Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

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Tagesnotizen #23: Warum ich an Silvester dafür dankbar war, dass meine Vierjährige auch kaum schläft

„Feiert schön!“
„Lasst es ordentlich krachen!“
„Was macht ihr denn Tolles?“

Tja, wir haben den 31. Dezember jedenfalls schon mal lautstark eingeläutet. Meine Mädels und ich husteten im Chor und übertönten mit unserem kollektiven Bellen mühelos all die Böller und Raketen, die Stunden vor ihrer Zeit gezündet wurden.

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Am Anfang war Lila: Kapitel 18

Dieses Kapitel fällt zwar etwas kürzer aus als gewohnt. Dafür hält es eine erste Auflösung bereit. 🙂

Fenster in die Vergangenheit

Gleißendes Sonnenlicht empfängt sie, als sie aus dem Schatten der Bäume auf die Lichtung tritt. Die bunte Blumenpracht ist üppiger denn je und nur ein paar Meter von ihr entfernt grasen zwei Bergziegen. Dieser Hang ist Priska wohlvertraut. Und auch wieder nicht. Noch vermag sie es nicht zu greifen, doch etwas ist verkehrt. Als befinde sich die gewohnte Welt nicht ganz an ihrem Platz. Der Schlüssel passt ins Schloss, aber die Tür lässt sich nicht öffnen. Ein merkwürdiges Gefühl beschleicht Priska. Hektisch lässt sie ihren Blick umherschweifen, auf der Suche nach dem alten Haus. Noch bevor es in ihr Sichtfeld rückt, beginnt ihr Puls zu rasen. Was, um alles in der Welt, hat sie hier verloren? An diesem gottverlassenen Ort, der sie vor gar nicht langer Zeit in Todesangst versetzt hat. Das von Hass verzerrte Gesicht, das über dem Kragen der hochgeschlossenen Bluse thronte, hat sich unauslöschlich in ihrer Seele eingebrannt. Es spielt keine Rolle, dass sie jenes Erlebnis nur geträumt hat.

Schläft sie etwa auch jetzt, in diesem Augenblick?

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Endjahresnotizen: Schreiben als Beruf(ung)?

Meine Große hat offenbar nicht nur den Hang zur Wallemähne von mir geerbt. Ebenso wie ich ist sie Geschichten und Bildern verfallen. Farben und Büchern. Sie inhaliert sie förmlich. Und ich werde sie nach Leibeskräften dabei unterstützen, diese Leidenschaften und ihre Kreativität ungehemmt ausleben zu dürfen. Schon jetzt bete ich insgeheim dafür, dass sie später nicht annähernd so zerrissen sein wird wie ich und dafür, dass ihr Weg geradliniger verläuft als der meine. Wobei es vielleicht auch des ein oder anderen Schlenkerers bedarf, um zu erkennen, was man wirklich will. Was mich persönlich angeht, fragte ich mich allerdings, ob ich nicht einfach auf der Hauptstrasse hätte bleiben sollen, statt mich über Jahrzehnte hinweg auf irgendwelchen Nebenpfaden herumzutreiben.

Es war gleichgültig, ob man mich mit acht oder mit achtzehn nach meinem Berufswunsch gefragt hat. Die Antwort war immer die gleiche: „Schriftstellerin“.

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Basteleien für die Feenparty

„Einmal und nie wieder.“ Das war ehrlicherweise mein Fazit nach diesem Bastelmarathon für die vom Eiliensche heiss ersehnte Feenparty anlässlich ihres vierten Geburtstages. Für sich genommen ist jede Bastelarbeit ein Klacks. Sehr einfach gehalten und schnell fertiggestellt. Das Ganze x 9 und mit meinem wuseligen Ämmale um mich herum, wurde dann schon zu einem immensen Kraftakt. Zumal der November ja auch noch vom NaNoWriMo dominiert wurde und zum Jahresende hin ohnehin alles stressiger ist als normal. Naiv, wie ich manchmal bin, dachte ich tatsächlich, dass die gemeinsamen Bastelstunden sich vielleicht doch recht gemütlich gestalten würden.  Und die ersten fünf Minuten war es das auch. Aber dann…

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Der Liebe zartherber Schmelz

So, liebe Leute, heute quäle ich euch mit Infos zu meiner NaNoWriMo-Geschichte. Mein Blog muss ja öfter mal einen Spagat zwischen Themen und Lesergruppen bewältigen, die von Haus aus nicht unbedingt kompatibel sind. 😉 Meine Befürchtung ist immer, dass aus dem Spagat irgendwann eine Grätsche wird, die ich hier hinlege, wenn ich den Bogen überspanne. Bisher bestand der Hauptkonflikt vor allem in der Mischung von kinderbezogenen Alltags- und Bastelposts auf der einen, und meinem Gruselroman auf der anderen Seite. Da ich offensichtlich ungewöhnlich tolerante Leser habe, wofür ich mich an dieser Stelle sehr herzlich bedanken möchte, sind etwaige Moralpredigten bisher zum Glück weitestgehend ausgeblieben.

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Tagesnotizen #22: Neue Kinderzeichnungen und Buchstabengemälde

„Mama, ich hab einen Geist gesehen!“ Das Eiliensche hetzt aufgeregt in den ersten Stock hinauf, wo ich gerade ebenso verzweifelt wie vergeblich versuche, das Ämmale zu einem Mittagsnickerchen zu überreden. Da meine Große ein wenig blass um die Nase ist, lege ich mein ohnehin aussichtsloses Vorhaben ad acta.

„Wie hat er denn ausgesehen?“, frage ich sie. Meinem Eiliensche ist in diesen Situationen am besten geholfen, wenn man sie ernst nimmt.

„Er war schwarz und hat die Arme nach mir ausgestreckt“, antwortet meine Tochter.  Mir stellen sich sofort die Nackenhaare auf. Im Gruselgeschichten erzählen ist meine fast Vierjährige versierter als ich.

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Am Anfang war Lila: Kapitel 17

Unter Geistern

Andreas nimmt sich Zeit, die vergilbte Fotografie und die Widmung auf der Rückseite eingehend zu studieren. Priska kann ihm förmlich ansehen, wie es in seinem Gehirn rattert. Schließlich hebt er seinen Blick und fragt sie:

»Woher hast du dieses Bild?«

»Es lag vor ein paar Tagen auf unserem Esstisch. Luis und Elena haben es gefunden.« Priska sieht zu ihrer Tochter hinüber. Diese nickt bestätigend. »Ich nehme an, dass Eleonore es dort platziert hat.« Priskas Augen wandern zu der kleinen, weißen Gestalt auf Ranieris Schoß. Doch das Gespensterkind schüttelt den Kopf. Es fühlt sich eigenartig an, dass sie Eleonore nun ohne Spiegel vor sich sehen und direkt mit ihr kommunizieren kann.

»Nein, ich war das nicht.« Eleonores Stimme ist klar. Abgesehen von dem echoartigen Nachhall, der noch einige Sekunden lang in der Luft hängt und von den nachfolgenden Worten überlagert wird. »Ich habe das Bild zum ersten Mal gesehen, als Elena es in der Hand hielt. Es macht mir Angst.« Die dunklen Augen in dem blassen Gesichtchen wirken noch größer als sonst. Priska versucht, sich in das Kind hineinzuversetzen. Es ist nur selbstverständlich, dass die Fotografie Eleonore verstört. Schließlich ist es ihr eigener, lebloser Körper, der dort im Sessel sitzt. Prompt überzieht Gänsehaut Priskas Gliedmaßen. Fröstelnd verschränkt sie die Arme. Gegen die vertraute Kälte, die sich in ihrem Inneren ausbreitet, können auch die warmen Sonnenstrahlen nichts ausrichten. Wer hatte das Foto dann in ihr Haus gebracht und so drapiert, dass sie es entdecken mussten? Nachdenklich blickt sie Ranieri an, doch der hebt abwehrend die Hände.

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NaNoWriMo 2016 – ein Erfahrungsbericht

Es ist tatsächlich das eingetreten, was ich selbst nicht für möglich gehalten hätte: Ich habe in einem Monat 50.000 Worte und damit das erste Drittel eines Romans geschrieben, der sich,  so hoffe ich, nicht verstecken muss. Zumindest nicht hinter meiner anderen Geschichte: „Am Anfang war Lila“. Ich muss aber zugeben, dass ich billigend in Kauf genommen habe, dass das Ämmale während des Schreibprozesses, dank meiner Bestechungsversuche, zu einem Vanillekipferl auf zwei Beinen mutiert ist und das Eiliensche mittlerweile die TOP 10 aller Disneystreifen im Schlaf herunterbeten kann.

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NaNoWriMo 2016

Die Teilnahme am diesjährigen NaNoWriMo (National Novel Writing Month) ist für mich ein Experiment in vielerlei Hinsicht:

Zum Einen bin ich natürlich gespannt, wieviel ich in einem Monat wirklich schreiben kann, wenn ich mich ausschließlich auf dieses eine Projekt konzentriere. Natürlich immer unter der Prämisse „Alles schläft, einsam wacht“. Der Tag gehört den Kindern und diversen Alltagsverpflichtungen. Und zumindest ein Fitzelchen vom Abend meinem Mann. Die Exklusivität bezieht sich eher auf das „was“. Im November wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Tagesnotizen, keine Wochenbilanzen und keine ausgedehnten Ausflüge in die sozialen Netzwerke geben. Ich werde nur an meiner NaNoWriMo-Geschichte arbeiten, von der bisher nicht mehr existiert als eine Idee und ein kitschiger Titel in einer ansonsten jungfräulichen Textdatei. Also bitte nicht wundern, wenn auf dem Blog in den nächsten vier Wochen gähnende Leere herrscht.

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Am Anfang war Lila: Kapitel 16

Wo die Zeiten sich kreuzen

»Nein, ich will nicht zurück ins Waisenhaus! Bitte, bitte nicht!«

Jeremias Flehen rührt Priska zutiefst. Sie wirft einen Blick in den Innenspiegel und ihr Herz macht erneut einen Satz. Noch immer hat sie sich nicht daran gewöhnt, dass der Junge Ranieri wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Es fühlt sich an, als befinde sich ein Teil von ihr in einer Art Zeitschleife. Immer, wenn sie in Jeremias  unverwechselbare Augen sieht, reißt ein Strom aus Erinnerungen sie aus dem Hier und Jetzt. Und sie werden von Mal zu Mal intensiver. Mit jeder weiteren Stunde, die sie zusammen sind und mit jedem zurückgelegten Kilometer, der sie näher an die alte Heimat bringt, überlappen sich Vergangenheit und Gegenwart ein Stück mehr. Hin und wieder zuckt das Bild, das Priskas Netzhäute an ihr Gehirn weitergeben. Für einen kurzen, aber gefährlichen Moment verschwimmt alles und sie sitzt, selbst wieder ein kleines Mädchen, mit Ranieri im Kastanienbaum. Gemeinsam blicken sie ins Tal hinunter. Damals waren ihr die drei Jahre Altersunterschied riesig erschienen. Geliebt hat sie ihn schon immer. Zunächst wie einen großen Bruder.

Krampfhaft versucht Priska, wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Es gebe keinen ungünstigeren Moment für Tagträume. Nie würde sie es sich verzeihen, wenn sie aufgrund ihrer Fahrlässigkeit mit einem entgegenkommenden Wagen kollidieren oder die Böschung hinunterrasen. Zum Glück fällt das Gelände neben ihnen nicht so steil ab. Priska konzentriert sich auf das Lenkrad in ihren Händen und das Gefühl, in einem fahrenden Auto zu sitzen. Allmählich wird der blaugrüne Eisack grau und schließlich wieder zu der Straße, auf der sie gleich die italienische Grenze passieren. Noch einmal darf ihre innere Kamera nicht in die Vergangenheit schwenken. Inzwischen herrscht viel Verkehr auf dem Zubringer zur Brennerautobahn. Und tatsächlich freut sich Priska über jedes Fahrzeug, das ihnen entgegenkommt. Ebenso wie über das satte Grün der Wiesen und die Bauern, die dort ihr Tagwerk verrichten. All diese Dinge zeigen ihr, dass sie der alptraumhaften Parallelwelt entkommen sind. Vorerst zumindest.

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