“Wie, die Betreuer haben schon wieder gewechselt?”

“Ja, heute und morgen ist die Resi (Name geändert A.d.V.) da. Das ist eine ganz Nette und sehr kinderlieb.” Beflissen versucht die freundliche Dame am anderen Ende der Leitung, mein erhitztes Gemüt ein wenig abzukühlen.

“Aber das ist jetzt zum dritten Mal jemand komplett Neues.”

“Ne, die Resi ist nicht neu. Die ist schon gaaaaaaaanz lange bei uns.”

“Komisch. Hatte schon vor Jahren immer nur mit der Biggi (Name geändert A.d.V.) zu tun. Die Resi ist irgendwie völlig an mir vorbeigegangen.”

“Ja, also, die Resi…das war noch davor.”

“Ok, ist auch wurscht. Für mein Ämmale ist sie jedenfalls neu. Das heisst, zum vierten Mal eingewöhnen. Hat die Resi feste Tage? Wer ist Montags da?”

“Montags ist gar keiner da. Da gibt es jetzt leider keine Kinderbetreuung. Und nächste Woche  Dienstag auch nicht.”

“Aha.”

“Und feste Tage haben die Betreuer auch nicht wirklich. Das wechselt schon öfter.”

“Herzlichen Dank für`s Gespräch.”

Gut, ich weiß, dass das Studio sich händeringend darum bemüht, eine regelmäßige Kinderbetreuung sicherzustellen. Die reguläre Erzieherin ist noch nicht von den Folgen ihres schweren Unfalls genesen und ich kann nachvollziehen, dass es nicht so einfach ist, interimsmäßig einen zuverlässigen Ersatz aufzutreiben. Doch mein Verständnis mag noch so groß sein – an der Konsequenz ändert das rein gar nix: Ich kann das Fitnessstudio derzeit fast nicht nutzen. Und für das Ämmale ist der ständige Betreuerwechsel auch kein Zuckerschlecken. Jedes neue Gesicht ist mit einer mehrwöchigen Eingewöhnungsphase verbunden.

Ist die Sportabstinenz daran schuld, dass ich diese Woche nur 300g verloren habe? Nein, ich glaube, das wäre eine faule Ausrede. Zumindest ist es nur ein Fast-Stillstand. Also noch nicht der komplette Motivationskiller. Und wenn ich ehrlich bin, darf ich auch die kleine Lebkuchenorgie vor ein paar Tagen nicht unter den Tisch fallen lassen.  Leider neige ich nach wie vor dazu, in Stresssituationen zuviel in mich hineinzuschaufeln. Der Sport als alternativer Ausgleich fehlt. (Ha! Vielleicht lassen sich die faulen Stellen noch herausschneiden und ich kann meine Ausrede doch benutzen.) Zuerst habe ich tapfer nach zwei Lebkuchen die Tüte mit dem verführerischen Inhalt von mir geschoben.  Aber dann war die Tüte plötzlich weg. Das Ämmale hat sie gefunden und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Ihr versteht sicherlich, dass ich mich der angeknabberten Lebkuchen habe erbarmen müssen.  Wir sehen das einfach mal wieder als einen extraordinary Refeed-Day. Und als einen Akt der Barmherzigkeit,

Im Großen und Ganzen war ich eigentlich gut im Plan, diese Woche. Aber es ist sonnenklar, dass es zwischendurch immer wieder zu (Fast-)Stagnationen kommt. Noch lasse ich mich davon nicht entmutigen.

Apropos Sonne: Ich bin meinen Kindern dankbar, dass sie mich auch bei Nieselregen nach draussen scheuchen. Mir tut es gut, auch bei Wind und Wetter an der frischen Luft und auf dem Fahrrad unterwegs zu sein. Bevor ich Kinder hatte, wäre mir das nicht im Traum eingefallen. Und irgendwie hat es sogar etwas Gemütliches, wenn sich meine Töchter im Fahrradanhänger in ihre rote Kuscheldecke einmummeln, während wir zusammen durch buntes Herbstlaub fahren. Den Kastanienbaum haben wir ja praktischerweise direkt vor der Tür, sprich auf dem eigenen Grundstück. Und da kann es noch so kalt sein. Ein paar Minuten Kastaniensammeln ist immer drin.