Federfarbenfee

Von jung und angejahrt in Wort und Bild

Tagesnotizen #3 und neues Zentangle

„Wie heißt die Prinzessin?“

Ich bin ratlos: „Welche?“

Das Eiliensche schnaubt ungehalten durch ihre frischgeföhnten Haare, die einem seidenen Vorhang gleich ihr Gesicht verdecken.  „Die mit dem orangen Kleid. Blau ist auch mit dabei. Sie hat auch keine Windel mehr. Und so Haare wie ich. Nur schwarz.“

Fieberhaft gehe ich alle mir bekannten Märchen im Geiste durch. Die üblichen Verdächtigen scheiden offensichtlich aus. „Ist sie so alt wie Du?“, wage ich einen weiteren Vorstoß.

„Ein bisschen größer. Und sie wird noch größer.“

„Dornröschen wird zuerst als Kind gezeigt. Rapunzel auch…“ Ich überlege laut und ziehe damit die Entrüstung meiner Erstgeborenen auf mich: „Die haben doch keine schwarzen Haare!“

„Schneewittchen?“

„Nein! Mensch, Mama! Du kennst die.“ Das Eiliensche wird immer ungeduldiger. Die Stimmung droht endgültig zu kippen.

„Es hilft alles nichts, mein Schatz. Du musst mir noch etwas mehr erzählen. Sprichst Du von einem Film oder von einem Buch?“

„Von einem Film.“

„Kannst Du mir den nachher zeigen?“

„Nein. Ich weiß nicht, wie die Verpackung aussieht.“ Die verzweifelte Anstrengung, mit der meine Tochter die Identität der geheimnisvollen Prinzessin zu lüften versucht, rührt mein Herz.

„Was macht sie denn in dem Film?“

„Sie macht die Puppen kaputt.“ Hoppla, das ist aber gar nicht ladylike. Scheint ein Märchen mit einem eigenwillig-innovativen Ansatz zu sein.  Aber ich komm einfach nicht drauf.

„Und sie verkleidet sich als Junge.“ Irgendwo in meiner Erinnerung bimmelt sanft ein Glöckchen.

Das Eiliensche scheint das leise Klingeln auch gehört zu haben. Ein Hoffnungsschimmer gleitet über ihr Gesichtchen. „Sie sitzt im Brunnen. Und streichelt eine Maus.“

„Ich weiß es“, jubele ich. „Prinzessin Fantaghiro!“

„Ja! Prinzessin Fantaghiro!“ Überglücklich fällt mir das Eiliensche um den Hals. Puh, das war knapp. Rätselraten mit meiner Tochter toppt in Sachen Nervenkitzel so manchen Psychothriller.

So oder so bin ich stolz auf meine Dreijährige. Darauf, dass mich allein mit ihren Worten zu der italienischen Märchenserie gelotst hat, die zwar meine persönliche, nicht aber die offizielle Kleinmädchen-Hitliste von Prinzessinnengeschichten anführt. Wow, meine Tochter hat Geschmack. Und Hilfe – meine Tochter wird erwachsen!

Der ein oder andere wird sich fragen, warum ich schon wieder mit einem neuen Satz Tagesnotizen statt endlich mit dem achten Kapitel von „Am Anfang war Lila“ um die Ecke komme.

Ich bin dran, um nicht zu sagen, mittendrin und ich hoffe sehr, dass ich es bis spätestens Ende nächster Woche online stellen kann. Es hat sich als hilfreich erwiesen, wenn ich Protagonisten und Geschichte auch tagsüber in Gedanken des Öfteren aufsuche. Nicht nur flüchtig, zwischen Tür und Angel. Das würden sie mir verübeln. Nein, ich muss mich schon zu ihnen setzen und mir in Ruhe anhören, was sie mir zu sagen haben. Die besten Gelegenheiten, um eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen, bieten sich, wenn ich mich mit meinen Kindern an einem ruhigen Plätzchen befinde und ich sie gut beschäftigt weiß. Neulich im Wald. Das war so ein Moment.

Die letzten Tage waren jedoch in erster Linie geprägt vom Ostertrubel und meinen Reizhustenattacken.

Am Ostersonntag waren wir bei meinen Schwiegereltern, deren Garten zum Territorium eines besonders sportlichen Osterhasens zu gehören scheint. Zwei der Nester befanden sich in luftiger Höhe. Nahe den Baumwipfeln.  M. und sein Vater hatten offensichtlich nicht bedacht, dass das Eiliensche und das Ämmale nur halb so groß sind wie sie.

Zwar hatten beide ihre Kletterfertigkeiten kurz zuvor im Jimmy`s, einem wirklich empfehlenswerten Indoorspielplatz, trainieren können, doch um die besagten Osternester zu erhaschen, hätten sie angesichts der glatten Baumstämme schon Haken und Sicherungsgerätschaften gebraucht. Eine Ausrüstung, über die der Osterhase standardmäßig verfügt, wie wir dem Eiliensche glaubhaft versichern konnten.

Im Jimmy`s war ich übrigens nicht nur vom Ämmale begeistert, welches seiner Schwester mühelos hinterherturnte, sondern auch davon, dass ich tatsächlich in alle Rutschen und Reifen sowie durch alle Aufgänge, Tunnel und sonstigen, knifflig aussehenden Hindernisse passte. Selbst der Wasserscooter kenterte nicht mit mir an Board. Absolutes Highlight ist und bleibt für mich die lange Wellenrutsche. Ich hätte noch hundert Mal mit wahlweise dem Eiliensche oder dem Ämmale im Arm da hinunter rutschen mögen.

Mein Abnehmprojekt lag die letzten Tage auf Eis, wird jetzt aber allmählich wieder aufgetaut.

Gestern wurde ich mit zwei verstörenden Sachverhalten aus meiner eigenen Vergangenheit und aus der viktorianischen Epoche konfrontiert. Dass diese Eindrücke ausgerechnet nach einer schlaflosen Nacht in meinem Hirn aufeinandertrafen und sich dort unmittelbar festbrannten, war fatal. Für mich. Leider alles zu persönlich und familiär, um es hier niederzuschreiben. Ich hoffe, dass ich in zehn Jahren noch weiß, was ich mir selbst mit diesen nichts sagenden Worten sagen wollte. Nur soviel: Es ist gut und richtig, dass mein Roman kein Horrorschocker wird. Unheimlich hie und da, ja, aber nie auf die Art, die einen über Jahrzehnte hinweg oder sogar für ein ganzes Leben traumatisieren kann. Meine Geschichte soll die Seele füttern und wärmen. Hoffnung geben und nicht zerstören.

Zum Zentangle: Die Striche sind mal fahrig und abgehackt, mal ruhig und fließend. Und das ist in Ordnung. Sie bannen die Situationen und Momente, aus denen sie heraus entstanden sind, dort aufs Papier, wo Worte versagen.

4 Kommentare

  1. Guten Morgen Mary,
    macht Spaß Deine Texte zu lesen. …in den Blogroman muss ich noch reinkommen. …und Kapitel nachholen. Man merkt das Du wirklich gerne schreibst….liest sich gut. Schönes Zentangle 🙂
    Liebe Grüße zum Sonntag
    Almut

    • Guten Abend, liebe Almut,
      es freut mich sehr, dass Dir meine Texte und das Zentangle gefallen. 🙂 Was den Blogroman angeht: Lass Dir Zeit! Leider sind die Intervalle zwischen den Veröffentlichungen der einzelnen Kapitel derzeit recht groß und das macht es M.E. per se schon recht schwierig, da problemlos am Ball zu bleiben. Also lieber gemütlich an die Geschichte rangehen – dann liest Du in dem Tempo, in dem ich momentan schreibe. 😉 Ich hoffe, Du hattest einen schönen Tag mit Sonne von außen und von innen! Liebe Grüße, Mary

  2. Oh Gott, Prinzessin Fantaghiro war sehr lange mein Lieblingsfilm und sogar mein Nickname!!! Deine Tochter hat wirklich Geschmack;)
    Und dein Zentangle ist auch wunderschön:)
    LG Lisa von http://mamakreativ.com

    • Liebe Lisa, es freut mich sehr, dass Dir Prinzessin Fantaghiro auch noch ein Begriff ist. 🙂 Und danke für Dein Kompliment, mein Zentangle betreffend! LG zurück, Marianne

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