Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tag: #paarzeit

Weihnachtsgedicht?

Achtung, Achtung: Ich werde euch hier gleich mit meinem aktuellen Kindermund-Kapitel beglücken. Wer dieses Büchlein bereits auf Wattpad verfolgt, muss sich also folgende Anekdote, die sich vor unserem großen Besuch aus Übersee gestern zugetragen hat, nicht noch einmal antun. 

Kleine “Fußnote” für einen guten Freund, der hier mitliest und den wir gerne als Übersetzer angeheuert hätten: Besagter neuer Lebensgefährte ist Luftfahrt-Ingenieur, nicht Astrophysiker. Ich hab ihn da im Vorfeld dümmlicherweise mit jemand anderem verwechselt. Dennoch fand ich es auch so anspruchsvoll (- und interessant -) genug, den Erläuterungen zu seinem Job, in dem er elektronische Systeme für Flugzeuge entwickelt, auf Englisch zu folgen. Zumal ich mich mit solch technischen Themengebieten schon auf Deutsch schwertue, aber unterm Strich hat das mit der englischen Kommunikation erstaunlich gut funktioniert. Obwohl M. nur ungefähr fünf Sätze zur Unterhaltung beisteuerte und die Kinder das Ganze ausschließlich mit einer heimatlichen Geräuschkulisse untermalten.

Ab hier sind nun Redundanzen für die Wattpadleser sehr wahrscheinlich:

Nachdem ich in den letzten Wochen Plätzchen und Lebkuchen tonnenweise produziert habe und außerdem am Geburtstag des Eiliensche mit einer famosen Schimmeltorte (siehe Männermund) glänzen durfte, habe ich mir geschworen, zumindest für die letzten Tage des Jahres in den Backstreik zu treten.

Wie formulierte es gestern die Leiterin des Kindergartens so treffend: “Wenn die stade Zeit vorbei ist, wird es endlich wieder ruhig.”

Nun verhält es sich aber so, dass morgen meine beste Freundin, die ich inzwischen seit 36 Jahren kenne, mit ihrem neuen Partner zu Besuch kommt. Sie ist vor anderthalb Jahren beruflich in die USA gegangen. Da es mich in Zeiten von Trump eher weniger nach Übersee zieht und uns diese Reise zudem vor finanzielle und zeitliche Herausforderungen stellen würde, sehe ich besagte Freundin derzeit nur ein- zweimal im Jahr. Und zwar immer dann, wenn sie nach Deutschland kommt. Ihren neuen Lebensgefährten kennen wir noch gar nicht. Wird ohnehin interessant, da meine Mädels außer ‘My name is’, ‘Cat’, ‘Dog’, ‘Hello’ und ‘Bye’ kein Wort Englisch sprechen, aber ich schweife ab.

Jedenfalls möchte ich den “jungen” Mann morgen gerne mit ein paar deutschen Backwaren vertraut machen und meine Freundin freut sich auch schon auf heimatliche Spezialitäten.

Damit der Kulturschock für den Herrn aber nicht allzu heftig wird, habe ich eben noch einen riesen Pott Chili aufgesetzt – und parallel dazu zusammen mit dem Ämmale Vanillekipferl im Akkord  gebacken.

Denn leider musste ich mit Entsetzen feststellen, dass sich unser enormer Plätzchenvorrat ominöserweise von geschätzten 500 Stück auf Null reduziert hat. Nur ein paar klägliche Zuckerperlen am Boden der Keksdose zeugen davon, dass ich einst tatsächlich gebacken und nicht nur davon geträumt habe. 

Also hab ich mein Gelübde gebrochen und mich doch nochmal ordentlich ins Zeug gelegt. 

Während das Ämmale gewissenhaft und liebevoll die Vanillekipferl mit Puderzucker betäubte, sauste haarscharf an ihrem Kopf ein gemeingefährliches Projektil vorbei. 

Und wer hat es abgefeuert?

Niemand Geringeres als die Frau Mama natürlich.

Es handelte sich hierbei um eine der Metallklammern, mit welchen meine hochexplosive Chiligewürzmischung im Zaum bzw. der Deckel auf dem Glas gehalten wird.

Das Ämmale nahm mir den unabsichtlichen Angriff auf ihr Leben zum Glück nicht übel und bestieg sogleich mit einer nahezu heroischen Geste den Küchenstuhl.

“Von hier habe ich eine gute Aussicht”, erklärte sie.

Die Klammer blieb leider trotzdem verschollen. Während ich auf dem Boden herumkroch, schmetterte das Ämmale:

“Kirche brennt.

Nikolaus rennt.

Ampel rot.

Nikolaus tot.”

Tja, was will man bei den Eltern anderes erwarten. Und dass ich lauthals lachen musste, stempelt mich wahrscheinlich erst recht als schlechteste Mutter aller Zeiten ab.

Doch wisst ihr was? Es geht noch besser!

Da folgende Anekdote jedoch nicht wirklich jugendfrei ist und außerdem schon fast zu viel Einblick in unser Intimleben gewährt, weiß ich nicht, wie lange ich sie online lassen kann:

Mein Mann und ich haben uns dieses Jahr einen Adventskalender für große Kinder und besinnliche, zweisame Stunden gegönnt.

Vor ein paar Tagen verbarg sich hinter dem Türchen ein Spielzeug, das für IHN bestimmt ist, welches sich aber auch wunderbar ins gemeinsame Liebesspiel mit einbauen lässt. Optisch erinnert es an einen weißen Silikonpilz, respektive an die Kappe eines Champignons. Mit Noppen statt Lamellen auf der Innenseite. Soweit so gut.

Wir deponierten das Teil, welches in einer Art Plastikei aufbewahrt wird, nach einem ersten Test ganz oben auf unserem Videoregal. Zum Glück hatten wir es zuvor einer gründlichen Reinigung unterzogen …

denn … 

als ich am nächsten Tag nichtsahnend ins Wohnzimmer kam, wurde ich vom Ämmale mit einer Handpuppe überrascht, die mir verdächtig bekannt vorkam. Meine Tochter öffnete und schloss ihre Finger, als wollte sie einen sprechenden Breitmaulfrosch imitieren:
“Hallo, Mama!”

Frohe Weihnachten!  ☆

Tagesnotizen #40: Abtauchen

Am Donnerstag und Freitag in der zweiten Osterferienwoche hat M. kurzfristig Urlaub genommen. Unser erster Impuls war es, die Kinder aus dem Kindergarten zu nehmen. Tja und nun haben wir Rabeneltern uns tatsächlich dazu entschlossen, das nicht zu tun und stattdessen diese paar kostbaren Vormittagsstunden nur für uns beide zu nutzen. In den fünf Jahren seit wir Eltern sind, hatten wir bisher nur zweimal die Möglichkeit, als Paar auszugehen. Das erste Mal war an meinem 40. Geburtstag, an dem ich ja wie von der Tarantel gestochen aus dem Lokal geflüchtet bin und das teure Essen direkt ins nächste Gebüsch gekotzt habe. In dem Fall nicht, weil ich so besoffen gewesen wäre, sondern weil ich mir eine Magen-Darm-Geschichte von den Kindern eingefangen, aber mir eingebildet habe, ich müsste das jetzt trotzdem durchziehen mit dem Essengehen. Wo wir nun endlich – nach Jahren! – die Gelegenheit dazu hatten.

Und was werden wir nun anfangen mit unserer Zweisamkeit?

Frühstücken gehen, uns durch`s Haus poppen …

Was man halt so macht als Paar, wenn man mal sturmfreie Bude hat. (Hoffe, dass es wirklich klappt und nicht wieder einer von uns krank wird.)

Da wir uns nun schon mal unter der Gürtellinie befinden, hier noch eine kleine Szene, die sich am gestrigen Sonntagnachmittag ereignet hat:

Die Kinder und ich sitzen auf der Terrasse und bemalen Ostereier.
Plötzlich springt das Ämmale (3) auf und ruft durch den Vorhang der geöffneten Terrassentür:
“Papa, warum malst du keine Eier an?”
“Weil meine Eier keinen Anstrich benötigen”, erwidert mein Mann laut und deutlich.
Ich gluckse und meine, auch aus den Nachbargärten gedämpftes Lachen zu vernehmen. Während meine Kinder mich verständnislos angucken und offensichtlich – und zum Glück – nicht verstehen, was daran so witzig sein soll.

Heute Nacht habe ich durchgemacht. Ist ja nix Neues. Nur waren leider auch schon die vorherigen Nächte grottig. Und die Kinder sind heute auch seit 05.30Uhr durchgehend um mich rum, weil sie ziemlich rumschnupfen und mein Eiliensche auch nicht gerade viel Schlaf abbekommen hat. So wollte ich sie nicht in den Kindergarten geben und außerdem war mir heute Morgen so überhaupt nicht nach sozialen Interaktionen mit anderen Leuten (exklusive meiner Familie) zumute. Dass mich Insomnia die letzten Nächte so massiv heimgesucht hat, liegt nämlich vornehmlich daran, dass mir die Menschen mal wieder zu viel geworden sind die letzten Tage. Und ich kann diese ganzen Mitteilungs- und andere Bedürfnisse, die da von diversen Seiten an mich herangetragen werden, einfach nicht filtern.

Das lerne ich in diesem Leben auch nicht mehr.

Mir hilft da nur spontanes Abtauchen. Einfach komplett ausklinken aus dem ganzen Wahnsinn. Für eine Weile. Auch wenn ich mit diesen Aktionen meinem Umfeld regelmäßig einen ganzen Bretterverschlag vor den Kopf knalle. Ich weiß, dass ich einen extrovertierten Eindruck mache und oft ein Lächeln auf dem Gesicht habe. Deshalb denken die Leute auch, dass ich gerne andere um mich rum habe. Ständig. Aber im Grunde meines Herzens bin ich nur ein miesepetriger Eigenbrödler. Und daraus mache ich auch keinen Hehl.

Ich habe ziemlich herumgeeiert, bevor ich diesen Eintrag verfasst habe. Gestern habe ich mal wieder mitbekommen, welche Tragödien sich in manchen Familien abspielen. Und dafür braucht man nicht erst tausende Kilometer weiter, sondern nur mal in die direkte Nachbarschaft schauen. Es ist echt unglaublich, was manche Menschen ertragen müssen. Dagegen sind meine Probleme nicht mal Hühnerkacke. M. und ich haben unsere Hilfe angeboten, aber den größten Wunsch dieser Leute, die zu den Guten (!) gehören, den können wir leider nicht erfüllen.

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