Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Blaue Stunde (Zartherbe Liebe – im Dreierlooping)

Einer spontanen Eingebung folgend belästige ich euch jetzt mit der Textstelle aus ZHL Band 2 (- die Abkürzung hat auch etwas für sich, nicht wahr? ; ) -), für die ich soeben den Buchsatz gemacht habe:

“…

Ava dachte daran, wie oft und wie sehr sie sich in den vergangenen dreißig Stunden zu Ralf hingezogen gefühlt hatte, und schwieg. Sie wurde selbst nicht schlau aus ihren verworrenen Emotionen. Wie also könnte sie diese Jon verständlich nahebringen?

Dem Mann, den sie liebte.

Dem einzigen Mann, den sie liebte?

Was bezweckte Jon mit seinen bohrenden Fragen? Wollte er etwa, dass sie sich von ihm ab- und stattdessen Ralf zuwandte? Oder keinem von ihnen? Oder ihnen beiden?

Vielleicht aber ging es ihm nur um das Grundsätzliche? Darum, ihr zu beweisen, dass sie zwar von Monogamie faselte, dabei aber selbst insgeheim ihr Herz an zwei Männer verschenkt hatte? Und falls er das tatsächlich dachte – hatte er dann recht damit? Doch ganz gleich, wie sie es auch drehte und wendete: Es würde auf ein Spiel hinauslaufen, bei dem es nur Verlierer gab.

Sie starrte ihn hilflos an. Der sphinxhafte Ausdruck in seinem attraktiven Gesicht machte sie schier wahnsinnig. Und sein stechender Blick ging ihr durch und durch. Auf den Tag, an dem er seine Anziehungskraft für sie verlor, konnte sie lange warten. Sie würde ihn auch mit achtzig noch zum Niederknien finden.

Und gleich, wie viele Jahre sie trennten: Irgendwann wäre sie es, die einer verschrumpelten Apfelsine glich, während er, mit dem es Natur und Zeit so außerordentlich gut meinten, nach wie vor reihenweise Frauenherzen brach.

Ihre Augen glitten an ihm hinunter, über die Muscheln zu ihren Füßen und dann wieder auf das Meer hinaus. Sie ließ sich von den Wellen tragen. Bis zu dem goldenen Streifen am Horizont und dem leuchtenden Himmel darüber.

»Die magische, blaue Stunde ist angebrochen«, sagte sie. »Diese Farbe … ultramarin …«

»… über das Meer«, ergänzte er. »Wie passend, nicht wahr? Und was für ein gigantischer Anblick.«

Jon trat neben sie. Diesmal scherte er sich nicht um Sicherheitsabstände. Ihre Ärmel berührten sich und die intensive Wärme, die er ausstrahlte, griff direkt auf sie über. Und kurz war Ava einfach nur dankbar dafür, dass sie diesen einzigartigen Moment miteinander teilen konnten.

Doch dann sprangen ihre Gedanken schon wieder im Zickzackkurs. Zwölf Jahre lang hatte sie sich mit jeder Faser ihres Herzens nach ihm gesehnt.

Und nun standen sie hier. Am Meer. Allein. Und hatten nichts Besseres zu tun, als sich in einem undurchsichtigen Labyrinth aus Gedanken, Emotionen, Erfahrungen und Erwartungen zu verstricken. Kostbare gemeinsame Zeit, die sie einfach verschwendeten. Andererseits – wie sollten sie diese Stunden auch besser nutzen? Erfüllender gestalten?

Dass sie in diesem Augenblick das Gefühl hatte, mit ihm zusammen auf einem anderen Planeten gestrandet zu sein, änderte nichts daran, dass er verheiratet war. Und Ava war keine von den Frauen, auf die ein Tabubruch dieses Kalibers einen besonderen Reiz ausübte. Das schlechte Gewissen würde zu jedem Zeitpunkt über den Genuss triumphieren. Dessen war sie sich gewiss.

Dennoch war da diese bittere Süße, die in ihren Adern pulsierte. Und irgendwo, in den archaischen Regionen ihres Hirns, wo die Moral keinen Zutritt hatte, glomm ein Funke. Und der hatte inzwischen die Zündschnur gefunden.

Noch bevor das Gedankenkarussell ihren Schädel platzen ließ, würde es eine andere, weitaus mächtigere Explosion geben. Sie verspürte plötzlich eine Art Fluchtinstinkt, obgleich es im Grunde völlig gaga war, vor sich selbst flüchten zu wollen.

Hektisch ließ sie ihren Blick umherschweifen. Hier waren nur wenige Leute unterwegs. Und ein paar davon befanden sich im Wasser. Nackt.

Inzwischen hatten sie einen Strandabschnitt erreicht, an dem man ungehemmt der Freikörperkultur frönen durfte. Wollte sie das Meer morgen wirklich verlassen, ohne es nicht wenigstens einmal am eigenen Leib gespürt zu haben?

Und jetzt, am Abend, wo das Wasser zumindest etwas Sonne getankt hatte, war es sicher nicht ganz so kalt wie bei Tagesanbruch. Den unerfreulichen Gedanken an den Wind, der an ihr zerrte und der sie auch anschließend in Empfang nehmen und sich auf der nassen Haut eisig anfühlen würde, schob sie beiseite. Bevor sie es sich anders überlegen konnte, entledigte sie sich rasch ihrer Klamotten.

»Was hast du vor?« Jon beobachtete ihren Striptease ebenso entgeistert wie fasziniert und Ava fragte sich, ob sie mit ihrer spontanen Aktion nicht das Gegenteil von dem bewirkte, was sie vorhatte.

»Wonach sieht es denn aus?« Die letzten Hüllen fielen. Während sie aus ihrem Slip stieg, würdigte sie Jon keines weiteren Blickes mehr, sondern wandte sich bereits dem Meer zu. »Ich gehe jetzt baden.«

…”

22 Kommentare

  1. 🙂 Wann werden die Bände 2 und 3 veröffentlicht? 1 habe ich ja bereits auf dem Tablet und werde hoffentlich bald die Muße finden, damit anzufangen…

    • 😉 Band 2 möchte ich spätestens in drei Wochen draußen haben und für den letzten Teil hab ich mir die Deadline in 2 Monaten gesetzt.

      Wie gesagt: Nur kein Stress! Weglaufen wird dir das Buch bestimmt nicht. 🙂 Und was das Rezensionsthema angeht, hab ich gerade wieder nen ziemlichen Hals. Aktuell hängen drei weitere Rezensionen in der Pipeline. Drei, von denen ich weiß, weil die entsprechenden Leser mich informiert haben. Wer weiß, was da noch alles im „Wartezimmer“ geparkt wurde. Dabei ist jede einzelne Rezension für mich pures Gold wert.

  2. Können wir noch Einfluss nehmen? 😉Dann plädiere ich für „Jon springt hinterher“ 🙂

    • In die sechzehn Grad kalte Nordsee? ;D

      Eine interaktive Gestaltung ist leider ausgeschlossen, da der Roman längst fertiggeschrieben ist. Ich glaube, diese Szene habe ich vorletztes Jahr getextet. 🙂

      Aber freut mich, dass ihr euch auch diesen Exzerpten gegenüber interessiert zeigt! 🙂

      • Der hüpft doch bestimmt hinterher, oooooooooder? So ein Mannsbild kennt doch keine Kälte 😀

      • Aber an sich wäre so ne interaktive Geschichte doch auch mal richtig witzig. Vielleicht gibt’s ja eine Leerstelle in der Romanhandlung, die wir gemeinsam füllen könnten oder es gibt ein ganz neues Projekt. Aber ich stelle mir das sehr amüsant vor 😁

        • Ja, das stimmt. Auf Wattpad wäre das möglich gewesen, da ich dort ja jedes Kapitel direkt nach dem Schreiben eingestellt habe. Aber ich habe diese Option nicht genutzt, was in dem Fall auch rechtlich besser ist. Sonst hätte ich am Ende noch Probleme mit dem Urhebergesetz bekommen. 🙂

          Interaktives Schreiben wird auf jener anderen Plattform vor allem in Form von RPGs (Rollenspielen) praktiziert. Aber ich muss zugeben, dass ich da nie mitgemacht habe.

          Hier könnte ich mir das im Rahmen einer Kurzgeschichte vorstellen, vielleicht mit Fragen am Kapitelende wie: Was wird Jon jetzt machen; a) Ava den Vogel zeigen b) ihr hinterherhüpfen, sich von kälteinduzierten Einschränkungen seiner Physis unterhalb der Gürtellinie nicht beeinflussen lassen und direkt im Wasser mit ihr Liebe machen, c) ihr nachspringen und sie an den Haaren aus dem Wasser zerren (ihre Einstellung zum Meer ist ja aufgrund der Sache mit ihrem Bruder ambivalent) oder d) die Rettungswacht auf den Plan rufen? 😀

          • Sind auch Mehrfachnennungen möglich? 😁

            • 😄 Warum nicht? Welche Optionen würdest du denn kombinieren wollen?

              • zweimal a) und dreimal b) 😛

                • 😄 Da braucht er aber ein ganz schönes Durchhaltevermögen!

                  • Ja, so oder so, aber in der Literatur geht alles 😉

                    • Das mag schon sein, aber ich agiere da eher getreu dem Motto: Realitätsnah und trotzdem sinnlich. Gerade bei erotischen Szenen raubt es mir den letzten Nerv, wenn der Autor offenbar keine Ahnung davon hat, wie sowas in Wirklichkeit läuft. Eine Frau kann vielleicht 5x direkt hintereinander kommen, ein Mann definitiv nicht. 🙂 Und wohltemperiertes Wasser ist auf jeden Fall lustfördernd, eiskaltes aber garantiert nicht. ;D Außer für Anhänger einschlägiger Spielarten, die hier aber keine Rolle spielen. 😉

                    • Das stimmt, deshalb meinte ich ja so oder so, denn um dreimal in kaltem Wasser dafür muss man schon abgehärtet sein, denn einen halben Tag wird es dann schon brauchen darin 🙂 5 x hintereinander bei der Frau will ich aber auch nicht lesen, liegt aber sicher ganz persönlich und voller Neid daran, dass ich da selbst leider noch nie dabei war 😉

                    • Keine Sorge: Von multiplen Orgasmen bleibst du in meinem Roman verschont. In eine fiktive Geschichte können ja nicht nur persönliche Erfahrungswerte einfließen. ;b

  3. “Jon trat neben sie. Diesmal scherte er sich nicht um Sicherheitsabstände.” – Sehr aktuell 😉

Kommentar verfassen

© 2020 FederfarbenfeeImpressumDatenschutz

Theme by Anders NorenUp ↑

%d Bloggern gefällt das:

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen