Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Schlagwort: Immunabwehr (Seite 2 von 2)

Tagesnotizen #8: Hexenfeuer

Vollmundig habe ich überall verkündet, das Ämmale sei jetzt abgestillt. Seit sieben Tagen ist das tatsächlich der Status quo.  Der Antibiotikumhammer wäre laut Embryotox sogar mit dem Stillen vereinbar gewesen, nicht aber die Codeintropfen. In den 15 Monaten,  die sie auf dieser Erde weilt, hat meine Zweitgeborene schon so manche medikamentöse Gewalttour mit mir durchlebt, aber ein Opiat wollte ich ihr nun wirklich nicht antun.

Das Codein habe ich allerdings nur zwei Tage gebraucht. Eventuelle Rückstände sind längst abgebaut. Und die Antibiotikumkur ist nun auch beendet. Heute morgen habe ich die letzte Tablette eingeworfen.

Und jetzt sitzt mir so ein hirnverbranntes Teufelchen auf der Schulter, das mir beschwörend ins Ohr flüstert. Es meint, dass ich doch Relaktieren könnte. Nach einer Woche stehen die Chancen noch nicht allzu schlecht. Aber das wäre absolut idiotisch. Das Abstillen lief völlig problemlos.  Sowohl meine Brust, als auch die Gier des Ämmale betreffend.  Keinerlei Schmerzen, kein Milchstau, keine Knoten. Die paar Schlucke, die meine Kleine noch getrunken hat, wurden von meinem Körper offensichtlich stillschweigend absorbiert.  Das Ämmale selbst hat mit flehendem Blick zweimal auf das Stillkissen gedeutet und danach versucht, sich unter meinen Pulli zu graben, aber dann akzeptierte sie ohne Murren, dass die mütterliche Milchbar fortan geschlossen ist. Zwar waren wir wohl beide emotional noch nicht ganz soweit, aber wann ist man das schon. Es wäre also bescheuert, wieder anzufangen. Auch unter dem Aspekt, dass mir das Abstillen medikamentös ganz andere Möglichkeiten eröffnet und ich jetzt echt mal zusehen muss, dass ich aus diesem dauerkranken Zustand herauskomme. Mein Körper sollte sich nun eigentlich wieder auf sich und seine Regeneration konzentrieren dürfen. Außerdem ist das Ämmale kein kleines Baby mehr, sondern ein Miniterminator mit der Durchschlagskraft einer Kanonenkugel. Dennoch kann ich nicht dafür garantieren, dass ich sie nicht doch wieder anlege. Sofern sie das will.

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Tagesnotizen #5: Aus dem Tritt

Oft fühle ich mich getrieben. Von meinem Umfeld, meinen Kindern, den Alltagsverpflichtungen. In den raren lichten Momenten erkenne ich, dass die größte treibende Kraft ich selbst bin.

Dann bremse ich mit quietschenden Reifen und kapituliere einfach.  Vor einem Programm,  dem ich mich manchmal nicht gewachsen fühle.  Diejenigen, welche mir auf mehr oder weniger subtile Art und Weise ihre Erwartungshaltung aufpfropfen, müssen mir egal sein. Andere mögen ein unsichtbares Supermom-Cape tragen.  Ich hingegen bevorzuge schlabbrige Kapuzenshirts.

Aber Abgrenzung war noch nie meine Stärke.

Mit Erziehungstipps wird nicht gespart.  „Sie hätten die Kleine einfach an einen Laufstall gewöhnen müssen. Dann wäre Ruhe. Aber jetzt ist es natürlich zu spät.“  Bei dem Gedanken, mein bewegungsfreudiges Ämmale auf 1×1 Meter einzupferchen, rollen sich mir nicht nur die Zehennägel hoch. Ein Generationenkonflikt. Früher mussten die Kinder nebenher laufen und der Veitstanz, den Eltern heute um ihren Nachwuchs herum veranstalten, kann nur ungesund sein.

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Die Schokoladenseite

Hartkekse und Bitterschokolade . Die Lieblingssüßigkeiten meiner Kindheit. Obwohl sie ihrem Namen jeweils alle Ehre machten. Sie hielten sich versteckt in den ehemaligen Bundeswehrproviantpaketen, von denen mein Vater eine große Anzahl im Vorratskeller hortete. Woher er sie hatte, weiß ich beim besten Willen nicht mehr. Schon zum damaligen Zeitpunkt war der Inhalt dieser schmucklosen grauen Schachteln geschätzte 100 Jahre alt.  Doch die Dauerwaren trugen ihren Namen völlig zurecht und würden wohl auch heute nicht anders schmecken als in den späten Achtzigern.

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Vernebelt

Goethes „Erlkönig“ ist eines dieser Gedichte, die mich schon als kleines Mädchen in ihren Bann gezogen und nie wieder losgelassen haben. Gleichwohl, wie oft dieses Gedicht in den vergangenen Jahrhunderten rezitiert und teils auch verhunzt wurde, ist seine magische Wirkung auf mich nie verblasst.  Sie ist derart intensiv, dass ich es nicht wage, die Worte hier niederzuschreiben. Nicht nur, wenn der Nebel aufzieht, muss ich an diese furchteinflößende, gespenstische Gestalt des Elfenkönigs und an den armen Knaben denken, der in des Vaters Armen hätte sicher und geborgen sein müssen und es doch nicht war.

Als ich vor einigen Tagen mit M., meinen Kindern und Eltern – das klingt irgendwie eigenartig, als wären wir in Heerscharen unterwegs gewesen,  in der Einöde nahe ihres Gehöfts spazieren ging, stellte ich mir zum wiederholten Male die Frage, warum diese Ballade mich nach wie vor im Innersten berührt.  Um uns herum waberte der Nebel. Bäume und Sträucher erschienen aus dem Nichts und streckten ihre dürren Arme nach uns aus. Ja, selbst der mobile Schießstand des Jägers verwandelte sich in eine dunkle, rätselhafte Kreatur. Eine schaurig-schöne Atmosphäre, welcher jedoch nichts Bedrohliches anhaftete. Wahrscheinlich, weil wir uns, umgeben von unseren Lieben, behütet fühlten.

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Negativbeispiel eines ersten Eintrages

Bad Vibes.

Körperlicher Verschleiss und chronische Schlaflosigkeit.

Themen, die sich nicht einmal bedingt für einen allerersten Post eignen, der eigentlich Lust auf mehr machen und nicht statt dessen die Leser verschrecken soll.

Klingt eher nach dem Standardrepertoire eines Tattergreises.  Aber es ist nunmal das, was mich gerade umtreibt. Und strenggenommen bin ich auch schon ein altes Mütterlein. Schließlich bin ich vor ein paar Tagen 39 geworden. Aber irgendwie kratzt mich das erstaunlicherweise nicht sonderlich. Viel schlimmer war zum Beispiel mein 17. Geburtstag. Damals habe ich in meinem (handschriftlichen) Tagebuch vermerkt: „Jetzt bin ich alt.“

39. Das ist sogar eine sehr schöne Zahl, finde ich. In sich rund. Runder noch als 40. Zumindest optisch. Ausserdem ist die 3 meine Glücksziffer. Und 3×3 ist 9. Also durchaus liebenswert, die 39. Doch ich schweife ab.
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