Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Endjahresnotizen: Schreiben als Beruf(ung)?

Meine Große hat offenbar nicht nur den Hang zur Wallemähne von mir geerbt. Ebenso wie ich ist sie Geschichten und Bildern verfallen. Farben und Büchern. Sie inhaliert sie förmlich. Und ich werde sie nach Leibeskräften dabei unterstützen, diese Leidenschaften und ihre Kreativität ungehemmt ausleben zu dürfen. Schon jetzt bete ich insgeheim dafür, dass sie später nicht annähernd so zerrissen sein wird wie ich und dafür, dass ihr Weg geradliniger verläuft als der meine. Wobei es vielleicht auch des ein oder anderen Schlenkerers bedarf, um zu erkennen, was man wirklich will. Was mich persönlich angeht, fragte ich mich allerdings, ob ich nicht einfach auf der Hauptstrasse hätte bleiben sollen, statt mich über Jahrzehnte hinweg auf irgendwelchen Nebenpfaden herumzutreiben.

Es war gleichgültig, ob man mich mit acht oder mit achtzehn nach meinem Berufswunsch gefragt hat. Die Antwort war immer die gleiche: „Schriftstellerin“.

Kurz vor dem Abitur hat jedoch die Vernunft das Herz überwältigt. Nach einem Intermezzo in der Ökotrophologie (Ernährungswissenschaften) bin ich in der Betriebswirtschaftslehre gelandet. Mein Faible für`s Texten konnte ich immerhin im Marketing, einem meiner beiden Studienschwerpunkte, ein wenig ausleben. Nachdem ich mich dann Diplomkauffrau schimpfen durfte, habe ich eine Odyssee durch verschiedene Berufsfelder unternommen. In der Investorenbetreuung fühlte ich mich tatsächlich mehrere Jahre heimisch. Irgendwann wollte ich jedoch mehr. Für mich und meine Kunden. Außerdem stieß es mir selbst äußerst unangenehm auf, dass es um meine Expertise in Sachen Jahresabschlussberichte eher kläglich bestellt war. Als diplomierte Betriebswirtschaftlerin konnte ich nicht einmal eine Bilanz lesen. Was für ein Armutszeugnis. Um den Investoren die Zahlen zu erklären, musste ich jedes Mal jemanden aus dem Rechnungswesen zu Rate ziehen. Und das stank mir gewaltig. Also habe ich nebenberuflich die Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter nachgeschoben.

Hört sich simpel an, war es aber nicht. Weder, was die Ansprüche an die vorherige Qualifikation, noch was die Inhalte dieses zweijährigen Kursus und die Prüfungen anging. Ich habe regelrecht dafür gekämpft, den Bilanzbuchhalter machen zu dürfen und wäre vor Freude fast an die Decke gesprungen, als ich von der zuständigen Behörde grünes Licht bekam. Zusammen mit meinem Mann, der sich als eingefleischter Controller und aus Solidarität zu mir ebenfalls zu dieser Weiterbildung entschloss, habe ich mich dann durchgebissen.  Im Anschluss habe ich die Abteilung gewechselt und fast noch den Steuerberater drangehängt.

Doch dann kam mein Eiliensche und stellte meine kauffrauliche Welt quasi über Nacht völlig auf den Kopf. Ich lache heute noch darüber, dass ich die Steuerberaterqualifikation in der Elternzeit erwerben wollte. Wer vom Fach ist, wird jetzt ebenfalls grinsen oder womöglich prustend unter dem Tisch liegen.

Warum schreibe ich das alles?

Mein Job hat mir Spaß gemacht und noch immer halte ich eine Anstellung im Rechnungswesen nicht für die schlechteste Idee.  Wenn alle Stricke reissen, werde ich mich vielleicht in einigen Jahren auch dort wiederfinden. Und potentielle Arbeitgeber, die zufällig über diesen Post stolpern, mögen bitte davon Abstand nehmen, entsetzt die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Sollte es so(weit) kommen, dass ich meine Brötchen wieder in der Buchhaltung verdiene, versichere ich Ihnen, dass ich meiner Arbeit mit dem größten Engagement nachgehen werde.

Doch meinen Traum von der Schriftstellerei habe ich nie ganz begraben. Nur zeitweise auf Eis gelegt.

Als dann meine zweite Tochter aus dem Allergröbsten heraus war, habe ich diesen Blog ins Leben gerufen. Im November ist er ein Jahr alt geworden und hat mich eines gelehrt:  Für mich ist Schreiben Passion. Nie wieder möchte ich es missen. Und es wird niemanden überraschen, dass ich alles daran setzen werde, diese Leidenschaft mittel- bis langfristig auch zum Beruf zu machen. So manch einer aus meinem persönlichen Umfeld wundert sich trotzdem über diese kuriosen Ambitionen.

Will ich ernsthaft mein Studium, meine Weiterbildung und meine Berufserfahrung in den Sand* setzen, um einem Traum nachzujagen, von dem heute niemand sagen kann, ob er sich wirklich erfüllen wird? Ja, ich will. Und ich muss. Sonst werde ich mich noch auf dem Sterbebette fragen, was gewesen wäre, wenn… Sollte die Seifenblase jäh zerplatzen, könnt ihr mir live beim Scheitern zusehen. „Ihr“: Das schließt auch um die zwanzig Leute aus meinem privaten Umfeld mit ein, die diesen Blog und meine Wünsche kennen.

Am liebsten wäre es mir natürlich, wenn ich irgendwann mit meinen Romanen Geld verdienen könnte. Unabdingbare Voraussetzung hierfür ist, dass ich meine Manuskripte am besten innerhalb der nächsten zehn Monate und nicht erst in zehn Jahren fertigstelle. Dann ist die Frage, ob ich einen Verlag finde oder ob ich sie selbst publizieren will, soll, muss. Und das Wichtigste überhaupt: Gibt es Leser für meine Geschichten? Viele fragen mich, warum ich „Am Anfang war Lila“ kostenlos auf dem Blog,  auf Wattpad  und zwei anderen Plattformen zur Vefügung stelle. Eben drum. Ich will wissen, ob meine Stories überhaupt das Potential haben, Leute zu fesseln. Da das Feedback durchwegs positiv ist, wage ich es, zu hoffen.

Mit dem Blog Geld zu verdienen, wäre eine weitere Möglichkeit, die mir Freude bereiten würde. Wenn ich es richtig anpacke.  Keine Sorge: Meine Leser mit Werbung oder Produktbesprechungen zuzuballern, halte ich für keine Option.   Wenn, dann funktioniert das nur mit Win-Win-Win auf allen Seiten (Leser, Blogger, Unternehmen).  Seit einiger Zeit befasse ich mich mit Diskursen zum Thema „Wie monetarisiere ich meinen Blog“ und mir brummt der Schädel angesichts der Vielfalt von Modellen und Dingen, die es zu beachten gilt. Hier fehlt es mir noch gewaltig an Know How – und Reichweite. Ein paar Firmen haben zwar meine Kontaktdaten doch schon gefunden, obwohl ich dachte, ich hätte sie gut genug versteckt ;-), aber soweit, dass ich Kooperationen eingehe, bin ich noch lange nicht.  Mit einigem Respekt beobachte ich das Treiben in den sozialen Netzwerken. Die Gefahr, sich zu verzetteln, ist riesig. In den letzten Tagen habe ich nicht nur einmal vom Bloggerburnout gelesen und obwohl ich noch nicht einmal ansatzweise versucht habe, mit meinem Blog Geld zu verdienen, kann ich mir sehr gut vorstellen, welchem Druck sich zahlreiche Blogger ausgesetzt fühlen.

Zudem ist mein Blog derzeit ein kunterbuntes Chaos und entspricht mitnichten der Idealvorstellung von Blogexperten. Im Grunde mache ich so ziemlich alles falsch, was geht. Ich kann mich noch gut erinnern, dass unser Marketingprof schon damals, vor fast hundert Jahren, davon abriet, einen auf eierlegende Wollmilchsau machen zu wollen. Zumindest am Anfang ist das eine ganz miese Strategie, die in den seltensten Fällen aufgeht. Besser sucht man sich eine Nische und natürlich braucht man ein Alleinstellungsmerkmal.

Tja. Diese Ratschläge habe ich bereits schon lange verinnerlicht, bevor in Deutschland auch nur irgendwer wusste, was ein Blog ist, aber dennoch fällt es mir schwer, sie zum aktuellen Zeitpunkt umzusetzen.

Ich denke, dass es vielleicht gar nicht so verkehrt ist, sich zunächst breiter aufzustellen. Sich auszuprobieren. Zu sehen, was einem liegt und was nicht. Wo Mehrwert für die Leser entsteht und wo ich sie nur langweile. Wie soll ich all das wissen – ohne „Feldforschung“? Manch einer mag mit zielgerichteten Strategien, die er zu Hause im stillen Kämmerlein akribisch ausgetüftelt hat, durchschlagenden Erfolg erzielen, aber ich glaube, für mich funktioniert eher eine andere Herangehensweise. Auch „Trial and Error“ genannt.  Garniert mit einem großen Batzen Wissen, das ich mir erst aneignen muss.

Gleich, wie ich es drehe und wende. Sowohl Bücher als auch Blog werden frühestens in ein bis zwei Jahren erste Groschen abwerfen. Wenn überhaupt. Daher strecke ich meine Fühler parallel in andere Richtungen aus.  Dass auch Quereinsteiger Chancen haben, sich als freie Texter zu verdingen, hat mich dazu bewogen, auch diese Option in Betracht zu ziehen.  Zumal hier auch kurzfristig Einnahmen generiert werden können. Allerdings schrecken mich die teils abartig niedrigen Wortpreise, die insbesondere auf einschlägigen Portalen gang und gäbe sind. Nur, wer Erfahrung und entsprechende Referenzen aufzuweisen in der Lage ist, wird hier mehr als einen Hungerlohn erhalten.

Sollte ich die verschiedenen Tätigkeitsfelder miteinander verknüpfen wollen, stellen sich auch steuerliche Fragen. Als Blogger müsste ich ein Gewerbe anmelden, wohingegen Buchautoren und Texter den freien Berufen angehören.

Beim Erstellen dieses Posts habe ich durchaus mit mir gehadert. Ist es legitim ist, meine Gedanken zu diesem Thema in diesem frühen Stadium heraus zu posaunen? Wenn es um Geldangelegenheiten geht, wird häufig noch vornehm geschwiegen. Doch ich weiß, dass ich nicht die einzige (Mutter) bin, die dieses Thema umtreibt. Und wenn ich mir die Entwicklung und inspirierenden Berichte zu den zahlreichen Mompreneurs anschaue, die bereits mutig diesen Weg eingeschlagen haben, denke ich, dass auch meine Pläne nicht komplett utopisch oder idiotisch sind.

Für das neue Jahr nehme ich vor, mir in diesen drei Bereichen das nötige Rüstzeug anzueignen und zumindest eines meiner beiden Romanmanuskripte fertigzustellen. Wie ich Zeit finde, die ich eigentlich gar nicht habe , sie effzient nutze und meine Schreibaktivitäten strukturiere, hat mich der NaNoWriMo gelehrt.  Wenn ich dann allerdings Ende 2017 über diesen Post stolpere, werde ich wahrscheinlich genauso lachen wie über meine Idee, in der Elternzeit die Steuerberaterprüfung abzulegen.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen guten Rutsch!

(Dieses neue Bild meines Eiliensche spricht mir aus der Seele:)

*Gut, so ganz stimmt das nicht. Ich bin davon überzeugt, dass meine Marketing- und Buchhaltungskenntnisse auch bei einem Sprung in die Selbstständigkeit Gold wert sind.

4 Kommentare

  1. So eine lange Rechtfertigung. ☺ Schreiben und gut ist.

    • Hallo Wolfgang!

      Ja, nicht wahr? 😉 In der Zeit hätte ich wohl schon ein halbes Kapitel von „Am Anfang war Lila“ geschafft. Aber wahrscheinlich musste ich mir einfach selbst gut zureden. Und Schreiben hilft mir halt auch beim Gedanken sortieren.

      PS: Dein Kommentar könnte von meinem Mann stammen. Der sagt mir tagtäglich das Gleiche. 🙂

      Viele Grüße von
      Mary

  2. Ausprobieren, suchen und einfach schreiben ja, aber dann wird es doch Zeit zu erkennen wo die Reise hingehen soll, um Energie zu bündeln und in die passende Richtung lenken. Sich in einem langen Post darüber Gedanken zu machen lohnt sich. Zuweilen – und die Jahreswechsel taugen dafür bestens – schreibe ich auf, was ist erreicht, ziehe Bilanz und was will ich noch schaffen. Hin und wieder fallen mir meine alten Wunschlisten in die Hand und ich bin immer wieder erstaunt, wieviel doch tatsächlich umgesetzt worden ist…quasi unbewusst – scheinbar wie von Zauberhand. Dafür braucht es ein Ziel und eine große: “ was will ich schaffen“ – Liste.
    Macht auch Spaß sonst wäre das Leben zu langweilig, wenn es nix gibt worauf sich der Ehrgeiz richtet.
    einen guten Rutsch in Jahr 2017
    Malmuse

    • Liebe Malmuse,

      vielen Dank für deinen motivierenden und spannenden Kommentar! 🙂 Du hast recht: Es ist wichtig, sich irgendwann zu fokussieren, da weder Energie noch Zeit unerschöpfliche Ressourcen sind. Sowohl meine Romanprojekte als auch der Blog liegen mir am Herzen. Wobei ich lange überlegt habe, ob ich mich nicht zunächst ausschließlich auf die Fertigstellung meiner Manuskripte konzentrieren soll. Andererseits glaube ich inzwischen, dass Blog und Romane sich eher gegenseitig unterstützen als im Wege stehen. Bis Ende 2017 habe ich noch »Zeit«, mich allein (abgesehen von meiner Familie und den Alltagsverpflichtungen natürlich) diesen Projekte zu widmen. Wenn bis dahin kein Land in Sicht ist, werde ich parallel mein Glück als freie Texterin versuchen. Erste Vorstöße dahingehend werde ich vielleicht schon nächstes Jahr unternehmen. Allerdings muss ich echt aufpassen, mich nicht zu verzetteln. Übrigens werde ich in meinem Post oben noch eine Ergänzung vornehmen. Es stimmt nicht ganz, dass ich beim Weg in eine potentielle Selbstständigleit Studium und Berufserfahrung in den Sand setze. Gerade meine Marketing- und Buchhaltungskenntnisse sind Gold wert. Die Idee mit der Wunschliste finde ich wunderbar und inspirierend! Ohne konkrete Zukunftspläne werden Träume nur Schäume bleiben. Rutsch du auch gut rüber, du Liebe!

      Herzliche Grüße von Mary

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