Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tagesnotizen #25: „Das Loch“ / Schreib- und Abnehmupdate

In unserem Garten gibt es ein Loch.  Ein Schacht neben den Kellerfenstern.  Eine Reihe von Holzpfeilern grenzt diesen Graben vom restlichen Garten ab. Schon als meine Schwester und ich selbst noch Kinder waren, hatte „das Loch“ eine magische Anziehungskraft. Ein Hauch von Gefahr umweht diese Stelle, die mir heute, da ich selbst Mutter bin, ein Dorn im Auge ist.

Seit Jahren überlegen wir, wie wir den Schacht kindersicher machen können, indem wir ihn zuschütten oder abdecken.  „Das Loch“ einfach mit Erdreich aufzufüllen, ist jedoch keine prickelnde Option.  Schließlich wäre es dann stockdunkel im Keller und Lüften nicht mehr möglich. Ein Netz wollen wir auch nicht über den Mini-Abgrund spannen und Holzplatten halten wir ebenfalls für riskant. Das verleitet die Kiddies erst recht dazu, auf dem Schacht herumzutanzen.  Einstweilen passen wir einfach auf wie die Schießhunde und versuchen, den Kindern ein Gefühl für die Gefahr zu vermitteln. Steinigt mich: Aber wir können die Kleinen sowieso nicht in Watte oder eine mobile Gummizelle packen. Sie müssen lernen, eventuelle Bedrohungen wahrzunehmen.

Mein Eiliensche ist jedoch ein großer Fan von Astrid Lindgrens „Madita“. Und dass  Madita es  souverän meisterte, auf dem Sims des Schuldaches zu balancieren, hat meiner Erstgeborenen mächtig imponiert. Unter uns: Mir auch, als ich so alt war. Dennoch lasse ich bei dieser Szene regelmäßig die entsetzte Mutter raushängen.  Das hält das Eiliensche jedoch nicht davon ab, das „Madita“-Feeling auf den Holzpfeilern rund um „das Loch“ auszutesten. Vor ein paar Tagen war es dann wieder so weit.  Wir ertappten meine Große dabei, wie sie auf den Holzsäulen entlangspazierte. Sobald wir sie aus der Gefahrenzone entfernt hatten, nahmen wir sie uns zur Brust:

„Wie oft haben wir dir gesagt, dass „das Loch“ tabu ist? Da wird nicht balanciert! Du kannst dir alle Knochen brechen, wenn du da hinunter fällst!“

Das Eiliensche verschränkte die Arme vor der Brust: „Ich falle nicht!“

Wir zogen alle Register: „Außerdem macht das Ämmale dir alles nach.  Das willst du bestimmt nicht, dass deine Schwester abstürzt, oder?“

Eiliensche: „Ich passe schon auf sie auf.“ Sie wandte sich dem Ämmale zu und wies sie in einem Ton zurecht, der mir seltsam vertraut vorkam: „Du darfst nicht an „dem Loch“ balancieren! Das ist TABU!“

Offenbar bedurfte es ein wenig mehr Nachdruck und Dramatik unsererseits: „Du musst nur einen Fuß daneben setzen, dann krachst du runter. Und dann musst du ins Krankenhaus. Da ist nix mehr mit herumhüpfen. Im Krankenhaus darfst du den ganzen Tag im Bett liegen. Mit Schmerzen. Und allein. Klingt toll, oder?“

Das Eiliensche runzelte die Stirn. Kurz darauf erhellte sich ihre Miene: „Ich glaube nicht, dass ich allein bin im Krankenhaus.“

Wir – irritiert: „Wie meinst du das?“

Meine Vierjährige – lächelnd: „Wahrscheinlich treffe ich dort das Ämmale.“

M. und ich haben den Beiden dann einige Holzlatten auf die Terrasse gelegt. Dort wurde das Balancierbedürfnis ausreichend gestillt. Für`s Erste.

 

***

Zum Glück waren die letzten Tage auch von weniger halsbrecherischen Aktionen geprägt. So gingen wir vom Ostereier- direkt über zum Feensuchen.  Dazu eigenen sich die widerstandsfähigen Plastikfigürchen, die die Kinder mittlerweile in allen erdenklichen Ausführungen besitzen, hervorragend. Und beim Hugendubel haben wir dieses schöne Buch erstanden, welches das Eiliensche gleich dazu animierte, eigene Quallen und Monsterchen sowie heiter bis düstere Geschichten zu erschaffen, die sich um diese liebenswerte Wesen ranken.

Strenggenommen dreht es sich in dem Buch um`s Schnipseln, aber die Inspirationen waren auch ohne Weiteres für`s Klecksen anwendbar. Und meine Mädels und ich sind ja diesbezüglich eher ein faules Pack. Also wurde fröhlich mit Wasserfarben gepantscht und die Tropfen im Anschluss per Fineliner zum Leben erweckt. Erinnert mich ein wenig an`s Zentangeln, das Ganze.

 

 

***

Wie in meinem letzten Post angekündigt bin ich nun dabei, meine Schreibroutine wieder aufzunehmen. Die ersten Früchte konnte ich bereits ernten: Vor ein paar Tagen ist ein neues Kapitel meiner Liebesgeschichte online gegangen. Allerdings ist es nicht so einfach, an zwei thematisch recht unterschiedliche Romane parallel zu schreiben. Dass das mal zum Problem werden wird, wusste ich schon, als ich mich damals zum NaNoWriMo angemeldet habe. Nun bin ich am Überlegen, ob ich mich nicht auf einen Roman fokussieren und diesen beenden sollte, bevor ich mich dem anderen widme. Andererseits will ich weder die Leser der einen, noch die der anderen Geschichte zu lange warten lassen. Ich bin unschlüssig. Zunächst bin ich schon mal froh, dass überhaupt wieder etwas vorangeht.

***

„Der Weg ist das Ziel“. Dieser Spruch mag ausgelutscht sein, aber deshalb ist er nicht weniger wahr. Noch bin ich lange nicht am Ende meiner Abspeckreise, doch inzwischen lassen sich die positiven Auswirkungen nicht mehr verleugnen, und diese sind es bereits tausendmal wert, dass ich dieses Projekt endlich angepackt habe:

  • Meine Rückenschmerzen sind so gut wie passé.
  • Mein Immunsystem hat sich extrem verbessert. (Moment, ich muss dreimal auf Holz klopfen.) Die Intervalle zwischen den Erkältungswellen werden größer und mein Körper schreit nicht mehr sofort „hier“, wenn ein Virus des Weges kommt.
  • Vieles fällt mir leichter, während ich zugleich stärker werde. (Ran an die Gewichte, Mädels! :-))
  • Endlich schrumpft meine Wampe und sogar mein Mann hat sich anerkennend dazu geäußert, dass die Bauchmuskeln zumindest schon wieder zu erahnen sind. Dazu muss ich sagen, dass mein Bauch mir ein wenig wie ein Fremdkörper erschien in den letzten Jahren.  Das Geschwabbel war bedingt durch die Zunahme und die kurz hintereinander folgenden Schwangerschaften, aber ich konnte mich einfach nicht damit anfreunden.  Denn einen Bauch hatte ich nie – auch in üppigeren Zeiten.  Meine Problemzonen sind eher Schenkel und Gesäß. Aber auch hier merke ich eine deutliche Veränderung. Das mag alles recht hohl bis eitel klingen, doch ich will nicht nur gesund werden, sondern mich auch wieder wohl in meinem Körper fühlen.
  • Anteile meines weiblichen Umfeldes werden tendenziell biestiger ;-). Auch das zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Obwohl ich mich schon jetzt wieder davor grause, dass mir Mitmenschen bei einem Gewicht von 60kg auf 1,70m ungefragt Magersucht attestieren. Solche Sprüche werden kommen und auch wenn ich von meinem Zielgewicht noch weit entfernt bin, muss ich mich bereits jetzt dagegen wappnen, denn derlei Äußerungen haben mich damals massiv runtergezogen.

Dann gibt es noch die Kandidaten, die mir hämisch lächelnd ihren selbstgebackenen Kuchen präsentieren und dann süffisant säuseln: „Du bist ja auf Diät, du Ärmste. Dann darfst du das ja nicht.“

„Doch“, antworte ich und genehmige mir ein extra großes Stück.

Schmatzend zücke ich mein Handy und zeige den Ungläubigen das:

 

Wer viel verbrennt, kann auch viel essen. Und trotzdem abnehmen.  Ein Pfund Milka Noisette am Abend sollte es allerdings nicht mehr sein. Die 15kg-Marke winkt schon. 🙂

 

Zum Abschluss eine aktuelle Zeichnung von meinem Ämmale. Auch sie liebt „farbenfroh“. 🙂

 

2 Kommentare

  1. Ein herzerfrischender Blogbeitrag! Deine Tochter erinnert mich an … mich… damals… 😉

    • Danke dir für deinen netten Kommentar, liebe Monika! 🙂 Dann haben du und ich sicher so einige Gemeinsamkeiten. 🙂 An mich selbst erinnert sie mich nämlich auch, aber das sage ich ihr lieber nicht. Wäre aus pädagogischer Sicht wohl eher kontraproduktiv. 😉 Aber ich ertappe mich sehr oft beim Schmunzeln, wenn die Situation es eigentlich erfordert, ernst zu bleiben.
      Liebe Grüße und einen schönen Resttag!
      Mary

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