Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tagesnotizen #22: Neue Kinderzeichnungen und Buchstabengemälde

„Mama, ich hab einen Geist gesehen!“ Das Eiliensche hetzt aufgeregt in den ersten Stock hinauf, wo ich gerade ebenso verzweifelt wie vergeblich versuche, das Ämmale zu einem Mittagsnickerchen zu überreden. Da meine Große ein wenig blass um die Nase ist, lege ich mein ohnehin aussichtsloses Vorhaben ad acta.

„Wie hat er denn ausgesehen?“, frage ich sie. Meinem Eiliensche ist in diesen Situationen am besten geholfen, wenn man sie ernst nimmt.

„Er war schwarz und hat die Arme nach mir ausgestreckt“, antwortet meine Tochter.  Mir stellen sich sofort die Nackenhaare auf. Im Gruselgeschichten erzählen ist meine fast Vierjährige versierter als ich.

„Er wollte dir bestimmt nichts tun“, beruhige ich sie. Gleichzeitig habe ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Obwohl ich penibel darauf achte, dass sie nichts über den Inhalt meiner Geschichte erfährt.  Und noch kann sie nicht lesen. Wobei sie alles daran setzt, diesen Umstand bald zu ändern. Aber dazu unten mehr.

„Ne, der wollte, dass ich zu dir hochkomme“, erklärt das Eiliensche souverän.

„Das hat ja offensichtlich gut funktioniert“, antworte ich trocken. Später schauen wir zusammen nach, ob der Geist noch da ist.  Zum Glück nicht. Ich muss zugeben, dass ich sogar selbst ein wenig Herzklopfen hatte.

Das Interesse für mysteriöse Phänomene ist tief in meiner Familie mütterlicherseits verwurzelt. Schon meine Oma hat gerne Geistergeschichten erzählt. Meine Mama stand ihr in  nichts nach. Und auch mein Urgroßvater hatte laut den Erzählungen der beiden einen Faible für Übersinnliches.

Das Ämmale fängt auch schon an:

Gestern Abend. Mein Mann und ich sitzen bereits, man glaubt es kaum, geschlagene fünf Minuten Arm in Arm auf der Couch, während die Kinder um uns herumwuseln. Plötzlich kommt das Ämmale an und fordert:

„Wauwau haben.“ Sie meint ihren Plüschhund.

„Wo ist der denn?“, versuchen wir, das Unumgängliche – den Hund für sie zu suchen – hinauszuzögern.

„Eiliene. Bett“, antwortet unser Bald-nicht-mehr-Baby prompt.

„Super“, loben wir sie. „Dann kannst du ihn ja holen.“

„Nein!“, schreit das Ämmale so laut, dass wir alle zusammenzucken. Dann hebt sie den Zeigefinger, sieht uns mit ihren dunklen Augen beschwörend an und flüstert:

„Monster. Oben.“

Tja. Nun denkt aber bitte nicht, liebe Leser, dass wir den Kindern da einen Floh ins Ohr setzen. Wir erzählen ihnen aus gutem Grund keine Gruselgeschichten.

Zum Glück sind auf den Zeichnungen des Eiliensche nur sehr selten düstere Gestalten anzutreffen. Andernfalls würde ich mir doch ein wenig Sorgen machen. Sie hat nach wie vor eine Vorliebe für Prinzessinnen und Feen und mit jeder Woche werden ihre Bilder detaillierter. Teilweise malt sie jetzt auch Pupillen und  neuerdings achtet sie auf Körperumfänge. Weswegen ich auf ihren Bildern oft als unförmige Tonne in Erscheinung trete. Immerhin als Tonne mit zarten Feenflügeln. 😉

Mehr als das Zeichnen faszinieren sie momentan allerdings Buchstaben und Worte. Ich weiss, dass die Lehrer es später nicht unbedingt gerne sehen, wenn die Kinder sich schon im Lesen und Schreiben versuchen, noch bevor sie in die Schule kommen, aber ich möchte mein Kind auch nicht absichtlich dumm halten und vertrösten. Mein Mann und ich sind passionierte Leser und wahrscheinlich hat diese doppelte, genetische „Vorbelastung“ eine durchschlagende Wirkung auf unsere Erstgeborene. Außerdem wurmt es sie gewaltig, dass sie oft nicht weiß, was wir lesen oder ich schreibe. Ich kann gar nicht sagen, wie oft ich in den letzten Wochen die Frage „Was steht da?“ gehört habe. Zunächst hatte ich beabsichtigt, überall dort, wo das Eiliensche sich namentlich verewigt hat, die  entsprechenden Stellen unkenntlich zu machen. Daher rührt auch die etwas seltsame anmutende Collage im Titelbild. Nachdem ich aber ihr Interesse für Buchstaben für einen bedeutsamen Entwicklungsschritt halte, den ich an dieser Stelle auch einfach für uns selbst dokumentieren möchte, die Suchmaschinen ihre Handschrift hoffentlich nicht lesen kann und ich mittlerweile unter Pseudonym agiere, ist hier doch eines ihrer „Buchstabengemälde“ zu sehen.

Selbst in diesem Alter sind die Entwicklungssprünge noch gewaltig, auch wenn sie vielleicht im Vergleich zu einer knapp Zweijährigen nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind. Und ich halte es für äußerst wichtig, das auch – gerade dem Eiliensche selbst gegenüber – entsprechend zu würdigen.

Eiliensche:

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Hier kommen zwei  traurigere Bilder…

Weinendes Kind:

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Mädchen, allein zu Haus:

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Beim Ämmale wird die Mallust allmählich auch größer:

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Dieses Bild stelle ich jetzt trotz Fettflecken ein (- Stammleser wissen, dass das Ämmale ein Kuchensuchti ist). Es gefällt mit einfach zu gut:

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2 Kommentare

  1. Zauberhafte Kinderkunst! Monster und dicke Feen? Sehe ich nicht, ich sehe nur schöne Menschen. 😉

    Liebe Grüße, Claudia

    • Du hast recht, liebe Claudia. Und für mich ist sowieso jedes einzelne dieser herzerwärmend freundlichen Wesen schön. Einfach schon deshalb, weil meine Tochter sie gezeichnet hat. 🙂
      Liebe Grüße zurück von Mary

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