Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Gedanken zum Plotten, Selfpublishing und Networken / Teil 1

Drei Anglizismen allein in der Überschrift. Es scheint schlimmer um mich bestellt zu sein, als ich dachte.  Allerdings kommt ein debütierender Autor heutzutage um diese Begriffe kaum noch herum.

Früher bin ich gerne der romantisch-verklärten  Vorstellung anheim gefallen, als Schriftstellerin könne ich abgeschottet  in meinem imaginären Turm vor mich hinschreiben und mich ohne jegliche störenden, ablenkenden Einflüsse von außen in meine Geschichten vertiefen.  Kaum hätte ich dann irgendwann die Fensterläden aufgestoßen und mein Näschen kurz an die frische Luft gehalten, wäre auch schon ein Ritter alias Verlag meinem leisen Ruf gefolgt und hurtig auf einem weißen Schimmel dahergaloppiert.

So funktioniert das natürlich nicht. Zumindest, was das Gros der Autorenfrischlinge angeht.

Bei mir zerplatzt diese schillernde Seifenblase bereits regelmäßig an dem Punkt, der endlose, ungestörte Schreiborgien voraussetzt.  Mit zwei kleinen Kindern öffnet sich nur selten bis gar nicht ein entsprechend großes Zeitfenster. Die Nächte durchzuschreiben, hat sich auf Dauer auch nicht als alltagstauglich erwiesen.  Als chronische Insomnikerin bin ich es gewohnt, mit wenig Schlaf auszukommen, aber ganz ohne geht es leider auch nicht.

Lange Jahre hatte ich keinerlei Schreibmethodik.  Kaum hatte ich eine Idee, schnappte ich mir Stift und Papier – später dann das Notebook – und schrieb drauflos. Dass sich die Geschichte und die Figuren wie von selbst entwickelten, machte für mich gerade den Reiz des Schreibens aus.  Ich fühlte mich beinahe wie ein Medium, durch das die Erzählungen den Weg in diese Welt fanden und sich materialisieren konnten.  Trockene Konzipierung und akribische Vorausplanung waren mit zuwider und unvereinbar mit meinem Selbstverständnis als kreativer Schreiberling. Dass sich auch die Muse nicht gerne an fixe Vorgaben hielt, nahm ich hin. Er erschien mir nur natürlich. So kam es, dass oft Monate verstrichen, bis ich wieder etwas zu Papier brachte.  Dieses wenig effiziente Vorgehen ließ meinen Traum vom eigenen Buch in immer weitere Ferne rücken.

Hinzu kam, dass ich, selbst wenn ich die Muse gerade an meiner Seite wusste, immer ein bis zwei Stunden brauchte, um mich warm zu schreiben und in meine Erzählung einzutauchen. Als Studentin war das auch nicht  problematisch. Ich tippte die Nächte durch und haute mich erst dann auf`s Ohr, wenn der Sog mich freigab und der Schreibfluss stockte. Meist war das nicht vor spätem Vormittag der Fall. Etwaige, mit meinem Schlafbedürfnis kollidierenden Vorlesungen cancelte ich kaltblütig. Hörsäle beglückte ich ohnehin nur sporadisch mit meiner physischen Anwesenheit. In Gedanken war ich aber auch dann woanders, wenn meine körperliche Hülle auf einem der unbequemen Klappstühle Platz genommen hatte.  Dass ich mein Studium trotzdem geschafft habe,  grenzt an ein Wunder.

Im Berufsleben und als Mutter wird Zeit zum Luxusgut.  Flexibilität und Selbstbestimmung auch.  Wie also die wenigen, oft mühsam erkämpften und daher so kostbaren Stunden, effizient zum Schreiben nutzen? Über den Begriff “Plotten” bin ich erstmalig gestolpert, als meine ältere Tochter ca. anderthalb war. Ebenso wie das Ämmale jetzt, wollte das Eiliensche damals partout nicht alleine schlafen. Ich musste mich zur Mittagsruhe, eine Zeit, in der andere Mütter ihren ureigenen Interessen nachgehen, Tag für Tag neben sie legen. Sie gestand mir dabei genau soviel Bewegungsfreiheit zu wie ihren zwischen Wand und Bettkante eingequetschten Stofftieren und verlangte, dass ich zumindest vorgab, ebenfalls zu schlafen. Ich muss sagen: Die Schlafsimulation habe ich mittlerweile perfektioniert.

Lesen, im Internet surfen, ja, selbst Räuspern  – vom Eiliensche alles zur Tabuzone erklärt.  Mein Körper war gefangen, aber mein Geist nicht, um es pathetisch auszudrücken.  Was tat ich also? Um mich abzulenken und vielleicht doch irgendwann in den Schlaf abdriften zu können, was in 9 von 10 Fällen nicht klappte, reiste ich in Gedanken in meine Geschichte und spann sie weiter.  Sobald mir der rote Faden ausreichend robust erschien, machte ich mich daran, mir einzelne Schauplätze, Szenen sowie damit verbundene Stimmungen und Gedankenbilder auszumalen.  Sobald das Eiliensche aufwachte, skizzierte ich all dies unverzüglich in meinem Notizbuch oder in einem Memo auf meinem Handy. Wie abrupt diese Gedanken, die man soeben noch fix im Kopf verankert glaubte, sich ins Nirwana verabschieden, wenn man sie nicht sofort niederschreibt, hatte ich schon oft genug erleben dürfen.

Als ich merkte, dass die Geschichte mittels dieser Vorgehensweise viel schneller Gestalt annahm als zuvor, fing ich an, auch für die anonymen Tagebucheinträge, welche ich zu dem Zeitpunkt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen, auf einer anderen Plattform veröffentlichte, ein Konzept zu erstellen. Meist lief es so, dass mich in Laufe des Tages ein oder mehrere Ideen ansprangen, die darauf drängten, in einem Tagebucheintrag verarbeitet zu werden.  Diese wurden stante pede notiert. Während ich dem Eiliensche den Entertainer machte, sie in den Schlaf geleitete, die Wasch- und Spielmaschine befüllte, kochte oder mit dem Kinderwagen durch die Gegend peste, erschuf ich allmählich das Skelett, welches ich dann bis zum Abend mit ausreichend Fleisch ummantelt hatte.  Sobald das Kind dann endlich in seinem Reich der Träume weilte, begab ich mich in das meinige und versah den Textkörper noch mit Herz und Seele sowie einem hoffentlich ansprechenden Erscheinungsbild und erweckte ihn schließlich zum Leben.

Sehr schnell merkte ich, dass mir die bisher so verhasste Strukturierung tatsächlich sehr dabei hilft, meine knappe Zeit effektiv zu nutzen und auch das Frustpotential gewaltig herunterzuschrauben. Meine nebulösen Gedankenschlösser brauchen keine hundert Jahre mehr, um sich in realisierbare Projekte zu verwandeln. Und die Gefahr, dass sie sich vorher schon in Luft auflösen, ist deutlich eingedämmt. Auch das “Warmschreiben” entfällt weitestgehend. Anhand der notierten Schlüsselstellen kann ich mich relativ zügig vom Sofa in die Geschichte “beamen”.

Ein Konzept ist ein kein starres Korsett. Inspiration und Schreibfluss werden  nicht zwingend ausgebremst, sofern das Gerüst flexibel genug ist und so lange noch genügend Raum bleibt,  neue Ideen und Wendungen entstehen und sich entfalten zu lassen.

Mein Blogroman ist ebenfalls grob “durchgeplottet”. Die Geschichte steht, die einzelnen Kapitel plane ich jedoch sukzessive. Dieses Vorgehen ist durchaus optimierungswürdig. Da ich das Folgekapitel erst strukturiere, sobald ich das vorherige abgeschlossen habe, verstreicht zum Teil viel Zeit, bevor es online geht. Eine Pause, die aus Lesersicht verständlicherweise schon über der noch vertretbaren Schmerzgrenze liegt. Zudem kann ich den endgültigen Umfang des Romans schwerlich einschätzen, wenn ich mich wie ein Affe von Kapitel zu Kapitel hangele.

In meinem ganzen Leben habe ich keinen einzigen Schreibratgeber gelesen und nicht einen Schreibkurs besucht.  Immer, wenn im Zusammenhang mit dem Schreiben von Technik und Handwerk die Rede war, rollten sich mir die Zehennägel hoch. Ähnlich wie beim Plotten sah ich es als eine Art Schändung an, das Werk und den Prozess dorthin mit nüchterner Planung und einer Art Regelkatalog zu konfrontieren. Heute betrachte ich das alles etwas differenzierter. Noch immer bin ich der Ansicht, dass ein völlig talentfreier Mensch nicht dadurch zum Schriftsteller wird, dass er eine Schule für kreatives Schreiben besucht. Ebensowenig wie ein Kunststudium einen zum Künstler macht. Allerdings sehe ich inzwischen ein, dass eine vorhandene Begabung durch eine entsprechende Anleitung gefördert und verfeinert werden kann.

Gerade lese ich mein erstes Buch über das Schreiben. Es sind die Memoiren von Stephen King. Sehr weit gekommen bin ich noch nicht, was jedoch nicht am zweifellos flotten Schreibstil des King, sondern vielmehr an meinem mickrigen Zeitbudget liegt.  Doch schon auf den ersten Seiten gibt es eine Passage, die mich ins Grübeln bringt: Stephen King hat dort einen alten Text eingestellt, welcher vom Herausgeber einer Lokalzeitung, die den jugendlichen Stephen unter ihre Fittiche genommen hatte, überarbeitet worden war.  An dieser Stelle erlaube ich mir, die Worte von Gould – so hieß der gute Mann – zu zitieren: “… “Ich habe nur die schlechten Sachen rausgestrichen, verstehst Du?” sagte Gould.”… (Stephen King: Das Leben und das Schreiben: Memoiren, Taschenbuch – 8. Februar 2011, Seite 68 der Kindle-Ausgabe) Und ich muss zugeben: Ich verstehe nicht. Zumindest nicht jede der Korrekturen. Was sagt das über mich aus? Dass es doch nicht so weit her ist mit meinem Sprachgefühl, wie ich dachte? Fakt ist, dass ich wohl einige Formulierungen ähnlich gewählt hätte und bei aus dem gleichen Holz wie Gould geschnitzten Kritikern gnadenlos durchgefallen wäre. Ich vermute, des Pudels Kern liegt unter meiner oftmals blumigen Ausdrucksweise begraben.

Von jeher war ich mir darüber im Klaren, dass ich nicht ohne Lektor auskommen würde, sollte ich tatsächlich eines Tages ein Buch veröffentlichen. So überheblich und weltfremd konnte ich nicht sein. Deshalb werde ich auch nicht müde, unter den einzelnen Kapiteln des Blogromans zu erwähnen, dass es sich hierbei um eine nicht lektorierte Rohfassung handelt. Was nicht heissen soll, dass ich selbst die Kapitel nicht überarbeite, denn das tue ich. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Texte nicht objektiv bewertet wurden, bevor ich sie in den Äther schicke.

Sollte dieser im Blogformat veröffentlichte erste Band von “Am Anfang war Lila” jedoch sein Publikum finden, wird der zweite Band voraussichtlich in Buchform erscheinen; sehr wahrscheinlich in Gestalt eines Ebooks. Und jenes Buch werde ich erst auf die Welt loslassen, nachdem ein guter Lektor es sich vorgeknöpft hat.  Dennoch überlege ich,  ob ich nicht bereits im Vorfeld an meiner Schreibe sowie an der Konzeptarbeit feilen und eventuell tatsächlich einen Schreibkurs besuchen sollte. Nicht im Traum habe ich mir vorstellen können, dass ich dergleichen einmal in Erwägung ziehen würde. Aber der Mensch ist lernfähig. Here I am.  Und ich gestehe, dass ich bereits die Fühler nach passenden Kursen ausgestreckt habe. Den besten Eindruck macht mir ad dato das Angebot von Rainer Wekwerth. Unter seinen Schützlingen befinden sich einige namhafte Autoren, die voll des Lobes sind für Rainer Wekwerths Training.

Meinen Blogroman werde ich jedoch bis auf Weiteres ohne eine derartige Unterstützung fortführen.  Gegebenenfalls könnte sich so auch irgendwann ein reizvoller Vergleich bieten: Vor und nach Schreibkurs und Lektorat.

Das waren nun also meine Gedanken zu:  Ausgereifter Plot versus Gedankenkompott.

Der zweite Teil dieses Artikels folgt spätestens übermorgen. Die Stückelung ist einer weiteren meiner zahlreichen Schwächen zu verdanken: Ich kann mich nicht kurz fassen. Insofern ist zum Beispiel das soziale Netzwerk Twitter eine nahezu ideale Schule. Mehr dazu aber im nächsten Post.

An dieser Stelle sei mir noch kurz erlaubt, eine kleine Bitte loszuwerden: Aus sicherer Quelle weiss ich, dass ich nicht mein einziger Leser bin.  Dennoch ist es bisher sehr ruhig unter meinen Posts. Ich verspreche, dass ich nicht beisse und mich über jeden wohlgemeinten Kommentar, der auch gerne in Form konstruktiver Kritik daherkommen darf, sehr freue. Solltet Ihr das erste Mal kommentieren, muss ich Eure Nachricht erst freischalten. Nicht, weil ich sondieren und zensieren möchte, sondern um potentielle Spammer abzuwehren, die unter Blogposts jeglicher Couleur gerne und ungefragt ihre Werbung anbringen. Bitte lasst Euch daher nicht davon nicht irritieren, für maximal ein paar Stunden in der Warteschleife zu landen!

2 Kommentare

  1. Ich habe ca. 1.400 Tage auf ca. 400.000 Worte gewartet (The Gathering Storm), da sind 16 Tage für 3577 Worte nicht sehr lange (Kapitel 4).
    Beide Autoren haben vergleichbar gute Ausreden: Ableben (Robert Jordan) vs. Weihnachten mit Kindern (Federfarbenfee) 😉
    Aber aus Leser-Sicht ist das ja egal. Liegt auf alle Fälle im Limit.

    • Juhuuu, ein Kommentar – und obendrein ein so freundlicher! 🙂 Vielen Dank! Von der Ausrede “Ableben” muss ich in den kommenden 40-50 Jahren (manchmal bin ich Optimistin) hoffentlich keinen Gebrauch machen. 😉 Jedenfalls bin ich nun beruhigt, dass ich die Geduld meiner Leser noch nicht über Gebühr strapaziert habe. Spiele aber mit dem Gedanken, die Kapitel wieder kürzer zu halten und damit auch die Intervalle zwischen den Veröffentlichungen. 😉 Herzliche Grüße und noch einen schönen Sonntag!

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