Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tagesnotizen #40: Abtauchen

Am Donnerstag und Freitag in der zweiten Osterferienwoche hat M. kurzfristig Urlaub genommen. Unser erster Impuls war es, die Kinder aus dem Kindergarten zu nehmen. Tja und nun haben wir Rabeneltern uns tatsächlich dazu entschlossen, das nicht zu tun und stattdessen diese paar kostbaren Vormittagsstunden nur für uns beide zu nutzen. In den fünf Jahren seit wir Eltern sind, hatten wir bisher nur zweimal die Möglichkeit, als Paar auszugehen. Das erste Mal war an meinem 40. Geburtstag, an dem ich ja wie von der Tarantel gestochen aus dem Lokal geflüchtet bin und das teure Essen direkt ins nächste Gebüsch gekotzt habe. In dem Fall nicht, weil ich so besoffen gewesen wäre, sondern weil ich mir eine Magen-Darm-Geschichte von den Kindern eingefangen, aber mir eingebildet habe, ich müsste das jetzt trotzdem durchziehen mit dem Essengehen. Wo wir nun endlich – nach Jahren! – die Gelegenheit dazu hatten.

Und was werden wir nun anfangen mit unserer Zweisamkeit?

Frühstücken gehen, uns durch`s Haus poppen …

Was man halt so macht als Paar, wenn man mal sturmfreie Bude hat. (Hoffe, dass es wirklich klappt und nicht wieder einer von uns krank wird.)

Da wir uns nun schon mal unter der Gürtellinie befinden, hier noch eine kleine Szene, die sich am gestrigen Sonntagnachmittag ereignet hat:

Die Kinder und ich sitzen auf der Terrasse und bemalen Ostereier.
Plötzlich springt das Ämmale (3) auf und ruft durch den Vorhang der geöffneten Terrassentür:
„Papa, warum malst du keine Eier an?“
„Weil meine Eier keinen Anstrich benötigen“, erwidert mein Mann laut und deutlich.
Ich gluckse und meine, auch aus den Nachbargärten gedämpftes Lachen zu vernehmen. Während meine Kinder mich verständnislos angucken und offensichtlich – und zum Glück – nicht verstehen, was daran so witzig sein soll.

Heute Nacht habe ich durchgemacht. Ist ja nix Neues. Nur waren leider auch schon die vorherigen Nächte grottig. Und die Kinder sind heute auch seit 05.30Uhr durchgehend um mich rum, weil sie ziemlich rumschnupfen und mein Eiliensche auch nicht gerade viel Schlaf abbekommen hat. So wollte ich sie nicht in den Kindergarten geben und außerdem war mir heute Morgen so überhaupt nicht nach sozialen Interaktionen mit anderen Leuten (exklusive meiner Familie) zumute. Dass mich Insomnia die letzten Nächte so massiv heimgesucht hat, liegt nämlich vornehmlich daran, dass mir die Menschen mal wieder zu viel geworden sind die letzten Tage. Und ich kann diese ganzen Mitteilungs- und andere Bedürfnisse, die da von diversen Seiten an mich herangetragen werden, einfach nicht filtern.

Das lerne ich in diesem Leben auch nicht mehr.

Mir hilft da nur spontanes Abtauchen. Einfach komplett ausklinken aus dem ganzen Wahnsinn. Für eine Weile. Auch wenn ich mit diesen Aktionen meinem Umfeld regelmäßig einen ganzen Bretterverschlag vor den Kopf knalle. Ich weiß, dass ich einen extrovertierten Eindruck mache und oft ein Lächeln auf dem Gesicht habe. Deshalb denken die Leute auch, dass ich gerne andere um mich rum habe. Ständig. Aber im Grunde meines Herzens bin ich nur ein miesepetriger Eigenbrödler. Und daraus mache ich auch keinen Hehl.

Ich habe ziemlich herumgeeiert, bevor ich diesen Eintrag verfasst habe. Gestern habe ich mal wieder mitbekommen, welche Tragödien sich in manchen Familien abspielen. Und dafür braucht man nicht erst tausende Kilometer weiter, sondern nur mal in die direkte Nachbarschaft schauen. Es ist echt unglaublich, was manche Menschen ertragen müssen. Dagegen sind meine Probleme nicht mal Hühnerkacke. M. und ich haben unsere Hilfe angeboten, aber den größten Wunsch dieser Leute, die zu den Guten (!) gehören, den können wir leider nicht erfüllen.

36 Kommentare

  1. „Miesepetriger Eigenbrödler“ – als solcher fühle ich mich auch des öfteren. Ohne Hehl. Liebe Grüsse!

  2. Mir ist auch immer mehr nach Abtauchen, obwohl ich mich eigentlich inzwischen nicht mehr so stark belastet fühle. Keine Ahnung, was da los ist 🙄. Ich mag M.s Humor 😁😜

  3. Ich verstehe dich sooooo gut….Türen zu, Musik an und Fenster auf…..das Beste, was wir uns beizeiten gönnen können.

  4. ich glaube, du bist ganz gut zu poppen.

  5. Wenn man so selten frei hat, versucht man meist viel zuviel der Dinge, die man so sehr möchte, in diese kostbare kurze geschenkte Zeit hinein zu zwängen.
    Locker bleiben und ausschlafen
    😉

  6. Das mit dem Ausschlafen ist im übertragendem Sinne gemeint. Weiss ja, dass Du da deine Probleme hast.

  7. Gute Nacht! 😎

    • Danke – die wünsche ich dir auch! Und jetzt gehe ich tatsächlich schlafen, denn um 05.30Uhr stehen die Kiddies wieder auf der Matte. 🌟

      • Oh Gott – um 5:30 Uhr. 😯 Ich sag nix mehr, stell keine Zukunftsprognosen mehr. Dabei heißt es doch, sobald die Kinder im Kindergarten sind, wollen sie nimmer raus aus den Federn. Meine waren erst vier, ob es daran lag? Ò_ó

        • Wie meinst du das, liebe Edith – mit erst vier? Meine sind 3 und 5 Jahre alt und sie sind schon immer so. Das Frühaufstehergen haben sie von M. geerbt. Aber heute Nacht war’s eh wurscht. Denn die habe ich komplett durchgemacht. Dementsprechend bin ich auch gelaunt. Hab gerade schon eine Telefonmarketingdame total zusammengefaltet und meine Töchter sind auch froh, dass sie jetzt bis Mittags im Kiga sind.

          • Hoffe, Dein Tag ist trotzdem noch irgendwie manierlich verlaufen, aber glauben kann ich es nicht. Du klingst allerdings freundlich, durchaus erträglich. Während ich mich schon lange bei Dir entschuldigen wollte für meine negative Einstellung, die ich oft gefühlt rüber bringe.
            Also, die Beiden sind erst mit vier in den KiGa gekommen, Aufnahmesperre wg Überfüllung. Aber überall hieß es, nicht unter drei und nicht mit Windeln. Jedenfalls hatten sie ich in dem Alter längst an den Schlendrian gewöhnt, schön bis in die Puppen schlafen zu können. Fatal, aber gibt Schlimmeres. 😉 Herzliche Grüße dafür aber jetzt mal, und wie immer allerbeste Wünsche für Dich. 😺 Und Mensch, Du, ich bin blind, ich hab das Deuferl hier immer für die freundliche Katze gehalten 😈 aber jetzt wo Du es sagst. 😳

            • Doch, doch, der gestrige Tag war wider Erwarten voll ok. Dafür hänge ich heute komplett durch. Obwohl da am Abend auch noch eine Verabredung ansteht. Du musst dich nicht entschuldigen. Ist mir nicht aufgefallen, deine negative Einstellung. Und selbst wenn, hast du da auch ein Recht drauf. Sei du auch herzlich gegrüßt!

  8. Gruß :), muß zur Bank, dann einkaufen. Den Humor deines Mannes, diesen, hasse ich geradezu, wird dich vielleicht überraschen, mir hat es aber sehr gefallen wie er dich damals in Schutz genommen hat mit der Bemerkung, ich sei ein Hobby-Psychologe 🙂 Es ist ein Irrtum, den ich wohl bis zu meinem Lebensende immer wieder mitbekomme, wenn Leute ihre eigenen Probleme (zu sehr) relativieren, weil es andere gibt, die weitaus größere aushalten müssen. „Größeres Thema“. Oder wenn, eine der größten Schweinereien, wenn diesen Leuten ihre Probleme gar noch abgesprochen werden, obwohl das keineswegs irgendwelche belanglosen Petitessen sein müssen, insbesondere, in einer hierarchisch strukturierten Gesellschaft – von oben, das Pack, der Dreck. Bin total müde, muß mich bewegen…, tschüß :), Wolfgang

    • Diesen Kommentar hab ich gerade erst gesehen. Warum auch immer. Lass ich mal so stehen. Müde bin ich auch … Gruß 😊

    • Bei dem „tschüß“ oben musste ich übrigens automatisch an unsere damaligen Telefonate denken.(Hab jetzt ca. 2l Kaffee intus und denke gerade etwas klarer.) Kannst du dich noch daran erinnern, wie du mich aufgezogen hast, weil ich das „tschüß“ so gedehnt ausgesprochen hab und mit der Stimme irgendwie einen Schlenkerer in eine andere, höhere Tonlage gemacht habe? Man(n), das waren noch Zeiten. Das würden meine Nerven inzwischen nicht mehr packen. 😈 (< - dieser Smiley ist ein Teufel. Nur, falls du wieder Probleme mit der Identifizierung hast.) Tschhhhüüüüüüßßß! 😁

      • Nur: gelesen gerade. Muß jetzt irgendwie erst in den Tag kommen, was essen unbedingt, was da? und ob das? Augen verklebt, rasieren, etwas fernsehen vielleicht. Seltsame Zeit für mich, bin viel weniger heimisch als sonst, länger schon. Vorhin: Koblenz, ein Friedhof dort, Stadtstreicher schläft dort immer, wird gefunden – geköpft… Paris, gestern, vorgestern, die Jüdin, die fliehen konnte als Mädchen damals…, 85 Jahre alt, wird tot in ihrer Wohnung gefunden, viele Messerstiche, antisemitische Tat offenbar. Was ist nur los, das hört und hört nicht auf. Wieder-was-wieder-was, dauernd. Während ich das geschrieben hab, sind mir Tränen in die Augen rein, ohne Absicht, jetzt sind sie aber fast wieder weg wenigstens, Kaffee und so, Gruß,W.

  9. Das Bild oben, rechts, du – hab‘ irgendwie an Janis Joplin gedacht…, schöne Tage 🙂

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