Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tagesnotizen #38: Blaue Stunde

Ja, meine Tochter darf mir an die Brust fassen. Mein Mann auch. Ab und zu. Seit wir Eltern sind, läuft da nicht mehr viel. 😉 (!) So abgöttisch ich meine Kinder auch liebe: Zwei sind genug. 🙂 Dafür fläzen wir Abends Arm in Arm – oder auch nicht (O-Ton M.: „Du bist mir zu heiß) – auf die Couch und gucken Serien und Filme.

Und morgens Früh um Sechs kommt die kleine Hex*:

„Was ist das für ein Film?“ Das Eiliensche hält mit spitzen Fingern und der gestrengen Miene eines Inquisitors eine DVD in die Höhe. „Habt ihr den gestern Abend angeschaut? Du und Papa?“ Und mir wird siedend heiß, als ich sehe, um welchen Film es sich handelt. Zum Glück ist das Cover von „ES“ relativ unauffällig und wenigstens die Hülle, auf der doch Beängstigendes zu erahnen ist, hat M. gestern noch in Sicherheit gebracht.

„Ja“, antworte ich knapp und nehme ihr die Scheibe ab.

„Um was geht es da?“, bohrt sie weiter nach und trabt mir hinterher.

„Das ist ein böser Gruselfilm. Nix für euch.“

„Ui, und warum nicht?“ Die leuchtenden Augen meiner Erstgeborenen signalisieren mir, dass der Schuss nach hinten losgegangen ist und ich ihr den Film nicht madig, sondern erst recht schmackhaft gemacht habe.

Sie hat es von uns beiden. Das Gruselgen. Wobei ich da, seit ich Kinder habe, inzwischen zarter besaitet bin.

Zum Glück hat es bisher nur ein Horrorfilm geschafft, mich nachhaltig zu verstören. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich den damals im Kino gesehen habe und ich direkt im Anschluss, auf dem Weg zum Auto, einen anonymen Anruf bekommen habe. Im Film bedeutete das:
„In sieben Tagen segnest du das Zeitliche.“
Das war eine der schlimmsten Wochen meines Lebens. Aber ich habe dadurch selbiges noch mehr schätzen gelernt. Es ist erstaunlich, wie sehr ich mich an jedes noch so kleine Detail dieses Films erinnern kann, obwohl ich normalerweise ein furchtbar schlechtes Gedächtnis habe und man mir getrost einen Streifen auch fünfmal hintereinander als neu verkaufen kann.

Seitdem habe ich außerdem eine Phobie gegen blasse Mädchen in nachthemdartigen Gewändern, die sich nur ruckartig vorwärts bewegen und ihre schwarzen Haare grundsätzlich als Vorhang vor dem Gesicht tragen. Ihr glaubt nicht, wie oft ich morgens schon vor mir selbst erschrocken bin, als ich schlaftrunken in den Spiegel geschaut und erstmal nur Haare gesehen habe.

Zurück zu „ES“. Ich mag Stephen King. Er hat einen guten Humor und kann fesselnd schreiben. Manchmal ist er jedoch auch etwas langatmig. Mit ein Grund, warum ich „ES“ nie vollständig gelesen habe. Aber die Verfilmung aus den Neunzigern kannte ich natürlich und ich war gespannt auf das Remake. Ist echt gut geworden. Halt etwas vorhersehbar, aber das ist irgendwie auch logisch, wenn man die Story schon kennt. Und mich schocken Clowns eben nicht so wie die oben beschriebenen Mädchen. Dachte ich zumindest:

„Schau mal, was ich hier für dich habe“, raunt mir M. nach dem Film von hinten ins Ohr und kurz denke ich tatsächlich, er will mir ein Geschenk machen. Stattdessen schwebt ein roter Luftballon in mein Gesichtsfeld. Nur ein Überbleibsel von Ämmales Geburtstagsparty, aber ich zucke dennoch zusammen. Ich beschimpfe M. mit nicht gerade „ladyliken“ Kraftausdrücken – aber er ist nun mal kein Gentleman und ich bin keine Lady – und zwinge ihn dazu, den Luftballon umgehend zu zerstören. Die zusammengeschrumpelten Reste entsorge ich mit einer gewissen Genugtuung.

(PS: Wer den Zusammenhang zwischen „ES“ und roten Luftballons nicht kennt, dem kann ich jetzt leider auch nicht weiterhelfen.)

M. hat allerdings durchaus ein paar Filme in seiner Sammlung, die meine Kinder nicht einmal mit 18 sehen sollten. Ganz im Ernst. Ich habe ihm schon nahegelegt, sich in Bälde einen unknackbaren Tresor für diese fragwürdigen Streifen zu besorgen, die aus gutem Grund schon seit gefühlten 100 Jahren auf dem Index stehen.

Dagegen ist „ES“ Kindergarten, wenn nicht sogar Krabbelgruppe.

Apropos Kindergarten und Präsente: M. hat mir vor einigen Tagen mein Lieblingsparfum von früher aus der Stadt mitgebracht und das mit der Dosierung hab ich noch nicht wirklich wieder raus. Die Duftwolke, in die ich mich gestern Früh versehentlich hüllte, hat wahrscheinlich nicht nur die Kindergärtnerinnen, sondern auch einige Eltern an den Rande einer spontanen Ohnmacht katapultiert. Und das lag mit Sicherheit nicht an meiner umwerfenden Ausstrahlung. Heute war es hoffentlich schon etwas dezenter.

Der Titel dieses Eintrags ist eigentlich der meines neues Schmelzkapitels und hat mit diesem Eintrag nicht wirklich viel zu tun. Aber er gefällt mir einfach zu gut. 🙂

*Zitat aus dem entsprechenden Kinderreim

31 Kommentare

  1. Meiner ist auch so neugierig, erwischt aber morgens eher süsse Essensreste und fragt, wo der Rest sei…

    • Das ist ja dann vergleichsweise harmlos. 😄 Aber mein Pfund Schokolade verspeise ich auch vorzugsweise, wenn die Kinder im Bett sind. Man möchte ja nicht mit schlechtem Beispiel vorangehen. Da sind dann aber Morgens höchstens Verpackungen übrig. 😁

  2. „Seitdem habe ich außerdem eine Phobie gegen blasse Mädchen in nachthemdartigen Gewändern, die sich nur ruckartig vorwärts bewegen und ihre schwarzen Haare grundsätzlich als Vorhang vor dem Gesicht tragen. “ — The Ring?

  3. „Es“ hab ich sogar 2 mal gelesen. Den Film fand ich doof.

  4. „Es“ als Buch hab ich damals verschlungen. 25 Jahre mag das schon her sein. Weiss gar nicht mal, ob es mir heute noch gefallen würde. Kann mich noch gut erinnern, dass man als King-Leser eher belächelt wurde, weil Mainstream und so, was mich wenig gejuckt hat. Habe auch beide Filme gesehen, und der alte gefiel mir persönlich besser. Den neuen habe ich ebenfalls vor ein paar Wochen im Kino gesehen, und kann mich schon kaum noch daran erinnern.
    Bei der Verschlagwortung musste ich lachen: Alltag mit Kind, Horrorfilme 😂
    Liebe Grüße 🎈 😜😉

    • Ja, ich weiß auch noch, dass damals ein Mitschüler über „Friedhof der Kuscheltiere“ ein Referat gemacht hat und der Lehrer sich dermaßen darüber echauffiert hat, wie trivial das sei, dass er damit erst recht mein Interesse geweckt hat.

      Ja, die Verschlagwortung war volle Absicht 😁 und eine kleine Anspielung auf den Spagat bzw. oft eher die Grätsche, die dieser Blog von Anfang an hingelegt hat. 😉

      • Ich hatte in der Mittelstufe für ein paar Jahre einen saucoolen Deutschlehrer, dem ich sogar immer Stephen King-Bücher ausgeliehen habe… Vielleicht, weil er sie sich nicht selbst kaufen und ins Regal stellen wollte. Das war unser Lieblingspauker damals – ist leider schon etliche Jahre vor Erreichen des Pensionsalters an einem furchtbaren Knochenkrebs verreckt…

      • Kurze Frage. Ein Mitschüler macht ein Referat über die „Kuscheltiere“, ich vermute, das war an einem Gymnasium. Im Rahmen eines Themenblocks, etwa zur „Trivialliteratur“ ? Wann war das ?

        • Ja, war am Gymnasium. 8. Klasse. Damals war ich 14. Also 1990 rum. Der Themenblock ist mir nicht mehr in Erinnerung. Um Trivialliteratur ging es dabei aber wohl eher nicht. Sonst hätte sich der Lehrer kaum so aufgeregt. 😉

          • Vielleicht fällt dir ja noch was ein, irgendwann. Möglicherweise konnte der Mitschüler ja selbst das Thema bestimmen. Bei mir war es so, daß alle Schüler ein Referat halten mußten, in dem Alter oder mit 15 ? Jedenfalls vorne, vor der ganzen Klasse, von einem Stehpult aus… Einer hat über „Jethro Tull“ referiert, ich über „Mao-Tse-Tung“, die „Mao-Bibel“ (= Worte des Vorsitzenden Mao-Tse-Tung ). Was gepaßt hat, fast niemand hat ja meinen Namen gekannt, ich war „der KPD“. Alle hatten Spitznamen da, Internat. / Dein Lehrer scheint zumindest kein Vollidiot gewesen zu sein und hat bestimmt auch aus hündchen-dekor-freien Tassen seinen Kaffee getrunken.

            • „Hündchen-Dekor“: Ich fühle mich nicht angesprochen. Hier gibt’s nur Katzen-Dekor. 😉 Ich werfe jetzt eine Halstablette ein und gehe meiner jüngeren Tochter den Hintern abwischen. Die versucht sich seit ein paar Tagen in windelfrei. Niveauvoll genug? 😁

  5. Ich habe lange Zeit jeden neuen „King“ aufgesaugt wie nix. Aber dann fand ich, dass er seinen Schreibstil immer weiter änderte und das gefiel mir dann nicht mehr so gut. „ES“ habe ich sowohl gelesen, als auch den alten und neuen Film gesehen. Der neue ist natürlich aufgrund des Fortschrittes in der Technik schöner anzusehen, aber die Story ist ja ziemlich identisch geblieben. Mir hat er gefallen. Erschreckt habe ich mich aber kein Mal. Frau Kreutzer neben mir im Kino hat sich aber diverse Male hinter ihrem Schal versteckt 😉
    Darf ich fragen, welches Lieblingsparfum es ist? Bin doch so ein Parfum-Junkie 😁

    • Ja, in der Phase seiner Drogeneskapaden hat er (leider) am besten geschrieben. Der Blogpost hier ist sowieso schon so jenseits von Gut und Böse, dass es jetzt auf diese politisch inkorrekte Äußerung meinerseits auch nicht mehr ankommt.

      Ja, ich hab mich auch erst nach dem Film erschreckt. 😁 Als M. mit dem Luftballon ankam.

      Klar, darfst du fragen: Ist „Zen“ von Shiseido. Das ist nicht so schwer und blumig, sondern eher leicht und frisch und mehr herb als süß.

  6. Das klingt ganz so, als könnte es mir sehr gut gefallen 😊. Ich hab’s nicht so mit den süßen Düften 😉

  7. Wolfgang Zettka

    4. März 2018 at 8:46

    Zu den Weihnachtsgeschenken zurückkehren. Hausfreund statt Henkeltasse.

  8. Ich habt alle drei wunderschöne Haare. 🙂

  9. Ich hab‘ ja die anklagbare Tasse gesehen, deine, und hab‘ deshalb – extra ! die Katzen verschont, echt, hab‘ aufgepaßt…, lobe mich 😉 Bin fix und fertig, müde, komme grade vom Arzt, morgen früh Anwalt, am Donnerstagabend dann Gespräch mit Baselitz, Veranstaltung, Kunstmuseum Basel, grüß‘ dich :),W.

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