Eigentlich doch ganz schick, so ein Kompressionsstrumpf, oder? 😉 Erinnert mich entfernt an meine Ballettstrumpfhosen früher.

Wie war das noch? Bei einer Erkältung soll man sich schonen. Ein Freibrief für ausgiebiges Couchen also. Es sei denn, man hat (kleine) Kinder. Dass aber nicht nur die Kiddies, sondern auch meine Gesundheit mit Schonung nur bedingt kompatibel sind, habe ich nun schmerzhaft am eigenen Leib erfahren dürfen.

Seit einer Woche weigert sich mein aktueller Virenbesuch hartnäckig, seine Sachen und den befreundeten Bazillus zu packen und sich endlich zu verpissen.  Stattdessen haben er und sein Kumpel sich häuslich bei mir eingerichtet.  Um mir Gelegenheit zu geben, mich in Ruhe auszukurieren und den ungebetenen Gästen endlich den Garaus zu machen, ist mein Mann am Wochenende für knapp zwei Tage mit beiden Kindern zu den Schwiegereltern gefahren. Das letzte Mal hatte ich im Februar für einen Tag sturmfrei. Da war ich aber gesund und in Bewegung. Warum das eine Rolle spielt? Dazu komme ich gleich.

Meine obersten Ziele für diese beiden Tage? Jeweils weniger als 5.000 Schritte  gehen und mindestens 1.500 Worte schreiben. Beide Ziele habe ich mit außerordentlich viel Konsequenz und Durchhaltevermögen tatsächlich erreicht und sogar übertroffen. Gerade einmal 4.000 Schritte sind es an Tag 1 geworden und über 2.000 Worte. Ich war stolz auf mich. Doch gegen späten Nachmittag machte sich ein fieses Ziepen an meinem rechten Bein bemerkbar. Auf Kniehöhe. Genau die Stelle, an der sich nach der Geburt des Ämmale der Thrombus festgesetzt und meine große Beinvene komplett geschrottet hat.

Ich habe dann Abends trotz erhöhter Temperatur, Dauerhusten, Kopf-, Bein- und diverser anderer Schmerzen eine spontane Tanzsession eingelegt, was das Ganze aber auch nicht mehr rausgerissen hat. Die vorherigen Stunden war ich einfach zu inaktiv gewesen. Gift für die Venen. Seit ich meinen Fitnesstracker besitze, und wahrscheinlich auch schon zuvor, gab es so gut wie keinen Tag, an dem ich weniger als 10.000 Schritte gelaufen bin, ja sogar nur wenige, an denen ich mich unter 15.000 Schritte gehalten habe. Und da hatte ich keinerlei Probleme mit der kaputten Vene. Und kaum bewege ich mich mal im Büro-Mensch-Durchschnitts-Modus, flippt dieses bekloppte Blutgefäß plötzlich aus.

Nachts tat es dann so weh, dass ich kurzzeitig wirklich Schiss hatte, es könnte sich eine neue Thrombose bilden. Verzweifelt kramte ich um 05.00Uhr morgens nach meinen Kompressionsstrümpfen, die in irgendeiner Schublade verstaubten. Dabei hätte ich nun doch endlich, endlich einmal ausschlafen können. Immerhin habe ich die Strümpfe letztendlich gefunden.

Mit einem erleichterten Seufzen streifte ich sie mir über und wunderte mich zuerst gar nicht darüber, dass das, was mir damals einiges an Schweiß und Kraft abverlangt hat, plötzlich so leicht ging. Als die Strümpfe an meinen Beinen dann aber Falten warfen und von Kompression nicht wirklich viel zu spüren war, dämmerte es mir allmählich: Die Strümpfe waren zu groß. Tja, fast 15kg Abnahme machen sich halt auch in den unteren Regionen bemerkbar, obwohl ich ja von Haus aus eine Birne bin. Figurtechnisch gesehen.

Was also tun? Nun, ich habe die Strümpfe einfach so hoch gezogen, dass ich sie auch als Ganzkörperanzug hätte verwenden können, wäre nicht mein Becken im Weg gewesen. So wurde die Waden- zur Oberschenkelregion und die Kompression war wieder gegeben. Bei Gelegenheit muss ich mir neue Strümpfe anfertigen lassen. Aber nicht in diesem abartigen Oma-beige-Ton. Dann trage ich sie vielleicht auch öfter. Nachdem ich heute weniger geschrieben und dafür mehr Beinübungen gemacht habe (Venenpumpe in Dauerschleife etwa), gibt die böse Stelle schon fast wieder Ruhe.

Ansonsten bemühe ich mich, dass ich trotz Erkältungsdelirium auf meine 10.000 Schritte komme. Ich kann ja auch schleichen, statt laufen. Dann klappt das schon.

Dumpf erinnere ich mich, in den sozialen Netzwerken vor ein paar Tagen folgenden Spruch meines Eiliensche zum Besten gegeben zu haben:

„Mama, kannst du bitte mein Trinken auffüllen? Du brauchst doch eh 10.000 Schritte.“

Mein Kind ist offensichtlich noch klüger, als ich angenommen habe. Auf jeden Fall aber klüger als ich.

 

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Im Hinblick auf eine meiner Geschichten hat sich eine Chance aufgetan, die ich unbedingt nutzen möchte. Konkret heißt das, dass ich nun in Sachen Liebesroman richtig ranklotzen muss. Deshalb wird „Am Anfang war Lila“ eine Zeitlang pausieren. Doch ich denke, dass beide Projekte mehr dadurch gewinnen als verlieren, wenn ich sie nacheinander fertigstelle. Und aus gegebenem Anlass ist jetzt erstmal „Der Liebe zartherber Schmelz“ an der Reihe.

Da mein Ämmale aber ab September drei Vormittage die Woche in den Vorkindergarten gehen wird, eröffnen sich spätestens ab diesem Zeitpunkt auch neue Kapazitäten für meinen Dark-Fantasy-Roman. Habt Geduld mit mir!