht. Und irgendwann, wenn schon niemand mehr damit rechnet, komme ich doch wieder mit einem Beitrag um die Ecke. Hehe.

Dass das keine erfolgsversprechende Businesstaktik ist, braucht mir niemand zu erzählen. Das weiß ich schon selbst. Auch wenn ich weniger wirtschaftliches Verständnis und Handeln an den Tag lege, als man gemeinhin von einer diplomierten Kauffrau erwarten möchte – doch so viel ist zumindest noch hängengeblieben.

Aber in meinem Fall beißen sich Muse und Profitdenken wirklich dermaßen, dass es nicht nur schmerzt, sondern umbringt. Das eine das andere.

Wenn alle Stricke reißen, stelle ich mich wieder als Verkäuferin beim Bäcker rein. Die Fresserei geht immer und selbst als Studentin habe ich mit dieser Tätigkeit in einem Monat mehr Kohle verdient als mit der Schriftstellerei in einem Vierteljahr.

Auch Regale im Supermarkt einzuräumen halte ich für eine durchaus überlegenswerte Option. Hauptsache, ich kann weiterhin Gitarre spielen. Was Jobs angeht, bin ich wenig anspruchsvoll, null karriereorientiert – sogar als eine Karriere noch möglich erschien – und ziemlich anpassungsfähig.

Es wäre wohl auch ganz zweckmäßig, wenn mich mein Brotjob kognitiv und zeitlich nicht mehr so fordert wie früher. Es gab Jahre, da habe ich es gerade noch zum (Nicht)Pennen nach Hause geschafft, um dann frühmorgens wieder im Büro zu sitzen.

Und wofür?

Ich war damals voll am Arsch und meine musische, lebensspendende Quelle komplett versiegt.

Apropos Wasser: Nach einem deftigen Wasserschaden aufgrund unserer maroden Kupfer-Wasserleitungen – die waren ungefähr so alt wie ich – mussten wir in den sauren Apfel beißen und diese tickenden Zeitbomben eliminieren und in diesem Zusammenhang auch das gleichaltrige Bad erneuern. Für gut einen Monat haben wir hier nun eine Dauerbaustelle, keine Dusche und keine Badewanne.

Einige Tage lang hatten wir auch kein warmes Wasser im Haus und da hab ich es wie bei Oma gemacht und für die Körperwäsche Wasser gekocht und in die Spülwanne gegeben. (Okay, Oma war nicht der Luxus eines Wasserkochers vergönnt.) Irgendwann war das jedenfalls auch normal. Eine gewisse Anpassungsfähigkeit wurde dem Menschen dereinst also durchaus in die Wiege gelegt.

Und dieses Wissen verleiht mir Kraft und Zuversicht.

Solange es mir körperlich und mental gut geht, vermag ich auch mit unerwarteten und schwierigen Situationen umzugehen und zuzupacken, wenn es nötig ist.

Bin ich hingegen komplett schlaflos und ein nervliches Wrack, weht mich schon der kleinste Pups um.

Ergo sorge ich dafür, dass es mir gut geht.

Warum habe ich ausgerechnet einen Husky?

Weil er uns gut tut und weil mir die täglichen 10km-plus-Märsche gut tun. Tatsächlich laufen wir in der Woche im Schnitt um die 100km. Das erdet mich und hilft mir beim Schlafen. Dies wiederum macht mich wesentlich erträglicher – auch für mein Umfeld.

Warum spiele ich so viel Gitarre?

Weil sie mir so, so, so gut tut!

Warum mache ich YouTube-Videos?

Weil es mir Freude bereitet und diese Freude mir natürlich gut tut.

Meinem Eiliensche übrigens auch. Wohldosiert. Und das ist okay. Ich dränge mein Kind zu nix.

Dies ist der Argentinische Tanz von Tatiana Stachak, den wir bereits vor Längerem angekündigt hatten:

„Boat on the River“ und Thrillerupdate oder „Passionen brennen auch ohne (Hinter)Sinn“

Als ich mir vor einigen Monaten am rechten Mittelfinger einen Kapselriss nebst Knochenfraktur zugezogen habe, war mein erster Gedanke: „Oh nein – jetzt kann ich wochenlang nicht mehr Gitarre spielen. Bitte, bitte, bitte – das darf nicht sein!“

Für mich ist da echt eine Welt eingestürzt. Die Schmerzen waren erträglich. Die übrigen Einschränkungen auch. Nicht aber der Verzicht auf dieses geliebte Instrument, das mich mit so ungemein viel Glück erfüllt und mir so viel Halt gibt.

Das klingt ultrakitschig, ist aber die Wahrheit.

Mit meinem Eiliensche habe ich mich heute über Passionen unterhalten. Wenn man ehrlich ist und sein Bauchgefühl sprechen lässt, gibt es bei echten Leidenschaften immer eine Rangliste. Oft eine insgeheime, die man nach außen hin gerne verleugnet. Denn nicht selten entbehrt sie Sinn und Verstand. 

„Bei dir steht ganz klar die Gitarre an erster Stelle, Mama“, konstatierte meine Erstgeborene knallhart. „Das Schreiben kommt erst danach.“

Und sie hat (leider) recht. Zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Dabei schreibe ich um so vieles besser als ich Gitarre spiele. Kein Wunder. Das Schreiben begleitet mich ja schon mein Leben lang. Ebenso wie der Traum von der Schriftstellerei als Brotjob.

Ein utopischer Traum. Doch nach der Veröffentlichung meines Debüts schien er plötzlich zum Greifen nah. 

Auch wenn ich davon nicht reich werde: Mit dem Schreiben kann ich tatsächlich Geld verdienen. Mit der Gitarre nicht.  Niemals.

Trotzdem greife ich, sobald ich ein wenig Zeit habe, aktuell oft eher zur Gitarre als zum virtuellen Stift.

Die Gründe hierfür sind vielfältiger Natur. Manche kann ich rational fassen, andere nicht.  Und nicht nur die Gitarre per se, sondern auch das Leben selbst ist „schuld“ daran, dass mein Herzblut vermehrt in dieses Instrument fließt.  Denn die Gitarre ist eine sehr potente und sofort wirksame Seelenmedizin. 

Aber Herzblut ist auch die einzige Tinte für meine Geschichten. Ohne Herzblut keine Geschichte.

Nun sollen aber all die Erfahrungen, die ich im echten Leben sammele und auch das, was ich gerade über mich lerne – und das ist nicht wenig – meinem Roman nicht zum Schaden gereichen. Im Gegenteil: Schlussendlich profitiert die Geschichte  davon. Dessen bin ich mir gewiss.

Und voran geht es ja. Wenn momentan auch wieder nur im Schneckentempo.

Ursprünglich hatte ich mir selbst als Deadline für die Fertigstellung Mai 2023 gesetzt. Aber mir dünkt, dieses Ziel ist doch zu sportlich gesetzt.

Die Wartezeit wollte ich nicht nur mit ein paar Textschnipseln, sondern auch mit einer kleinen Online-Lesung hie und da verkürzen.

Und ich hatte mir ausgemalt, dass solche Mini-Lesungen vielleicht auch auf YouTube in Kombination mit Gitarrenclips und Huskyvideos ganz gut kämen.

Die Federfarbenfee steht schließlich schon von jeher für eine bunte Mischung, doch YouTube hat offensichtlich für wild durcheinander gewürfelte Inhalte wenig übrig. 

Gehört habe ich schon häufiger davon, dass der ominöse Algorithmus eher Kanäle mit spezifischen Inhalten bevorzugt.

Gut, bei YouTube-Stars drückt er beide Augen zu bzw. öffnet er die der Zuschauer für die großen Kanäle extrabreit – Stichwort „Sichtbarkeit“.

Das YouTube-Fass aufgemacht habe ich ja überhaupt erst für mein Eiliensche. Und ja, sie ist nach wie vor daran interessiert, dort Gitarrenaufnahmen einzustellen. Aber inzwischen hat sie eine Ahnung davon, wie viel Arbeit das bedeutet und sagen wir mal so: Bei ihr steht die Gitarre nicht konstant auf Platz 1 der Passionsliste. Und ich dränge sie auch nicht. Das Ganze ist ja in erster Linie ein Spaßprojekt.

Dennoch ist es frustrierend, wenn sich YouTube in Sachen Sichtbarkeit mal sehr großzügig und dann wieder total knausrig zeigt. Aber um Willkür handelt es sich hierbei nur auf den ersten Blick. Tatsächlich leuchtet es ein, dass es zwar eine Schnittmenge zwischen Huskyliebhabern, Bookies und Gitarrenfreunden gibt, aber man muss auch verstehen, dass nicht jeder, der ein Video mit Hund und Kind herzig fand, gleichzeitig auch total auf meine Gitarrendarbietungen oder meinen Buchtrailer abfährt. 

Für Autoren ist YouTube ohnehin ein steiniges Pflaster. Das sehe ich auch an den Kanälen anderer Schreiberlinge und sogar an den Buchteasern renommierter Verlage. Buchvorstellungen, noch dazu in deutscher Sprache, erreichen hier nur ein Nischenpublikum. Es sei denn, man heißt Sebastian Fitzek. Zum Beispiel.

Also habe ich mich aller Laienhaftigkeit zum Trotz dazu entschieden, mich youtubetechnisch, abgesehen von dem ein oder anderen Short, fürs Erste auf die Gitarre zu fokussieren. Das kommt dann auch dem Eiliensche zugute, sobald sie bereit ist, wieder Energie in eine Aufnahme zu investieren.

Einstweilen tobt sich Mama ordentlich aus. Zuletzt mit „Boat on the River“, einem Styx-Cover.

Bisher habe ich mich zu diesem Lied mit der Westerngitarre begleitet. Aber ich finde, auch meine Hanika Grand Konzert macht sich sehr gut als instrumentale Begleiterin und harmoniert wunderbar mit Stück und Stimme.

Vorher-Nachher-Video: Präludium in a-Moll (M. Carcassi)

Und schon wieder komme ich mit einem Vorher-Nachher-Video um die Ecke.

In den letzten zwei Jahren habe ich so einige Work-in-Progress-Aufnahmen angefertigt. Immer mit dem Ziel im Hinterkopf, irgendwann auch ein Nachher-Video aufnehmen zu können.

Sinn macht das natürlich nur, wenn das Nachher auch ein echtes Nachher ist : D, sprich, das Spiel sollte sich tatsächlich wesentlich verbessert haben.

Und dies allein ist schon eine hervorragende Motivation, immer wieder auch an alten Stücken zu feilen.

Oft denkt man sich vielleicht: „Jo, das sitzt jetzt schon einigermaßen. Zumindest kann ich es fehlerfrei spielen. Passt scho.“

Doch wie viele Levels zwischen „passt scho“ und „jetzt hab ich es echt drauf“ liegen, erkennt man erst im direkten Vergleich so richtig.

Manchmal meine ich auch, ständig auf der Stelle zu treten. Doch sobald ich mir dann ältere Aufnahmen anhöre, merke ich den Fortschritt meist deutlich.

Auch Vorher-Nachher-Videos von anderen Leuten interessieren mich sehr. Und den bisherigen Rückmeldungen nach zu urteilen, geht es vielen ambitionierten Hobby-Gitarristen ähnlich.

Daher werden in nächster Zeit einige weitere Vorher-Nachher-Videos folgen.

Noch bin ich allerdings recht ungeübt, was die Tonufnahmen, das Filmen und die Nachbearbeitung angeht.  Entsprechend zeitaufwendig gestaltet sich das Ganze. Aber es macht mir großen Spaß.

Bitte seht mir nach, dass ich das Gendern unterlasse. Auch in meinem aktuellen Roman verzichte ich darauf. Das ist absolut nicht mein Ding. Und mir selbst ist es auch wurscht, ob ein Text seine Leser mit er, sie oder es anspricht. Das hält mich definitiv nicht vom Lesen ab. Die ganzen Sternchen, Schrägstriche, Klammern etc. pp. hingegen stören den Lesefluss empfindlich.

Doch ich schweife ab.

Noch zwei Takte zum Video: Ich spiele hier ein Präludium von Matteo Carcassi in a-Moll. Es beinhalten keine Barrés und keine Lagenwechsel. Dennoch ist es in diesem Tempo schon eine kleine Herausforderung für die Amateurliga. ; )

Mamas Zug ist abgefahren. Für die Tochter besteht noch Hoffnung. ;)

Zur Zeit schlafe ich wieder lausig bis gar nicht. Daher hoffe ich, dass der fertige Text hier nicht nur eine Zusammenstellung der abstrusesten Orthografiefehler ever wird. Aber wenn, dann ist auch das in sich stimmig. Denn schließlich bin ich die personifizierte Imperfektion und ich stehe dazu.

Das trifft auch auf mein Gitarrenspiel und meinen Gesang zu. Ich hau die Sachen raus, wenn mir danach ist, und nicht, wenn ich sie perfekt beherrsche – siehe oben. 

Außerdem bin ich maximal durchschnittlich talentiert und habe zu spät angefangen, als dass da wirklich noch was draus werden könnte. Wovon ich sowieso höchstens albträume, weil ich es hasse, irgendwo öffentlich aufzutreten. Außer im Netz natürlich. Vom stillen Kämmerchen aus. Haha.

Mag sein, dass ich mit meinen dilettantischen Darbietungen in der Welt der echten, perfekten und virtuosen Musiker nichts verloren habe. Vielleicht sollte ich bei den ersten Takten meiner Aufnahmen eine Triggerwarnung einblenden: „Achtung, Achtung – könnte verstörend auf empfindsame Musikerseelen wirken!“

Aber jeder wird in der Lage sein, rechtzeitig den Mute-Knopf zu aktivieren oder weiter zu hüpfen. Niemand MUSS sich anhören, wie ich musiziere.

Mir gibt es aber etwas, mich auch auf diese Weise ausdrücken und dem ein oder anderen damit eine Freude machen zu dürfen.

Wie sagte Reinhard Mey auf seinem Konzert, dem das Eiliensche und ich vorgestern in München beiwohnen durften, so schön: „Musik war immer meine Rettung. Gerade in schweren Zeiten.“

Ja, das empfinde ich auch so. Und ich hoffe, es ist nicht allzu anmaßend, diese Empfindungen zu teilen. Musikalischer Laie hin oder her.

Womit wir wieder bei der personifizierten Imperfektion wären. 

Wenn ich vor einer potentiellen Aufnahme übte, bis jedes i-Tüpfelchen bzw. jede Punktion absolut sitzt, würde ich nie etwas aufnehmen. Denn irgendwie und irgendwo und irgendwann verspiele ich mich immer. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Bei meiner Erstgeborenen sieht das allerdings etwas anders aus. Ihre Fingerchen arbeiten genauso flott wie ihre noch lange nicht ergrauten Zellen. Sie ist jung, sie ist begabt, und sie tritt gerne auf. Und sie hat voll Bock auf YouTube.

Eigentlich hatten wir vor, den Tango, welchen das Eiliensche in dem kleinen Shortvideo vor Kurzem angespielt hat, als erstes Video einzustellen. 

Da es aber geplant war/ist, dieses Stück in einem akustisch professionelleren Umfeld aufzunehmen und sich das Ganze noch ein wenig zieht, wollte ich beim Eiliensche den Druck rausnehmen, indem wir vorab doch schon mal zu Hause ein Stück auf „Band bannen“, das sie nahezu täglich spielt und bei dem sie entsprechend routiniert ist. 

Deshalb ist es nun „Am Bach“ (ebenfalls vom Tatiana Stachak) geworden.

Da sie das Stück daheim schon seit Langem auswendig und auch in verschiedenen rhythmischen Variationen übt, hat sich über die Zeit eine rhythmische Abwandlung an den Phrasenenden eingeschlichen, die so nicht in den Noten steht und die irgendwann weder das Eiliensche noch ich mehr bewusst wahrgenommen haben. Sie fand die Verlangsamung an den Phrasenenden schön und hat sie so oft gespielt, bis sich das verfestigt hat.

Wir haben das Stück spontan aufgenommen und daher versäumt, es vor der Aufnahme mit S. durchzusprechen. Er konnte uns daher erst im Nachhinein auf diesen Rhythmusfehler hinweisen.

Dass das Eiliensche und ich das Video trotzdem drinlassen, hat aber nichts mit Respektlosigkeit der Komponistin ggü. zu tun.

Wir mögen das Filmchen halt sehr, denn es ist mit viel Herzblut entstanden.

Ach ja – Roman geht auch voran.

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