Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Craving

Ich bin gerade am Gitarreüben. Da steckt mein Mann den Kopf durch die Tür:

“Du weißt schon, dass jetzt draußen die ganze Straße Hallelujah singt, oder?”

Er grinst von einem Ohr zum anderen und ich werfe mein Gitarren-Antirutschtuch nach ihm.

Zwar gesteht er mir sofort, dass er mal wieder zu scherzen beliebte, aber ich bin jetzt trotzdem total verunsichert. Zumal er mir schon Tags zuvor mitgeteilt hat, dass trotz  des Isolierbands, das ich am Fenster angebracht habe, “Zombie”, “Hymn” und “Morning has broken” im Hintergarten laut und deutlich zu vernehmen waren.

Vor Monaten haben wir das mal getestet. Da war draußen nichts zu hören. Also, entweder bin ich lauter geworden oder die Dämmung porös.

“Ach, Mensch”, antworte ich zerknirscht. “Jetzt trau ich mich überhaupt nicht mehr zu üben.”

Vor allem kann ich mich mit diesem Wissen im Hinterkopf kaum noch dazu überwinden, ein Stück hundertmal hintereinander zu spielen, bis es wirklich sitzt. Das will ich den Nachbarn, die via-à-vis auf dem Balkon chillen, wirklich nicht antun.

Heute mal im Gammellook. : D (Das ist ein T-Shirt von meinem Mann, das mir beim Waschen eingegangen ist. Pech für ihn, Glück für mich. : ))

Meine Kinder beweisen da wesentlich mehr Stilbewusstsein:

Ich mag Farben und schöne Bilder, aber an dem Buchdeckel von folgendem Ebook, das ich mir gestern gekauft habe, könnt ihr sehen, dass ich absolut kein Coverkäufer bin und dass ich auch vor höheren Preisen nicht zurückschrecke, sofern mich der Inhalt wirklich interessiert.

Mir ist das Gewese um die ganze Coverkiste sowieso suspekt. Und wie bei so vielen Menschen auch, gilt hier ebenfalls oft genug: Außen hui, innen pfui.

Dann doch lieber umgekehrt wie bei diesem Werk hier. Selten habe ich ein hässlicheres Cover gesehen. Und der Titel ist auch völlig behindert. Die Leseprobe war dafür recht ansprechend.

Mir geht es hierbei weniger um das Abnehmen als um die Einblicke in die Suchtmedizin und die dort angewandten Therapien. Dass ich zuckersüchtig und ein emotionaler Esser bin, dürfte ja inzwischen hinreichend bekannt sein.

Und ich bin immer wieder auf der Suche nach Methoden, mit denen ich meine alten Verhaltensmuster durchbrechen, die fehlgeschalteten Synapsen voneinander entkoppeln und mein Hirn umprogrammieren kann.

Nach wie vor kämpfe ich enorm gegen meinen Zuckerdrang. Es ist ein ewiges Auf und Ab und an guten Tagen ist es eher meiner Disziplin als einem erfolgreichen Entzug zu verdanken, dass ich “hart” geblieben bin.

Auch unabhängig vom Essen und vom Schlafen interessiert mich alles rund ums Hirn. Auch Themen wie die neurolinguistische Programmierung faszinieren mich. Mit letzterer habe ich mich schon als Jugendliche befasst, allerdings vor allem auf theoretischer Ebene. Hätte ich damals Nägel mit Köpfen gemacht, wäre ich jetzt wahrscheinlich schon wesentlich weiter.

Im Detail möchte ich euch damit an dieser Stelle nicht langweilen.

Das Buch liest sich unterhaltsam und gut verständlich. Allerdings kratzt es für meinen Geschmack bisher zu sehr an der Oberfläche. Da habe ich schon wesentlich fundiertere Bücher zu dieser Thematik gelesen. Aber ich stehe mit der Lektüre ja noch ziemlich am Anfang. Gerade geht es um emotionales und chemisches Craving. Das gute alte Dopamin hatte auch schon seinen Auftritt.

11 Kommentare

  1. Einfach nix Zuckerhaltiges mehr einkaufen – funktioniert. 😉

  2. Eine akustische Gitarre ist meines Erachtens in einer geschlossenen Wohnung niemals zu laut. Du spielst ja keine E-Gitarre und benutzt auch keinen elektrischen Gitarrenverstärker… Die meisten Leute (v.a. die Alten, die meistens schwerhörig sind) hören in der Regel lauter Radio und Fernsehen, als Du zupfen kannst. Ich würde das Üben erst reduzieren (auf die gesetzlich in Deinem Bundesland erlaubte Tagesstundenzahl), wenn sich bereits die ersten Leute tatsächlich bei Dir beschwert haben. LG und übe bloß weiter! Du lässt Dich zu schnell verunsichern…

    • Volle Zustimmung 😊

    • Beschwert hat sich zum Glück noch keiner. Aber die Fenster in unserem Haus sind echt altersschwach und undicht. Und dass M., der sich erwiesenermaßen zur „Tatzeit“ gestern im Garten aufhielt, sämtliche Stücke benennen konnte, die ich währenddessen spielte, gab mir schon zu denken. Allerdings werden die gestrummt und das ist wesentlich lauter als zupfen. Und ich tröste mich damit, dass er die Lieder erkannt hat. Also hab ich zumindest die hoffentlich nicht allzu schief gespielt. Das mit der erlaubten Tagesstundenzahl werde ich gleich mal eruieren. Guter Tipp! 👍 Lieben Gruß zurück!

  3. Die Hirnforschung hat mich auch sehr interessant, insbesondere die Frage, wie „frei“ der Willen denn wirklich ist. Naja, auf jeden Fall klingt es schön was Du spielst!

    • Ja. Und ich glaube, wenn man weiß, was da gespielt wird – also im Hirn, nicht von mir 😉 – kann man sich auf jeden Fall auch ein großes Stück Freiheit zurückerobern. Hoffe ich zumindest.

      Freut mich, dass es gefällt! Du darfst dir gerne vorstellen, wie ich jetzt einen Knicks mache, aber das Knacken der morschen Knochen denkst du dir besser weg. 😉

  4. Mega toll, dass du Gitarre spielen und gleichzeitig singen kannst! Gefällt mir sehr gut! 🙂 Ich hab das Gitarrespielen aufgegeben aus Mangel an Talent. o.O

    • Danke für deine motivierenden Worte, liebe Alenka! 💚 Na, wer so schöne und bewegende Bilder zu malen in der Lage ist wie du, der kann auch im Hinblick auf die Musik gar nicht untalentiert sein. Gib mir ein paar Monate Zeit, dann kann ich dir das auch neurologisch erklären. 😁 Schreiben, Malen und Musizieren sind auf jeden Fall eng miteinander vereandt/verknüpft.

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