Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Category: Allgemein (page 1 of 4)

Tagesnotizen #45: En pointe

Neue Spitzenschuhe!! 👍😁 Meine alten hatten schon 25 Jahre auf dem Buckel. Davon wurden sie 20 Jahre nicht getragen, sind aber trotzdem völlig durch. Ich hing und hänge halt sehr an ihnen, da sie maßangefertigt waren und ich viele schöne Erinnerungen mit ihnen verbinde.

Der Kauf der neuen Schuhe gestaltete sich allerdings als Drama bzw. Tragikkomödie.

Am Samstag war ich im Ballettgeschäft und erstand nach einigem Hin und Her und ausgiebigen Anprobieren ein Paar, von dem ich und die Verkäuferin dachten, es würde perfekt passen. Zu Hause habe ich dann, übereifrig, wie ich nunmal bin (haha), gleich alle Bänder angenäht (Schweinearbeit!) und die Schuhe schon etwas präpariert. Aber als ich sie anschließend angezogen habe, waren die Dinger tatsächlich zu klein!! Ging gar nicht! Und umtauschen habe ich nicht einmal in Erwägung gezogen, da ich die Schuhe ja schon ziemlich bearbeitet hatte, ich Depp.

Habe dann das gleiche Modell online nochmal eine halbe Nummer größer bestellt und die Schuhe passen jetzt wie angegossen!

Hoffe, dass meine Ballettlehrerin das zu kleine Paar noch unters Volk bringen kann. Wäre sonst ein teures Vergnügen.

Bitte nicht auf meine Armhaltung achten. Die ist mies. Habe das Bild mit Selbstauslöser geschossen und musste mich binnen weniger Sekunden in Position zu bringen. 😉

(Um das Bild im Ganzen nebst Schuhen sehen zu können, mögen die WP-Reader-Nutzer bitte nochmal direkt auf das Foto clicken. Irgendwas ist halt immer. Danke WP, du Schnuckiputzi-App! 😚 Aber ich finde es schon mal gigantisch, dass meine Posts wieder im Reader erscheinen! 👍)

Tagesnotizen #37: Alterserscheinungen

Niemand führt dir deine nachlassende Hirnleistung so plakativ vor Augen wie deine Kinder:

Heute morgen um 05.45Uhr krabbelt ein bettwarmes Ämmale (3) mit zerknautschtem Babygesicht und zerzaustem Blondhaar – Unverständliches brabbelnd – zu mir in die Koje und kuschelt sich in Embryohaltung in meinen Arm. Auch wenn ich am liebsten allein schlafe, genieße ich diese innigen Momente.

Zehn Minuten später fegt das Eiliensche (5) ins Zimmer, schmeißt die Festbeleuchtung an und hält mir einen grünen Gummiring unter die Nase:
„Mama, wie sieht nochmal der Karton aus, in dem die anderen Loops drin sind? Ich möchte gern ein Armband machen. Jetzt!“

Ich versuche mich zu erinnern:
„Rosa mit Glitzer?“

Das Loop-Fieber hat die Kinder seit einem Jahr nicht mehr gepackt.

„Quatsch“, vernehme ich da plötzlich ein glasklares, helles Stimmchen neben mir. Keine Spur mehr von Babyslang.
„Der Karton ist orange. Mit Sternen drauf.“

Wir schlurfen zusammen ins Erdgeschoss und ziehen die Verpackung aus dem Regal:
Sie ist tatsächlich orange. Mit Sternen drauf …

Tagesnotizen #33: Kindermund und neue Maße

Das Eiliensche und das Ämmale machen sich neuerdings einen Spaß daraus, bei Filmen in Windeseile die Rollen neu zu verteilen und jeweils den Part eines Hauptdarstellers selbst zu übernehmen.

Heute schauen wir uns aus einer nostalgischen Anwandlung heraus das alte Smooth Criminal Musikvideo an:

Michael Jackson betritt im weißen Anzug die Location. Sein Gesicht die fleischgewordene Coolness.

Der Finger des Ämmale (- gestern 3 geworden -) schießt nach vorne und durchbohrt fast Michaels Hut:
„Ich bin die da!“, kräht sie begeistert.

(Wir sind übrigens große Verehrer von Michael Jacksons Kunst. Und „Smooth Criminal“ zählt noch immer zu unseren Favoriten, wobei mein liebstes Album „Dangerous“ ist und daraus speziell die Songs „Give in to me“ und „Who is it“. Auch wenn dies vielleicht nicht die populärsten und bekanntesten seiner Hits sind.)

Nachdem ich nun erfolgreich den Rest meiner Familie angesteckt habe, geht es mir etwas besser. 😉 Zumindest ist das Fieber schon mal weg.

Das Blutbild spiegelt meinen Kampf mit dem aktuellen Infekt wider, aber abgesehen von ein paar Werten mit unaussprechlichem Namen, aufgrund derer ich demnächst mal wieder beim Lungenfacharzt antanzen soll, ergaben sich zum Glück keine größeren Auffälligkeiten. Sobald ich wieder fit bin, wird mein Körper einem Komplett-Check unterzogen. Und um meinem Immunsystem ein wenig auf die Sprünge zu helfen, bekomme ich eine Aufbaukur per Infusion verpasst. Das obligatorische Antibiotikum habe ich natürlich auch erhalten, aber das brauche ich nicht. Und der Infekt ist wohl eh ein viraler. Meine Frage, warum ich allein im letzten Jahr 12mal krank war und mich quasi jeden Monat eine neue Erkältung ereilte, konnte ad dato nicht wirklich zufriedenstellend beantwortet werden.

Naja, immerhin ist einstweilen die Sonne in mein Gemüt zurückgekehrt. Bis zum nächsten Infekt. Haha.

Da derzeit allein schon der Gedanke an „Sport“ zu anstrengend ist und ich auch ärztlicherseits dazu genötigt wurde, ein Weilchen zu pausieren, passt mir die stark proteinlastige Ernährung aus dem Programm erst recht nicht mehr ins Konzept. Also mache ich diesbezüglich doch wieder meinen eigenen Stiefel, ziehe die Challenge aber dennoch weiter durch. Auf meine Weise.

Nun habe ich ja gut drei von zehn Wochen hinter mir und als ich mich heute vermessen habe, war ich positiv angetan. Es haben sich wieder einige Zentimeter verabschiedet.

102 – 79 – 109

(Zum Vergleich die Startwerte vom 02.01.: 103 – 83 – 114)

Das sind meine aktuellen Maße. Muss man von Taille und Hintern nur noch 19 Zentimeter abziehen, dann bin ich zumindest wieder 60 – 90. Höhö. An der Brust dürfte dann allerdings nicht ganz so viel schrumpfen. Wir werden sehen.

Tagesnotizen #31: Ich bin gerade glücklich …

… Daher schnell einen Blogpost absetzen, bevor sich dieses schöne Gefühl wieder verflüchtigt.

Nachdem ich es zwei Wochen lang aufgrund von Ferien und Terminstress nicht geschafft habe, ein neues „Schmelzkapitel“ auf Wattpad online zu stellen, konnte ich es am Samstag kaum erwarten, meine Leser mit einem Update zu versorgen. Leider aber machte mir Wattpad einen fetten Strich durch die Rechnung. Kurz war das Kapitel zu sehen und ein paar besonders fixe Leute haben es tatsächlich fertig gebracht,  es zu lesen und dafür zu voten. Doch schon nach wenigen Minuten hat sich „Kopflos“  ins Nirwana verabschiedet. Habe noch zwei weitere Versuche gestartet, aber jedes Mal das gleiche Spiel.

Gerade bei diesem Kapitel war das super ärgerlich, da die „Königin der bösen Cliffhanger“, wie eine Userin mich dort bezeichnete, einen eben solchen just im vorangegangenen Chapter eingebaut hat. Ich kann es selber überhaupt nicht leiden, verarscht zu werden und es hat mich schier wahnsinnig gemacht, dass ich einfach nix tun konnte außer blöd zu schauen und abwarten. Als mir dann ein anderer Autor per PN mitteilte, dass nicht nur das eine Kapitel, sondern inzwischen sogar meine ganze Geschichte verschwunden sei, bekam ich erst recht Muffensausen. Zwar habe ich die Texte auch auf der Festplatte und in der Cloud gespeichert, aber auf Wattpad macht mir gerade andere Userin kostenlos, quasi aus reiner Nächstenliebe, das Korrektorat und ich habe noch lange nicht alle Änderungen eingepflegt.

Kurz habe ich überlegt, ob Wattpad meine Geschichte vielleicht absichtlich abgeschossen hat. Aufgrund der sinnlicheren Szenen. Wegen sexueller Inhalte sind dort schon viele Stories eliminiert worden. Allerdings habe ich mich exakt an die Richtlinien von Wattpad gehalten und die Geschichte als Erwachseneninhalt deklariert. Und die entsprechende Episode ist zwar erotisch, aber keineswegs pornographisch. Gut, Ähnliches behaupte ich auch von Klassikern wie „Lady Chatterly“,  die ich übrigens das erste Mal mit ungefähr zehn Jahren in die Hände bekommen habe. Nichtsahnend, was sich da zwischen den zwei unscheinbaren Buchdeckeln verbarg.

Jedenfalls freute ich mich heute Morgen ein Loch in den Bauch (- vielleicht war das aufgrund akuter Hungergefühle aber auch schon vorher da -), als das Kapitel doch endlich wieder aufgetaucht ist. Und das gleich dreimal. Haha. Gott, das hat mich vielleicht Nerven gekostet. Obwohl ich von anderen Usern wusste, dass sie ähnliche Probleme hatten.

Trotz der ganzen Aufregung bin ich für meine Verhältnisse noch relativ „gelassen“ geblieben und nicht gleich alle Wände rauf- und runtergelaufen. Was ich u.a. darauf zurückführe, dass ich derzeit – trotz High Carb Ernährungsplänen – nicht auf „Sugar“ bin. Wie meine Stammleser wissen, bin ich ein extremer Zuckerjunkie und wenn ich eine Überdosis von dem süßen Gift intus habe,  mutiere ich zu einer aggressiven Mischung aus Duracell-Häschen und HB-Männchen. Gestern Abend habe ich es aber geschafft, mich mit meinem Mann auf`s Sofa zu fläzen und „Prison Break“ zu gucken, statt Handy und Laptop an die Wand zu schmeißen.

Auch ansonsten merke ich durchaus, dass ich mich die letzten beiden Wochen gut ernährt und mich endlich wieder ausreichend bewegt habe. Viermal die Woche Krafttraining und einmal Ballett machen den Rückenschmerzen dann doch den Garaus und sogar meine Bauchmuskeln sind dezent schon wieder zu erahnen. Mein Immunsystem arbeitet auch wieder besser und mein Allgemeinbefinden ist insgesamt besser. Da ich aber jemand bin, der sich derbe davon runterziehen lässt, wenn die Waage mal wieder rumspackt, habe ich mich dazu entschlossen, mich bis zum Ende der 10 Wochen nicht mehr zu wiegen. Nur noch einmal wöchentlich zu vermessen. Damit fahre ich besser.

Und was mein heißgeliebtes Ballett angeht, gibt es sogar noch einen Anlass zur Freude: Ab April darf ich tatsächlich wieder Spitzentanz machen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich meine 25 Jahre alten Spitzenschuhe nochmal von dem Haken an der Wand nehmen würde, um in ihnen zu tanzen! 

(PS: Kaum funktioniert bei Wattpad alles, lässt mich nun WordPress im Stich. Der Beitrag erscheint offensichtlich nicht im Reader. Naja, jetzt muss ich meine ältere Tochter erstmal als Squaw verkleiden und dann ab zur Kinderparty.)

Tagesnotizen #29: Die erste Woche des neuen Jahres war schon mal gar nicht so übel …

… um nicht zu sagen: Belebend.

Zunächst muss ich Folgendes los werden: Ich freue mich irre darüber, dass sich – für mich ziemlich überraschend, ein Großteil der Tagebuchgemeinschaft, in der ich seit dem Jahr 2002 (allerdings mit einer ewig langen Pause dazwischen) geschrieben habe, bei WordPress eingefunden hat. Auch wenn der Anlass ein trauriger ist. Denn besagte Tagebuchseite wird nicht mehr fortgeführt.

Falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Ich habe euch echt schmerzlich vermisst und bin überaus froh, euch wiederzuhaben!

Sagt die Abtrünnige, die ihr Tagebuch dort schon vor zwei Jahren gelöscht hat.

Ja, ja, ich weiß. Trotzdem ist es wahr. Wegen meines Buchprojektes wollte ich (auch) eine eigene Webseite, da mir diese mehr Freiheiten und Möglichkeiten eröffnet. Doch leider ist mit der eigenen Homepage auch eine teilweise Aufgabe der Anonymität verbunden. Zumindest bei einer .de-Adresse. Trotz Autorenclub und Pseudonym, welches in meinem Fall ein ziemlich weiches ist.

Hätte ich auf myTagebuch nur übers Blümchenpflanzen, Windelnwechseln und Plätzchenbacken geschrieben, wäre das Anonymitätsproblem wohl keines gewesen. Hab ich aber nicht. Nur M. und meine beste Freundin kennen (fast) so viele intime bis pikante Details aus meinem Privatleben wie die ehemaligen myTagebuch-Autoren und Leser. 😉

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„Der Liebe zartherber Schmelz“ feiert Geburtstag ;-)

Für „der Liebe zartherber Schmelz“ ist heute ein ganz besonderer Tag. Exakt vor einem Jahr habe ich die ersten Zeilen dieser Geschichte verfasst und Ava und Jon zum Leben erweckt. Wie einige von euch wissen, ist die Story im Laufe des NaNoWriMos entstanden, an dem ich 2016 zum ersten Mal teilgenommen habe.

Und es ist ebenso erstaunlich wie erschreckend, dass ich in diesem einen Monat mehr geschrieben habe, als in den 11 Monaten danach. Allerdings war der NaNoWriMo damals ein absoluter Drahtseilakt und wenn ich dieses Pensum längerfristig so durchziehen hätte wollen, wäre das für meine Familie schon eine arge Zumutung gewesen.

Inzwischen umfasst die Geschichte über 80.000 Worte und ich schätze, es werden auf jeden Fall nochmal so viele.  Und ich merke deutlich, dass ich nun, da ich zwei bis drei Vormittage pro Woche zur Verfügung habe, um an der Story weiterzuarbeiten, auch tatsächlich wieder wesentlich schneller vorankomme. Mein Ziel ist es, innerhalb der kommenden drei Monate das Rohmanuskript fertig zu stellen.

Auch dieses Jahr habe ich mich übrigens wieder für den NaNoWriMo angemeldet. Erneut mit dieser Geschichte, was natürlich nicht ganz regelkonform ist, da es bei diesem Projekt ja eigentlich darum geht, innerhalb eines Monats eine komplette Novelle (ein Roman hat für mich mehr als 50K Wörter) zu erschaffen.

Diesmal lege ich es auch gar nicht darauf an, die 50K zu knacken. Aber der Spirit, der diesem gemeinsamen Schreibmonat innewohnt, hat für mich einfach eine Motivationskraft, die ich gerne nutzen möchte.

Auf Wattpad ist heute morgen übrigens Kapitel 38 online gegangen.  Das mit dem regelmäßigen Mittwochsupdate scheint bis jetzt hinzuhauen. Toi, toi, toi!

Tagesnotizen #26: Warum ich auch krank laufen muss und apropos: Wie läuft`s mit meinen Romanen?

Eigentlich doch ganz schick, so ein Kompressionsstrumpf, oder? 😉 Erinnert mich entfernt an meine Ballettstrumpfhosen früher.

Wie war das noch? Bei einer Erkältung soll man sich schonen. Ein Freibrief für ausgiebiges Couchen also. Es sei denn, man hat (kleine) Kinder. Dass aber nicht nur die Kiddies, sondern auch meine Gesundheit mit Schonung nur bedingt kompatibel sind, habe ich nun schmerzhaft am eigenen Leib erfahren dürfen.

Seit einer Woche weigert sich mein aktueller Virenbesuch hartnäckig, seine Sachen und den befreundeten Bazillus zu packen und sich endlich zu verpissen.  Stattdessen haben er und sein Kumpel sich häuslich bei mir eingerichtet.  Um mir Gelegenheit zu geben, mich in Ruhe auszukurieren und den ungebetenen Gästen endlich den Garaus zu machen, ist mein Mann am Wochenende für knapp zwei Tage mit beiden Kindern zu den Schwiegereltern gefahren. Das letzte Mal hatte ich im Februar für einen Tag sturmfrei. Da war ich aber gesund und in Bewegung. Warum das eine Rolle spielt? Dazu komme ich gleich.

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Tagesnotizen #25: „Das Loch“ / Schreib- und Abnehmupdate

In unserem Garten gibt es ein Loch.  Ein Schacht neben den Kellerfenstern.  Eine Reihe von Holzpfeilern grenzt diesen Graben vom restlichen Garten ab. Schon als meine Schwester und ich selbst noch Kinder waren, hatte „das Loch“ eine magische Anziehungskraft. Ein Hauch von Gefahr umweht diese Stelle, die mir heute, da ich selbst Mutter bin, ein Dorn im Auge ist.

Seit Jahren überlegen wir, wie wir den Schacht kindersicher machen können, indem wir ihn zuschütten oder abdecken.  „Das Loch“ einfach mit Erdreich aufzufüllen, ist jedoch keine prickelnde Option.  Schließlich wäre es dann stockdunkel im Keller und Lüften nicht mehr möglich. Ein Netz wollen wir auch nicht über den Mini-Abgrund spannen und Holzplatten halten wir ebenfalls für riskant. Das verleitet die Kiddies erst recht dazu, auf dem Schacht herumzutanzen.  Einstweilen passen wir einfach auf wie die Schießhunde und versuchen, den Kindern ein Gefühl für die Gefahr zu vermitteln. Steinigt mich: Aber wir können die Kleinen sowieso nicht in Watte oder eine mobile Gummizelle packen. Sie müssen lernen, eventuelle Bedrohungen wahrzunehmen.

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Tagesnotizen #23: Warum ich an Silvester dafür dankbar war, dass meine Vierjährige auch kaum schläft

„Feiert schön!“
„Lasst es ordentlich krachen!“
„Was macht ihr denn Tolles?“

Tja, wir haben den 31. Dezember jedenfalls schon mal lautstark eingeläutet. Meine Mädels und ich husteten im Chor und übertönten mit unserem kollektiven Bellen mühelos all die Böller und Raketen, die Stunden vor ihrer Zeit gezündet wurden.

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Am Anfang war Lila: Kapitel 16

Wo die Zeiten sich kreuzen

»Nein, ich will nicht zurück ins Waisenhaus! Bitte, bitte nicht!«

Jeremias Flehen rührt Priska zutiefst. Sie wirft einen Blick in den Innenspiegel und ihr Herz macht erneut einen Satz. Noch immer hat sie sich nicht daran gewöhnt, dass der Junge Ranieri wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Es fühlt sich an, als befinde sich ein Teil von ihr in einer Art Zeitschleife. Immer, wenn sie in Jeremias  unverwechselbare Augen sieht, reißt ein Strom aus Erinnerungen sie aus dem Hier und Jetzt. Und sie werden von Mal zu Mal intensiver. Mit jeder weiteren Stunde, die sie zusammen sind und mit jedem zurückgelegten Kilometer, der sie näher an die alte Heimat bringt, überlappen sich Vergangenheit und Gegenwart ein Stück mehr. Hin und wieder zuckt das Bild, das Priskas Netzhäute an ihr Gehirn weitergeben. Für einen kurzen, aber gefährlichen Moment verschwimmt alles und sie sitzt, selbst wieder ein kleines Mädchen, mit Ranieri im Kastanienbaum. Gemeinsam blicken sie ins Tal hinunter. Damals waren ihr die drei Jahre Altersunterschied riesig erschienen. Geliebt hat sie ihn schon immer. Zunächst wie einen großen Bruder.

Krampfhaft versucht Priska, wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Es gebe keinen ungünstigeren Moment für Tagträume. Nie würde sie es sich verzeihen, wenn sie aufgrund ihrer Fahrlässigkeit mit einem entgegenkommenden Wagen kollidieren oder die Böschung hinunterrasen. Zum Glück fällt das Gelände neben ihnen nicht so steil ab. Priska konzentriert sich auf das Lenkrad in ihren Händen und das Gefühl, in einem fahrenden Auto zu sitzen. Allmählich wird der blaugrüne Eisack grau und schließlich wieder zu der Straße, auf der sie gleich die italienische Grenze passieren. Noch einmal darf ihre innere Kamera nicht in die Vergangenheit schwenken. Inzwischen herrscht viel Verkehr auf dem Zubringer zur Brennerautobahn. Und tatsächlich freut sich Priska über jedes Fahrzeug, das ihnen entgegenkommt. Ebenso wie über das satte Grün der Wiesen und die Bauern, die dort ihr Tagwerk verrichten. All diese Dinge zeigen ihr, dass sie der alptraumhaften Parallelwelt entkommen sind. Vorerst zumindest.

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