Eigentlich (EIGENTLICH ein furchtbares Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein), sind das jetzt die besten Jahre:
Nicht mehr so leicht zu verunsichern wie als junger Mensch.

Humorvoller (vor allem auch in Bezug auf sich selbst und die eigenen Schwächen) und dadurch souveräner als früher.

Ausreichend Mut und Lebenserfahrung gesammelt, um seine Leidenschaften auszuleben und darauf zu scheißen, was andere davon halten.

Noch nicht zu vertrocknet und gebrechlich, um nicht auch die sinnlichen Genüsse voll ausschöpfen und sich nach wie vor attraktiv fühlen zu können, dürfen, wollen.

Einen Partner an der Seite, der einen aus vollem Herzen liebt, obwohl er einen kennt.

Die Kinder.

Mehr Freiheiten, aber auch viel mehr Verantwortung.

Wären da nicht all die Schicksalsschläge, die wahrscheinlich jeden Menschen in dieser Lebensphase in irgendeiner Form ereilen.

Am schwersten hat es wohl mein Mann im Moment. Gleichzeitig sind ihm beide Elternteile weggebrochen. Der eine tot (bitte keine Beileidsbekundungen – die haben wir hinter uns), der andere (erneut) schwerst depressiv. Suizidal. Ich stehe M. zur Seite, so gut es mir möglich ist und bewundere ihn nicht zum ersten Mal für seine mentale Stärke.

Ständiger Spagat. Zwischen helfen und sich selbst und die Kinder schützen wollen. Gleich, wie positiv diese strahlenden, kleinen Wesen gerade auf psychisch kranke Menschen wirken mögen: Sie sind auch ungeheuer verletzlich und es ist nicht rechtens, ihre Energie anzuzapfen, um sich selbst zu stärken. Allein, wenn ich mir anschaue, wie sehr die Kleinen auf die Physiognomie ihres Gegenübers achten. Wie sollen sie sich fühlen, wenn da keinerlei emotionale Regung zu sehen ist?
Wenn ihr wacher, suchender, vertrauens- und liebevoller Blick nur auf stumpfe Leere trifft?
Wenn sie erkennen, dass der geliebte Mensch nicht mehr er selbst ist? Dass er sich an einen Ort zurückgezogen hat, an den ihm die Kinderseelen nicht folgen können und auch nicht sollen.

Mit Händen und Füßen darum kämpfen, nicht mit in den Abgrund hineinzustürzen.

Sehr viel mehr möchte ich dazu nicht schreiben. Aus Rücksichtnahme der betreffenden Person gegenüber. Hoffe, mit diesem Post habe ich seine Intimsphäre nicht schon zu sehr verletzt. Aber es ist kein Geheimnis, dass er krank ist.

Du bist so ein intelligenter, begabter und charismatischer Mann und wir wünschen dir von Herzen, dass du wieder aus diesem Loch herauskommst. Aber du musst die Hände, die sich dir entgegenstrecken, schon ergreifen. Sonst wird das nichts! Und es sind zahlreiche Hände! Nicht nur die von M., den Kindern und mir. Ich kenne kaum einen Menschen, der so viele gute und echte Freunde hat wie du!

Meine eigenen Freundschaften bin ich gerade wieder einmal am Überdenken. Es gibt nur sehr wenige Leute, denen ich blind vertraue. Und mindestens 80 Prozent davon sind Männer. Es ist wirklich erschreckend, wie talentiert Frauen darin sind, sich gegenseitig das Leben schwer zu machen.
Sicherlich schrieb ich es schon mal, dass ich in meinem Leben weitaus mehr Leid durch Frauen als durch Männer erfahren habe. Obwohl es sehr bedauerlich ist, dass ich damit meiner eigenen Spezies in den Rücken falle. Ich selbst bin bestimmt auch ein ziemliches Miststück. Das möchte ich gar nicht bestreiten. Jedenfalls ist es sehr interessant, dass ausgerechnet ich zwei Töchter habe. Das sehe ich als eine DER Aufgaben in meinem Leben.

Dieser Eintrag klingt hoffentlich nicht allzu trist. Denn das würde meiner aktuellen Lebenssituation nicht gerecht werden.

Tatsächlich bin ich gerade um einiges glücklicher als ich es etwa in meinen 20ern und 30ern war.

Und neben meiner Familie gibt es insbesondere noch drei weitere Säulen, die mich zugleich erden und beflügeln: Das Schreiben, das Tanzen und neuerdings auch wieder das Musizieren. Seit Jahrzehnten hatte ich kein Instrument mehr in der Hand. Und nun habe ich mir ein Herz gefasst und erlerne endlich das Gitarrespielen.
Schon als Kind war das mein Trauminstrument. Aber von meinen Eltern wurde ich dazu „verdonnert“, Sopran- und Altflöte zu spielen. Autodidaktisch habe ich mir das Klavierspielen beigebracht. Virtuos geht anders, aber für ein wenig Klimpern hat’s gereicht.

Nun habe ich das große Glück, von einem wirklich begnadeten Musiker in den Künsten des Gitarrespielens unterwiesen zu werden.

Und wenn ich meine „La Mancha“ auf dem Schoß habe, mich im Strumming übe und dem schönen Instrument hin und wieder einen sauberen Akkord entlocke, vergesse ich ganz schnell, dass sich mein Unterkiefernerv aufgrund der laufenden Implantationsgeschichte auf der linken Seite mal wieder verabschiedet hat. Zumindest ist meine Lippe diesmal nicht betroffen. Das war letztes Mal ganz furchtbar: Nicht richtig küssen zu können.

(Vor einigen Tagen habe ich mein Webspace-Abonnement doch um ein weiteres Jahr verlängert. Zwischenzeitlich tendierte ich zur Kündigung. Die Vorgaben des neuen Datenschutzgesetzes halte ich bei einen so kleinen, nicht kommerziellen Liebhaberblog für völlig übertrieben. Und die Tatsache, dass meine Posts mal im WP-Feed auftauchen und mal nicht, finde ich auch nicht eben motivierend. Zudem konzentriere ich mich derzeit vor allem auf die Fertigstellung meiner Liebesgeschichte. Falls ihr also wider Erwarten Sehnsucht nach mir haben solltet, empfehle ich euch, auf meinem Wattpadprofil vorbeizuschauen. ;))