Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Mary verdünnisiert sich – Wochenbilanz #7 und #8

Dass ich in den letzten vierzehn Tagen überhaupt abgenommen habe, nimmt mich selbst Wunder. Meinen Sermon hierzu habe ich schon in den sozialen Netzwerken zum Besten gegeben.  Ich befürchte daher, dass ich heute arg zu Redundanzen neige.

Fakt ist, dass ich in den vergangenen zwei Wochen zwar grundsätzlich an meiner Ernährungsumstellung festgehalten habe, dabei aber quasi jeden Tag über mein Kalorienlimit hinausgeschossen bin und auf meiner Reise in ferne, durchaus beeindruckende Brennwertdimensionen auch so einiges an Müll verdrückt habe.

Am meisten erschreckt mich, dass ich, obwohl ich mich schon einigermaßen gefestigt geglaubt habe, blitzschnell in meine alten Muster zurückfalle, sobald ich über einen gewissen Zeitraum emotionalem Stress ausgesetzt bin. Solide Basis am A…llerwertesten.

Bei mir ist es auch nicht so, dass mein Hirn sagt “Ich bin dann mal weg”, bevor sich meine Zähne in die 300g-Vollmilchschokoladentafel graben. Nein, es ist böswilliger Mittäter und hilft ganz eifrig dabei mit, mir die destruktiven Gedanken einzupflanzen, die dann in meine kulinarischen Eskapaden münden.

In der Praxis sieht das folgendermaßen aus:

  1. Neue Hiobsbotschaft trudelt ein und gesellt sich sogleich zu den bereits anwesenden Kollegen, die hämisch grinsend auf dem ständig anwachsenden Trümmerhaufen meiner Gefühlswelt sitzen.
  2. Die Sinnfrage stolpert hinzu: “Was soll das überhaupt mit diesem oberflächlichen Abnehmtripp? Wenn gerade die Welt untergeht, ist es dann wichtig, ob du dabei eine schöne Figur machst? Wen juckt das? Dich doch gerade sowas von überhaupt nicht.”
  3. Vernunft und Gewissen melden sich zaghaft:  “Du machst das doch nicht, um besser auszusehen. Sondern für deine Gesundheit?”
  4. Mein inneres Teufelchen bleckt die Zähne: “Ja. Und warum wird dann der griesgrämige, saufende und übergewichtige Kettenraucher, der sich sein Leben lang fast ausschließlich von verkokeltem Fleisch ernährte, das über offenem Feuer gegrillt wurde, neunzig, während andere, die stets vorbildlich gegessen, Sport getrieben und nie ein Pfund zu viel hatten, viel zu früh ins Gras beißen?
  5. (In meinem Hals kratzt es schon verdächtig und die Kinder üben “Grenzen austesten” auf Extremsportlevel aus. Zum Beispiel, indem sie auf Dauerheulschleife schalten und diese nur unterbrechen, um etwas zu verwüsten, sich zu zanken oder mir neue Aufträge zu erteilen.
  6. Das Teufelchen flüstert hinter vorgehaltener Hand: “Gönn dir doch was. Du brauchst Kraft. Für Lösungen, die Kinder, dein Buch…”
  7. Vernunft und Gewissen antworten synchron auf mein Gesundheitsrätsel: “Nun, du kennst doch den Spruch: Ausnahmen…”
  8. (Mein Mann packt neben mir auf der Couch geräuschvoll die Choco Crossies aus.)
  9. Ich: “Jaja. Lasst mal stecken. Ich brauche jetzt Schokolade.”

Wie ich schon auf FB und Co. geschrieben habe, befürchte ich, dass ich zu wenig eitel bin, um dieses Vorhaben knallhart durchzuziehen. Es wäre einfacher, wenn ich mich selbst mit schönen Kleidern und Co. locken könnte, aber an sechs von sieben Tagen ist mir solcher Firlefanz völlig wurscht. Am siebten Tag denke ich, dass es doch ganz nett wäre, nächstes Jahr im Bikini und erhobenen Hauptes mit den Kindern zum Schwimmen gehen zu können, statt im figurschmeichelnden, schwarzen Einteiler in unter 10 Sekunden vom Handtuch ins Wasser zu sprinten. Dann denke ich wiederum: Hey, ich werde nächste Woche vierzig. Wer will schon Methusalem im Bikini sehen?

4 Kommentare

  1. Avatar
    Malmuse

    Guten Tag liebe Mary,
    ich habe zwar auch meine drei Kilos mehr und will die wieder weg haben, kann aber mit den größeren Gewichtreduktionen wohl nicht mitreden. Trotzdem beobachte auch ich meine Motivation und die Tricks von Körper und Geist. Der Frust über den Waagen-Ausschlag und köperliches Unwohlsein über kneifende Hose, wabbeliges Bauchspeck…hilft auf Essgewohnheiten zu achten und auch das Fitnessprogramm wieder anzukurbeln. Kaum sind zwei Wochen um…die Waage schon nach unten korrigiert…kommt das was Du beschreibst und es stagniert. Ein schönes Wochenende.
    lg
    Malmuse

    • Federfarbenfee
      Federfarbenfee

      Hallo, liebe Malmuse,
      ja, genau – die Tricks von Körper und Geist. Bei mir sind es vor allem die Psychospielchen von Letzterem, die mich immer wieder straucheln lassen. Der Körper wäre derzeit eigentlich recht kooperativ, wenn er nicht gerade eine neue Erkältung ausbrütet oder meint, mich mit kurzfristigen, aber deshalb nicht weniger fiesen Wassereinlagerungen ärgern zu müssen. Hunger ist nicht das Problem, da mein Kalorienbudget so großzügig bemessen ist, dass ich gut satt werde. Physisch zumindest. Die Seele sieht das oftmals anders. Gerade in Stresssituationen. Wenn bei mir eine komplette Stagnation eintritt – und irgendwann wird es soweit sein, werde ich noch häufiger mit meinem Schweinehund in den Ring steigen müssen. Von der Psyche her gesehen, macht es keinen großen Unterschied, ob man 3 oder 30kg abnehmen muss, denke ich. Die Hürden auf dem Weg zum Ziel sind die gleichen. Zumindest erging es mir auch in erheblich schlankeren Zeiten schon ähnlich.
      Liebe Grüße zurück und auch dir ein schönes und kreatives Wochenende! 🙂 Übrigens: Der Schmetterling in deinem Avatar ist ein Traum!

  2. Avatar
    Lotti

    Liebe Mary,

    das ist so unterhaltsam und bildhaft geschrieben, ich musste mehrmals Schmunzeln! In letzter Zeit hatte ich nicht so viele Gelegenheiten auf meinen Lieblingsblogs vorbeizuschauen, dabei sind solche Artikel so wunderbar und versüßen den Abend!

    Ich wünsche Dir, dass Du all Deine Ziele, die Dir wirklich etwas bedeuten, erreichst und an Deinem 40. Geburtstag stolz Dein Haupt erhebst und Dich ganz wunderbar findest, so wie Du bist. Eine talentierte, liebe Frau!!!!

    • Federfarbenfee
      Federfarbenfee

      Liebe Lotti,

      freut mich, dass dir mein Post gefällt. <3 Ja, ein wenig Humor muss schon dabei sein, auf dieser Verschlankungsreise. Wenn ich das zu verbissen sehe, wird das nix.

      Vielen Dank für deine wunderbaren Komplimente! Ich werde am Freitag an deine Worte denken! 🙂

      Herzliche Grüße von Mary

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