Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tagesnotizen #44: Mitten im Leben?

Eigentlich (EIGENTLICH ein furchtbares Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein), sind das jetzt die besten Jahre:
Nicht mehr so leicht zu verunsichern wie als junger Mensch.

Humorvoller (vor allem auch in Bezug auf sich selbst und die eigenen Schwächen) und dadurch souveräner als früher.

Ausreichend Mut und Lebenserfahrung gesammelt, um seine Leidenschaften auszuleben und darauf zu scheißen, was andere davon halten.

Noch nicht zu vertrocknet und gebrechlich, um nicht auch die sinnlichen Genüsse voll ausschöpfen und sich nach wie vor attraktiv fühlen zu können, dürfen, wollen.

Einen Partner an der Seite, der einen aus vollem Herzen liebt, obwohl er einen kennt.

Die Kinder.

Mehr Freiheiten, aber auch viel mehr Verantwortung.

Wären da nicht all die Schicksalsschläge, die wahrscheinlich jeden Menschen in dieser Lebensphase in irgendeiner Form ereilen.

Am schwersten hat es wohl mein Mann im Moment. Gleichzeitig sind ihm beide Elternteile weggebrochen. Der eine tot (bitte keine Beileidsbekundungen – die haben wir hinter uns), der andere (erneut) schwerst depressiv. Suizidal. Ich stehe M. zur Seite, so gut es mir möglich ist und bewundere ihn nicht zum ersten Mal für seine mentale Stärke.

Ständiger Spagat. Zwischen helfen und sich selbst und die Kinder schützen wollen. Gleich, wie positiv diese strahlenden, kleinen Wesen gerade auf psychisch kranke Menschen wirken mögen: Sie sind auch ungeheuer verletzlich und es ist nicht rechtens, ihre Energie anzuzapfen, um sich selbst zu stärken. Allein, wenn ich mir anschaue, wie sehr die Kleinen auf die Physiognomie ihres Gegenübers achten. Wie sollen sie sich fühlen, wenn da keinerlei emotionale Regung zu sehen ist?
Wenn ihr wacher, suchender, vertrauens- und liebevoller Blick nur auf stumpfe Leere trifft?
Wenn sie erkennen, dass der geliebte Mensch nicht mehr er selbst ist? Dass er sich an einen Ort zurückgezogen hat, an den ihm die Kinderseelen nicht folgen können und auch nicht sollen.

Mit Händen und Füßen darum kämpfen, nicht mit in den Abgrund hineinzustürzen.

Sehr viel mehr möchte ich dazu nicht schreiben. Aus Rücksichtnahme der betreffenden Person gegenüber. Hoffe, mit diesem Post habe ich seine Intimsphäre nicht schon zu sehr verletzt. Aber es ist kein Geheimnis, dass er krank ist.

Du bist so ein intelligenter, begabter und charismatischer Mann und wir wünschen dir von Herzen, dass du wieder aus diesem Loch herauskommst. Aber du musst die Hände, die sich dir entgegenstrecken, schon ergreifen. Sonst wird das nichts! Und es sind zahlreiche Hände! Nicht nur die von M., den Kindern und mir. Ich kenne kaum einen Menschen, der so viele gute und echte Freunde hat wie du!

Meine eigenen Freundschaften bin ich gerade wieder einmal am Überdenken. Es gibt nur sehr wenige Leute, denen ich blind vertraue. Und mindestens 80 Prozent davon sind Männer. Es ist wirklich erschreckend, wie talentiert Frauen darin sind, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.
Sicherlich schrieb ich es schon mal, dass ich in meinem Leben weitaus mehr Leid durch Frauen als durch Männer erfahren habe. Obwohl es sehr bedauerlich ist, dass ich damit meiner eigenen Spezies in den Rücken falle. Ich selbst bin bestimmt auch ein ziemliches Miststück. Das möchte ich gar nicht bestreiten. Jedenfalls ist es sehr interessant, dass ausgerechnet ich zwei Töchter habe. Das sehe ich als eine DER Aufgaben in meinem Leben.

Dieser Eintrag klingt hoffentlich nicht allzu trist. Denn das würde meiner aktuellen Lebenssituation nicht gerecht werden.

Tatsächlich bin ich gerade um einiges glücklicher als ich es etwa in meinen 20ern und 30ern war.

Und neben meiner Familie gibt es insbesondere noch drei weitere Säulen, die mich zugleich erden und beflügeln: Das Schreiben, das Tanzen und neuerdings auch wieder das Musizieren. Seit Jahrzehnten hatte ich kein Instrument mehr in der Hand. Und nun habe ich mir ein Herz gefasst und erlerne endlich das Gitarrespielen.
Schon als Kind war das mein Trauminstrument. Aber von meinen Eltern wurde ich dazu „verdonnert“, Sopran- und Altflöte zu spielen. Autodidaktisch habe ich mir das Klavierspielen beigebracht. Virtuos geht anders, aber für ein wenig Klimpern hat’s gereicht.

Nun habe ich das große Glück, von einem wirklich begnadeten Musiker in den Künsten des Gitarrespielens unterwiesen zu werden.

Und wenn ich meine „La Mancha“ auf dem Schoß habe, mich im Strumming übe und dem schönen Instrument hin und wieder einen sauberen Akkord entlocke, vergesse ich ganz schnell, dass sich mein Unterkiefernerv aufgrund der laufenden Implantationsgeschichte auf der linken Seite mal wieder verabschiedet hat. Zumindest ist meine Lippe diesmal nicht betroffen. Das war letztes Mal ganz furchtbar: Nicht richtig küssen zu können.

(Vor einigen Tagen habe ich mein Webspace-Abonnement doch um ein weiteres Jahr verlängert. Zwischenzeitlich tendierte ich zur Kündigung. Die Vorgaben des neuen Datenschutzgesetzes halte ich bei einen so kleinen, nicht kommerziellen Liebhaberblog für völlig übertrieben. Und die Tatsache, dass meine Posts mal im WP-Feed auftauchen und mal nicht, finde ich auch nicht eben motivierend. Zudem konzentriere ich mich derzeit vor allem auf die Fertigstellung meiner Liebesgeschichte. Falls ihr also wider Erwarten Sehnsucht nach mir haben solltet, empfehle ich euch, auf meinem Wattpadprofil vorbeizuschauen. ;))

13 Kommentare

  1. Du hast offennbar das seltene Glück, ein nahezu vollständig gelungenes, rundum glückliches Leben zu führen – vermutlich müssen dann ab und an Stiche und Härten von „außen“ kommen, damit einem durch den Vergleich diese Tatsache bewusst bleibt. LG!

    • Mit deinen Worten hast du sicher nicht unrecht, lieber Hyper. Da ich allerdings nicht fähig dazu bin, mich abzugrenzen und ich das Leid und die negativen Schwingungen um mich herum aufsauge wie ein Schwamm, kann ich mein Glück dann oft erst recht nicht mehr wahrnehmen. Und hier geht es ja um meinen Mann und meine Schwiegereltern. Das ist auch meine Familie und nicht irgendwer, mit dem ich mich vergleiche. Zumal mir die ganze Vergleicherei sowieso zutiefst widerstrebt. Aber ich bin auf jeden Fall sehr dankbar für das, was ich habe. Vor allem für die Liebe, die mich umgibt. (Das schreibe ich, während neben mir meine Kinder gerade dabei sind, sich gegenseitig ihre Köpfe einzuschlagen. 😉)
      Und ich sehe es als ein großes Geschenk an, dass ich über eine Art inneren Reichtum verfüge, aus dem ich viel Kraft schöpfe. Ich habe nie aufgehört, zu träumen …
      Lieben Gruß zurück!

    • Ich habe deinen Kommentar nochmal gelesen und ich glaube, du meintest den Vergleich zwischen „Glück und Unglück“ und nicht den mit anderen Menschen. Dem stimme ich natürlich zu. Sorry, bin ich mal wieder zu eilig vorgeprescht. Aber „Vergleich“ ist halt so ein Wort, auf das ich mit anaphylaktischem Schock reagiere. 😉

  2. Jetzt wurde dein Beitrag endlich mal zeitnah im Viewer angezeigt 😉. Ansonsten schließe ich mich Hyper an. Ein glückliches Leben ohne die unausweichlichen Einschläge (Tod, Krankheit) ist wohl leider kaum möglich. Mit dem Ableben unserer Eltern/Großeltern müssen wir uns zwangsläufig irgendwann befassen. Sei herzlich gegrüßt und weiterhin viel Spaß und Leidenschaft bei all deinen Projekten 😘

    • Ja, so ist das Leben wohl konzipiert. Ohne Unglück auch kein Glück. Und dem Tod entkommt ohnehin niemand.

      Vielen Dank für die lieben Wünsche!

      Dass mein Post diesmal sofort im Viewer angezeigt wurde, ist echt ein Wunder und eine absolute Premiere. Am besten lasse ich bis zum nächsten Eintrag wieder ein paar Monate verstreichen. Das scheint zu funktionieren. 😉😗

  3. Schön von dir zu hören. Wunderschönes Foto und auch so passend zum Titel. Von den Eltern Abschied zu nehmen, ist etwas, was sehr viel Kraft erfordert. Sei lieb gegrüßt.

    • Guten Morgen, liebe Juni! Tja, du und deine freundliche Nachfrage vor ein paar Tagen wart nicht unschuldig daran, dass ich dachte, ich müsse nun doch endlich mal wieder ein Lebenszeichen absetzen. Auch auf die Gefahr hin, dass es etwas privater wird.

      Ja, zum Glück ist M. ein starker Mann. Doch der momentane Zustand seines Vaters belastet ihn gerade fast noch mehr.
      Liebe Grüße auch an dich! ❤

  4. Hab Dich zwar allmählich vermisst, jetzt über Deiner Webseite Versäumtes nachgelesen und geliked, wo’s nur ging, werd aber die E-Mail-Benachrichtigung erst dann aktivieren, wenn wieder nix mehr von Dir zu sehen ist im Reader, obwohl Du geschrieben hast. 👓
    Ähm, jedenfalls lieb ich solche Fotos wie oben sehr, nicht allein wg Deiner wunderhübschen Kinder, sondern auch wg Sommer! ☀️☀️☀️ Könnt das sein, ist das das Schwimmbad an der Wü**? Da war ich als kleines Mädel, also wir mit den Eltern mal. War dufte, eine Hängeseilbahn übern Fluß gab es damals, weißt was ich mein? Aber ich hab mich natürlich nicht dran getraut. Bussi! 😻

    • Hallo, liebe Edith! Sowohl, was den WP-Reader als auch, was die Regelmäßigkeit meiner Beiträge angeht, kann ich leider für nix garantieren. 😉 Aber ich freue mich sehr, dass du über diesen Post hier gestolpert bist!
      Nein, das ist nicht an der Würm und auch nicht im Schwimmbad, sondern an einem Fluss, der durch die benachbarte Kreisstadt fließt. Vielleicht weißt du jetzt schon, welchen ich meine. Genauer möchte ich ihn hier öffnentlich nicht benennen.
      Ja, ich weiß, was du meinst. Tolle Sache. Auch wenn ich besagte Seilbahn an der Würm nicht kenne. Lieben Gruß und einen sonnigen Tag!

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